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Kritische Bemerkungen zu einer Radiosendung

DRS1, 17.2.04, Doppelpunkt: Alcopops. 

Leitung: Christine Hubacher

Teilnehmer:    Leiterin der Fachstelle für Alkoholprobleme Zürich
                    Vizedirektor der Eidg. Alkoholverwalung
                    Leiter des Jugendkulturzentrums Sommer-Casino Basel
                    Assistent am Lehrstuhl für Marketing der Uni Zürich

Eine sehr zwiespältige Sendung. Der darin aufgekommene Vorwurf, die Medien würden mit ihrer Berichterstattung als Werbung wirken und den Konsum ankurbeln, könnte für diese Sendung genau stimmen. Aber in erster Linie durch die sanfte Grundhaltung, die ja keinem Alcopop-Konsumenten oder keiner Konsumentin nahetreten wollte. Das brächte nur Trotzreaktionen und Mehrkonsum. Einzig die Leiterin der Fachstelle für Alkoholprobleme in Zürich äusserte sich befriedigt über die Einführung der Sondersteuer. Andererseits kann man die Wirkung der Medien auch relativieren. In der erwähnten Studie der Uni Zürich wurde u.a. festgehalten, dass 80% der Befragten von der kurz bevorstehenden Sondersteuer auf Alcopops gar nichts wussten, dass sie also keine relevanten Mediensendungen konsumierten. (Dies wurde in der Sendung leider nicht erwähnt.)

Es wurde richtigerweise darauf hingewiesen, dass die Erwachsenenwelt die Alkoholkultur vorlebt. Man dürfe deshalb nicht dramatisieren. Dass es aber wirklich dramatisch ist, wenn innert  zwei, drei Jahren die Verkäufe von Alcopops von 0 auf 40 Mio. Fläschchen ansteigen, vor allem bei den Mädchen als zusätzliche Alkoholmengen, davon war keine Rede, nur Verharmlosung. Man fühlte sich in eine Cannabislegalisierungs-Diskussion vor zwei Jahren versetzt. Auch kein Wort darüber, dass diese Alkoholkultur der Gesellschaft wieder in normale Bahnen gelenkt werden müsste, damit wir bei den Jugendlichen mit der Prävention mehr Glaubwürdigkeit gewinnen könnten.

Ganz ins Bild passte die Meinung, es sei ja gut, dass die Jugendlichen sich berauschten und so die Folgen kennnenlernten. Offenbar wurde da auf eine heilsame Erfahrung gesetzt. Wenn aber 10% der Jugendlichen auf eine Alkoholkarriere zusteuern, ist das nicht mehr lustig. Und die gesellschaftlichen Folgen werden unkalkulierbar. Nicht umsonst kann man im Marin Institute News Digest fast täglich Berichte von lokalen Bürgeraktionen in den USA lesen, die das Ziel haben, die Alcopops und den Alkoholkonsum von Minderjährigen aus den Colleges und Hausparties hinauszubringen. Da ist die Schmerzgrenze wohl überschritten. Und das Grenzalter für Alkoholkonsum ist in den meisten US-Staaten bei 21 Jahren!

Zum Schluss kam die fast unvermeidliche Frage nach der Wünschbarkeit einer alkoholfrei lebenden Jugend. Sie wurde selbstredend allgemein verneint. Dabei müssten wir noch so froh sein, mehr alkoholfreie Inseln in der Gesellschaft wie auch in der Jugendszene zu haben, die den Gruppendruck vermindern und die alkoholbedingten Schäden reduzieren helfen könnten. Sogar die WHO ist in ihren Grundsatzpapieren darauf gekommen. Vom Leiter eines Jugend-Kulturzentrums, der letztes Jahr noch Alcopops verkaufte, kam dafür die bezeichnende Empfehlung, es müsste wieder mehr ursachenorientierte Prävention betrieben werden. Wobei er das Individuum als Ursache verstand, wie es die Befürworter der sogenannten Gesundheitsförderung seit 10 Jahren mit negativem Erfolg propagiert haben. Die Alkohollobby wird es ihm danken.

Dass die Schlüsselpersonen, wie Eltern und Erzieher das Gespräch suchen müssten, wurde auch gewünscht und von anderer Seite wieder relativiert, da heute die Werbung und die Peergruppen diese Funktion weitgehend übernommen hätten. – Die Werbung könnten wir beeinflussen. Aber das wurde wiederum nicht gesagt.

Wozu überhaupt diese Sendung?

 

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Stand: 03.01.2009