Die Lobby-Arbeit der globalen Alkoholindustrie

Wer sich mit der Problematik der "Präventionsbemühungen" der Alkoholindustrie befassen will, dem sei die Lektüre (engl.) von "The beverage alcohol industry's social aspects organizations: The Globe Issue 3 2002 empfohlen, sowie unsere Meldungen unter "Internationales".

Diageo-Newsletter 16.5.06

Diageo Original Unser Kommentar
Newsletter -  Mai 2006
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Sehr geehrter Herr Meyer Hermann T.

Diageo Suisse SA ist die Schweizer Tochterfirma des weltweit führenden Herstellers von Premium Spirituosen wie Johnnie Walker, Baileys, Smirnoff usw.
Diageo will seiner hohen sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung in vorbildlicher Weise nachkommen und unterstützt deshalb den genuss- und massvollen Umgang mit Alkoholgetränken.
Diageo verfügt über einen strengen Marketingkodex und richtet alle seine Marketing- und Werbeaktivitäten ausschliesslich an erwachsene Konsumenten.
Mit diesem und weiteren Newslettern informiert Diageo Suisse SA in regelmässigen Abständen über neue Entwicklungen und Erkenntnisse in den Bereichen Alkoholforschung, Alkoholpolitik und Prävention.

News

Stellungnahme des Bundesrates zum Verkauf von alkoholischen Getränken an junge Menschen

Mitte Dezember des vergangenen Jahres reichte Nationalrat Heiner Studer im Parlament eine Anfrage bezüglich dem Verkauf von alkoholischen Getränken an junge Menschen ein. Neben der Frage, was der Bundesrat zu tun gedenke, damit die Kantone die geltenden Alterbeschränkungen beim Alkoholverkauf durchsetzen würden, wollte Heiner Studer wissen, ob der Bundesrat ernsthaft bereit sei zu prüfen, ob die Altersgrenze für den Verkauf von Wein und Bier auf 18 Jahre erhöht werden soll.
In seiner Antwort vom 1. März 2006 führt der Bundesrat aus, dass einige Kantone bereits damit begonnen hätten, Massnahmen zur Durchsetzung der bestehenden Altersgrenzen einzuleiten. Weiter anerkennt er, dass der Alkoholkonsum der Kinder und Jugendlichen nach wie vor hoch sei, und dass trotz wirksamen Verkaufsbeschränkungen der Zugang der Jugendlichen zum Alkohol nicht komplett verhindert werden könne. Der Bund will im Rahmen des nationalen Alkoholprogramms weitere Massnahmen prüfen lassen, und er überlegt sich, ob die Verkaufsgrenze für Wein und Bier ebenfalls auf 18 Jahre zu erhöhen sei

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Eine von DIAGEO in Auftrag gegebene Studie zeigt auf, wie die Schweizer Öffentlichkeit über die Problematik Jugend und Alkohol denkt

Im Februar 2006 hat Diageo eine unabhängige Online Umfrage in Auftrag gegeben, die aufzeigt, wie die Schweizer Bevölkerung über Alkoholpolitik und die Alkoholbranche denkt. An der Befragung haben über 800 Personen aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz teilgenommen.
Der Umfrage zu Folge nimmt die Schweizer Bevölkerung Übergewicht, Tabak- und Alkoholkonsum als die dringendsten Gesundheitsprobleme wahr. Alkoholpolitik wird in erster Linie mit dem Schutz der Jugend und Prävention in Verbindung gebracht. Die Mehrzahl der SchweizerInnen ist davon überzeugt, dass striktere Kontrollen und eine rigorose Einhaltung der Altersgrenzen im Verkauf die wirkungsvollsten Mittel zur Alkoholprävention bei Jugendlichen darstellen. Weiter werden Informationskampagnen in Schulen und Familien als sinnvoll erachtet.  
Wenn Sie an weitere Informationen interessiert sind, kontaktieren Sie Diageo Suisse SA.

 

Internationale Alkoholpolitik: WHO bezieht Vertreter der Alkoholbranche in Gespräche mit ein

Basierend auf dem WHO Beschluss 58.26 bezüglich den gesellschaftlichen Gesundheitsproblemen durch den unverantwortungsvollen Konsum von Alkohol hat der Generaldirektor der WHO offene Gespräche mit Vertretern der Alkoholbranche, der Landwirtschaft und dem Handel organisiert.
An den am 8. März in Genf stattgefunden Gesprächen wurde versucht gemeinsame Massnahmen zur Einschränkung der Gesundheitsschäden, die durch unverantwortungsvollen Konsum von Alkohol entstehen, zu formulieren.
Die Teilnehmer wurden über aktuelle Bemühungen der WHO informiert, und es  wurde über angemessene Unternehmens-Initiativen, sowie diese begünstigende externe Faktoren diskutiert.

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Forschung und Prävention

Schuld und Angst motivieren stärker als Hoffnung

"Smoking pot will not kill you, but it will kill your mother". Dies ist der Slogan der aktuellen Werbekampagne der US-amerikanischen Organisation Partnership for a Drug-Free America. Die deutsche Version kann sinngemäss mit "Kiffen wird dich nicht umbringen, aber deine Mutter wird daran zu Grunde gehen", übersetzt werden.

Offensichtlich zielt dieser Slogan nicht darauf ab, Jugendliche durch aufmunternde und positive Botschaften vom Kiffen abzuhalten. Viel mehr wird damit gezielt auf das Auslösen von Angst und die Förderung eines schlechten Gewissens abgezielt.

Gemäss neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist dies nämlich die wirkungsvollere Strategie, wenn es darum geht vor gesundheitsgefährdendem Verhalten abzuschrecken. Dies haben Wissenschafter im Rahmen der ersten empirischen Studie über den Unterschied zwischen geäusserten Absichten und dem tatsächlichen Verhalten von Menschen herausgefunden.

Wie die in der Fachzeitschrift Journal of Consumer Research publizierte Studie zeigt, können Personen am ehesten zu klugen Entscheidungen im Bezug auf ihr gesundheitliches Wohl bewegt werden, indem man an ihr Verantwortungsbewusstsein appelliert.
 
Mit aufmunternden Botschaften kann man Personen zwar davon überzeugen, dass sie beispielsweise Sonnencrème benutzen oder weniger Alkohol trinken sollten. Soll jedoch erreicht werden, dass die Personen auch wirklich gemäss ihren Einstellungen handeln und somit ihr Verhalten auch tatsächlich ändern, so sollte die Botschaft am besten Angst fördern und Gefühle wie Bedauern, Schuld oder Herausforderung ansprechen.

Diageo hat sich diese Erkenntnis zu Nutze gemacht und setzt den Emotion Based Approach für seine neue Responsible Drinking TV Werbekampagne ein.  Mehr dazu weiter unten.

Quelle: Kirsten A. Passyn and Mita Sujan. "Self-Accountability Emotions and Fear Appeals: Motivating Behaviour". In: Journal of Consumer-Research, March 2006

 

 

Unternehmen

Diageo lanciert zwei innovative Responsible Drinking TV Werbespots

Diageo hat soeben zwei TV Werbespots lanciert, die jungen Leuten gemäss dem Emotion Based Approach die negativen Auswirkungen von unverantwortungsvollem Alkoholkonsum aufzeigen. Die beiden Spots richten sich spezifisch an junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren und verdeutlichen, wie unverantwortungsvoller Alkoholkonsum zum einen die Gesundheit und zum anderen die eigene Wahrnehmung durch andere Menschen gefährdet. Zudem veranschaulichen die Spots, welche positiven Auswirkungen es hat, wenn man sich selbst und den Umgang mit anderen Menschen im Griff hat.
Die Kernaussage der TV Spots lautet: Wie man trinkt ist eine Entscheidung, die jeder für sich persönlich treffen muss. Einer der Spots zeigt eine Situation zu Hause, der zweite spielt in einer Bar. Einer der Spots richtet sich an Frauen, der andere an Männer. Damit soll eines deutlich gemacht werden: Wo man trinkt und wer trinkt, spielt keine Rolle, Alkohol sollte immer mit Mass genossen werden.
 
Die zwei beschriebenen TV Werbespots sind Bestandteil eines übergreifenden Massnahmenkatalogs, mit dem Diageo seinen Beitrag zur Verbesserung der Trinkkulturen leisten will

 > Um die Spots "Many Me" zu sehen, klicken Sie auf Sie oder Ihn

 

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z.B. auch Alcopops wie Smirnoff-Ice

Eine reine Schutzbehauptung. In Wirklichkeit geht es immer um den grösstmöglichen Absatz und Gewinn.

Wenn Alcopop-Plakate aushängen, werden sie auch von Jugendlichen wahrgenommen. Das Entwickeln von süsslichen Alcopops, die für Frauen und Jugendliche schmackhaft sind, und sie zu Alkoholkunden machen, ist eine der schlimmsten Marketingstrategien der letzten 50 Jahre. 

Man kann davon ausgehen, dass sie nur die von ihr finanzierte Alkoholforschung und die Prävention und Alkoholpolitik erwähnen werden, die ihnen nützt oder zumindest nicht schadet.

Den Bundesrat als Zeugen für wirksame Alkoholpolitik zu zitieren, ist generell fragwürdig. Er handelt oft nicht im Interesse der Volksgesundheit und entgegen der Meinung der eigenen und aussenstehenden Fachleute.

 

Die Verkaufsbeschränkungen könnten noch weit wirksamer gestaltet werden, wenn das Parlament und der Bundesrat es wollten: Höhere Alcopopsteuer, Mindestpreise. - In der Kompetenz der Gemeinden: Bessere Verkaufskontrollen mit effizienteren Strafen.

Diageo würde natürlich gerne sehen, wenn die Konkurrenten Wein und Bier auch mit einer Altersgrenze von 18 Jahren belegt würden.

 

 

Wir hatten es abgelehnt, uns zu beteiligen.

Je nach Art der Fragen und nach Wissensstand der Befragten kann die Berichterstattung authentisch sein. Sie kann aber genauso gut eine beliebige Auswahl darstellen, die andere Massnahmen nicht erwähnt, weil sie geschäftsschädigend wären. Bekanntlich sind Preiserhöhungen durch Steuern und die Einschränkung der Erhältlichkeit die wirksamsten Massnahmen. Dem Volk wird dieses Wissen möglichst vorenthalten. Infokampagnen in Schulen und Familien sind kaum wirksam und deshalb bei der Alkohol-Industrie beliebt.

 

 

 

Nach der bedeutsamen Resolution an der Generalversammlung im Mai 2005 (FIFTY-EIGHTH WORLD HEALTH ASSEMBLY WHA58.26  Resolution
Agenda item 13.14 / 25 May 2005:

Public health Problems caused by
harmful use of alcoho
l)

hat die WHO Konsultationen eingeleitet, die auch die Alkoholindustrie einschliesst. Wahrscheinlich wurde sie von alkoholfreundlichen Staaten, z.B. Deutschland, dazu, im Austausch mit ihrer Unterschrift zur Resolution, gezwungen, die Alkoholindustrie einzubeziehen. Denn
damit wird sich die WHO selber untreu, hat sie doch festgehalten: Gesundheitspolitik bezüglich Alkohol muss vom öffentlichen Gesundheitswesen formuliert werden, ohne Einmischung seitens kommerzieller Interessen.
(Die Stockholmer Deklaration der WHO von 2001 zu Jugend und Alkohol") www.alkoholpolitik.ch Zitate zur Alkoholfrage und zu unserem Projekt

 

 

 

 

 

 

 

 

Wissen und Einsicht helfen beim Suchtmittelkonsum wenig. Es braucht stärkere Zwänge, um das Verhalten zu ändern.

Am einfachsten wäre es, die Alcopops aus dem Verkehr zu ziehen, dann könnten sie sich teure Spots sparen.

Sie wollen aber den Konsum. Davon leben sie ja.

Solche unnütze Alibi-Kampagnen gab's schon mehrmals: Trink mit Verstand, aber trink!

 

 

Alcohol Ads in Magazines Reaching Fewer Underage Youth; Ten Percent of Brands Cause More Than Half of Youth Exposure, Slowing Progress
US Newswire, May 9, 2006

Youth exposure to alcohol advertising in magazines declined 31 percent from 2001 to 2004, but -- largely because of the advertising of a few brands -- youth continued to be exposed more per capita than adults of legal age to advertising for beer, distilled spirits and alcopops, according to a new report released today by the Center on Alcohol Marketing and Youth (CAMY) at Georgetown University.

--Youth saw 15 percent more beer advertising, 10 percent more distilled spirits advertising and 33 percent more advertising for alcopops per capita than adults age 21 and over in 2004. In contrast, in 2001, youth saw 52 percent more beer advertising, 33 percent more distilled spirits advertising, and 63 percent more advertising for alcopops per capita than adults age 21 and over.

--Nearly 42 percent of alcohol ads placed in 2004 were in magazines where the youth audience exceeded 15 percent, roughly the proportion of youth 12-20 in the general population 12 and above. When they examined the issue of underage drinking in 2003, the National Research Council and the Institute of Medicine recommended that alcohol companies immediately adopt a 25 percent maximum for youth audiences for their advertising, and move towards a proportional 15 percent threshold.

View press release
View the complete report
Ads in teens' magazines

(Quelle: Marin Institute Alcohol News - 5906 - 51506)

***

Dies ist die Situation in den USA. Jugendliche werden pro Kopf mehr der Alkoholreklame ausgesetzt als Erwachsene. Bei uns wird die Politik von Diageo ähnlich sein, so weit es die Gesetze erlauben.

 

Nicht erstaunt, dass Diageo nicht berichtet, dass die Lobbyisten der Alkohol- und anderer ähnlicher Industrien in den USA begonnen haben, Nonprofit-Organisationen mit schön klingenden Namen (Tarnfirmen) aufzubauen, die mit falschen Argumenten in der Öffentlichkeit versuchen, den Interessen der Industrien zu dienen. Wir meldeten es gestern.

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Inhaltsverzeichnis 

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Dossiers: Suchtmittelwerbung; Alcopops; Absinth; WTO - GATS; Alkoholkonsum Jugendlicher; Alkohol und Verkehr /  Drink Driving; Wein (Alkohol) sei (mässig genossen) gesund; Sport und Alkohol; Strukturelle Prävention; NPA (Nationales Programm Alkohol)

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Stand: 20.06.2008