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13.01.2007

Am Tag nach der Übernahme von Denner durch die Migros

Presseschau

Die Neue Zürcher Zeitung widmet dem Kauf nur wenige Zeilen und verweist auf einen grossen Beitrag in der Sonntagsausgabe.

Im Tages-Anzeiger nimmt die Berichterstattung ganze 2 Seiten im Wirtschaftsteil in Anspruch, wobei gut eine Spalte unter dem grossen Titel steht: "Migros höhlt Duttweilers Alkoholverbot zunehmend aus."

Daraus ein paar Zitate: "Familienfeinde seien sie, sagte Gottlieb Duttweiler über Alkohol und Tabak. Darum war für den Migros-Gründer klar, dass die beiden ungesunden Produkte nie und nimmer in seinen Läden verkauft werden dürfen."

Etappen:     1940     Umwandlung der Aktiengesellschaft in eine Genossenschaft mit Verankerung der
                                 "Volksgesundheitspflege" an prominenter
                                 Stelle in den Statuten. Migros der Bevölkerung geschenkt.

                 1948     Urabstimmung durch Duttweiler. Soll Wein verkauft werden? 54% nein.

                 1983     Alkohol- und Tabakverkaufsverbot in die Statuten aufgenommen.

                  90iger  Statutenrevision: "Art. 3 sage nur noch, man verzichte auf den Verkauf von alkoholischen Getränken 
                                  Tabakwaren in M-Verkaufsstellen."

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                 1997     Kauf der Globus Gruppe mit Alkoholverkauf. Langjähriger Ex-Migros-Chef Pierre Arnold war strikte
                                 dagegen.

                   ?        Migros-Onlineladen Le Shop mit Alkohol und Tabak

                 2002     Grosshandel Scana

                   ?        Migrol-Tankstellen-Shop

                   ?        Freizeitparks

                 2006     Cash & Carry Angehrn

                 2007     Denner

Mit Denner erfolgte der Eintritt in die Gilde der grossen Alkoholverteiler. Denner mache 40% seines Umsatzes von 2,1 Mia. Fr. mit Alkohol und Tabak.

Ein Migros-Kritiker,  Pierre Rappazzo von der Organisation Sorgim, wird zitiert: "Jeder Ort innerhalb des Migros-Konzerns, an dem etwas im Namen der Migros verkauft wird, ist eine M-Verkaufsstelle."

Kommentar:

Die gesamte Berichterstattung erfolgt fast ausschliesslich mit Blick auf Marktstellung und Konkurrenzkampf im Hinblick auf die kommende Situation, wenn zu Aldi auch noch Lidl dazustösst. Im Hinblick auf die Volksgesundheit muss konstatiert werden, dass es jetzt noch schwieriger sein wird, in der Schweiz eine angemessene Alkoholpolitik zu betreiben, weil nun beide Grossverteiler als Lobbyisten der Alkoholindustrie auftreten werden. Die Volksgesundheit, die ein sehr wichtiges Anliegen von Gottlieb Duttweiler war, ist damit die Verliererin. Auch wenn die Auslegung der Statuten richtig wäre, so verstösst doch der Deal, wie auch schon die früheren Zukäufe und Neugründungen, gegen den Geist der von Duttweiler bei seiner Schenkung in den Statuten verankerten "Volksgesundheitspflege". Damit verliert die Migros ein grosses moralisches Potenzial, für das sie auch im Ausland hohes Prestige genoss. Für viele Genossenschafterinnen und Genossenschafter bedeutet dies auch der Verlust einer Identifikation, des Stolzes, einer derart einmaligen, sozial denkenden und handelnden Genossenschaft anzugehören. Sie ist nun nichts anderes mehr als Coop auch, austauschbar und bei Kaufentscheiden nicht mehr speziell zu berücksichtigen. Woher der Wind weht, mussten wir bei kritischen Anfragen und Leserbriefen ans Migros Magazin erfahren. Sie werden als Kritik ausdrücklich nicht berücksichtigt. Die Migros-Presse ist damit zum Instrument der Führung geworden und kein Kommunikationsmedium für die Mitglieder mehr. Auch dies wäre früher nicht denkbar gewesen.

Die Rolle der Adele Duttweiler Stiftung wäre auch zu beleuchten. Wahrscheinlich haben die Stiftungsräte schon früher kapituliert. Jedenfalls ist bis jetzt noch nichts von ihnen zu lesen gewesen.

               

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Stand: 03.01.2009