Aktuell

15.03.2008

Der 19. Zürcher Präventionstag fand gestern in Zürich statt.

Gesunde Verhältnisse schaffen!
Erfolge und Perspektiven struktureller Prävention

Organisation und Leitung:

Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich
Prof. Dr. Felix Gutzwiller, Rainer Frei, RADIX, Roland Stähli

Übernahme von der Webseite www.gesundheitsfoerderung-zh.ch:

Zürcher Präventionstag stiess auf Anklang

 

Am 19. Zürcher Präventionstag wurde am 14. März unter Beteilung von Regierungsrat Thomas Heiniger, Gesundheitsdirektor, eine Reihe interessanter Referate zum Tagungsthema ''Gesunde Verhältnisse schaffen! Erfolge und Perspektiven struktureller Prävention'', abgerundet durch eine Podiumsdiskussion, geboten.

 

Der Zürcher Gesundheitsdirektor verlieh zu Beginn der Tagung an zwei Firmen den Zürcher Preis für Gesundheitsförderung im Betrieb, mehr dazu hier klicken.

 

Solange vorrätig können bei Gesundheitsförderung Kanton Zürich (praev.gf@ifspm.uzh.ch) die Tagungsmappe mit den Abstracts bestellt werden.

Die Folien der Hauptreferate werden auf dieser Homepage ab ca. 26. März aufgeschaltet, sie sind unter www.radix.ch schon ab dem 19. März verfügbar.

 

Das Bulletin P&G wird im Sommer die Zusammenfassung ausgewählter Referate abdrucken.

Kommentar eines Teilnehmers:

 

Es war ein richtiger Aufsteller. Denn nach 20 Jahren, nachdem die WHO und die EU sich seit Jahren damit befassen, hat die Zürcher Gesundheitspolitik öffentlich bekannt, dass es neben der Gesundheitsförderung in Form der Verhaltensprävention auch die Verhältnisprävention braucht. Und dies nicht nur im Tabak- sondern auch im Alkoholsektor. Als ich vor 20 Jahren auf die Gefahren einer einseitigen Verhaltensprävention aufmerksam machte, wurde ich ausgelacht. Die Folgen sehen wir im Jugendalkoholismus, seine Auswirkungen allerdings erst im ganzen in den nächsten Generationen.

 

Ob sie wirklich schon wissen, was strukturelle Prävention bedeutet, wurde aber in Frage gestellt, als der Co-Leiter in der Eröffnung auf aufgehängte Plakate aus dem Ende der 80er-Jahre hinwies, die zeigen sollten, dass es damals schon strukturelle Prävention gab. Wahrscheinlich meinte er das Plakat, auf dem stand, dass 90% der minderjährigen Alkoholkauf-Interessenten erfolgreich seien. Einmal entstand der Text nur unter Druck aus beteiligten Abstinentenkreisen und zweitens ist das keine strukturelle Prävention sondern Verhaltensprävention, die Verhältnisprävention vorbereiten sollte. Die eigentliche Verhältnisprävention kam lange nicht, weil sich die Fachwelt mit aller Kraft auf die Gesundheitsförderung versteifte, die bekanntlich fast keine Verhaltensänderung bewirkt aber auch keine Politiker herausfordert. Die ersten strukturellen Massnahmen in diesem Zusammenhang wurden in Basel von einem abstinenten Jugendverband (IOGT) durchgeführt: Testkäufe. Ein Jahrzehnt später folgte ein anderer abstinenter Jugendverband (Blaues Kreuz) in Zusammenarbeit mit Gemeinden, Suchtpräventionsstellen(!) und dem Tankstellenverband nach.

 

Es bleibt zu hoffen, dass auch im Kanton Zürich, z.B. in den Regionalen Suchtpräventionsstellen, die neue Marschrichtung bald Fuss fasst. Diese Woche noch stand in der Zeitung in einem Bericht über eine dieser Stellen: ..zur Primärprävention  "gehört die frühe Vermittlung von Informationen zur Gesundheitsförderung." Kein Wort von Verhältnisprävention. (Der Landbote, 12.3.08) Eine Diskussion, welche Verhältnisprävention im Kanton Zürich im Sektor Alkohol benötigt würde und die Formulierung von diesbezüglichen Zielen und Forderungen an die Politik hat nie stattgefunden. Oder sie drang nie an die Öffentlichkeit. Vielleicht wird jetzt auch umformuliert im Sinne von: Gesundheitsförderung beeinhaltet in Zukunft beides: Verhaltens- und Verhältnisprävention. Dann könnten vorhandene Mittel auch für die strukturelle Prävention eingesetzt werden. Übrigens hat mich sehr erstaunt, dass während der ganzen von mir besuchten Tagung kein Wort über das doch brandaktuelle NPA (Nationales Programm Alkohol) verloren wurde. Kennen es diese Fachleute etwa gar nicht? Oder legen sich politische Verbindungen quer? (Ein Referent hat seine Vernetzungen offengelegt.)

 

Die Tagung selber war gut organisiert. Die Mitarbeitenden aus dem Institut erfüllten ihre Aufgaben gewissenhaft. Ich merkte das vor allem daran, dass sie meine aufgehängten Plakate, Werbung für diese Webseite, und meine ausgelegten Visitenkarten für diese, wieder entfernten. Herr Roland Stähli, ein alter Bekannter von mir, erklärte auf meine Bitte, sie wieder aufhängen zu dürfen, dies sei ihre vereinbarte Politik, um einen Wildwuchs zu vermeiden, damit nicht jeder Saftladen auftreten könnte. Den wahren Grund kann ich mir gut vorstellen. Wenigstens ist die Universität Zürich, wie die andern Universitäten im deutschsprachigen Raum,  ein häufiger Besucher dieser Webseite.

 

Das Programm der Tagung bot gute bis sehr gute Referate. Das Highlight war ohne Zweifel die Mitwirkung von Ilona Kickbusch, Prof. Dr. rer.pol., Dr. h.c. vom Institut des hautes études internationales et du développement, Genf. Sie brachte die grossen Zusammenhänge zum Ausdruck, fand aber auch in der Podiumsdiskussion träfe Antworten auf Fragen, die vor allem aus der konservativen Ecke einer SVP-Kantonsrätin kamen. Der langjährige ehemalige Direktor der Schweiz. Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme, Dr. Richard Müller, konnte mit seinem reichen Erfahrungsschatz die Notwendigkeit der strukturellen Prävention aufzeigen. Der von mir besuchte Arbeitskreis "Überzeugen für Gesundheitsthemen: Arbeit mit politischen Entscheidungsträgern" hatte mit Reto Wiesli, lic.phil., Leiter der Fachstelle für Gesundheitspolitik polsan GmbH, Bern einen versierten Referenten, der mit gedrängten reichhaltigen Informationen vermittelte, wie mühsam es ist, Präventionsideen in den politischen Prozess ein- und durchzubringen.

 

Voranzeige: Der 20. Präventionstag soll voraussichtlich am 13. März 2009 stattfinden.

Es wäre schön und wertvoll für unsern Kanton, wenn bis dann die Verhältnisprävention im Sektor Alkohol einen tüchtigen Schritt weiterkommen würde.

Hermann T. Meyer, 15.3.08

 

  Homepage         

 

 

Inhaltsverzeichnis 

Entwicklungen der schweizerischen Alkoholpolitik der letzten Jahre anhand von Leserbriefen

Aktuell

Hinweise für Unterrichtende

Ihre Meinung interressiert uns

Links zu Fachleuten und Institutionen

Internationales

Briefe an ....

Die Lobby-Arbeit der globalen Alkoholindustrie

Veranstaltungen

Parlamentsdebatten

Zitatensammlung

Newsletter

Forschungsergebnisse

Archiv

English Texts      

Dossiers: Suchtmittelwerbung; Alcopops; Absinth; WTO - GATS; Alkoholkonsum Jugendlicher; Alkohol und Verkehr /  Drink Driving; Wein (Alkohol) sei (mässig genossen) gesund; Sport und Alkohol; Strukturelle Prävention; NPA (Nationales Programm Alkohol); botellón

Geschichten

Interventionen

Wir über uns

Projekt-Idee     Project in English


Herausgeber/Editor:

Hermann T. Meyer, Projekte und Dienstleistungen, Lindenstr. 32, CH-8307 Effretikon, Switzerland, 
Tel. +41 (0)52 343 58 75, Fax: +41 (0)52 343 59 29    e-mail

Copyright © 2001-2008: Hermann T. Meyer. Alle Rechte vorbehalten. Unsere eigenen Texte dürfen gerne unter Quellenangabe übernommen und weiterverbreitet werden. Fremde Texte entsprechen nicht unbedingt unserer eigenen Auffassung.

All rights reserved. Our own texts may be copied and distributed with stating the source. Texts from other sources do not necessarily represent our views.

Stand: 03.01.2009