Zürcher Präventionstag stiess auf Anklang
Am 19. Zürcher Präventionstag wurde am 14.
März unter Beteilung von Regierungsrat Thomas Heiniger,
Gesundheitsdirektor, eine Reihe interessanter Referate zum
Tagungsthema ''Gesunde Verhältnisse schaffen! Erfolge und
Perspektiven struktureller Prävention'', abgerundet durch eine
Podiumsdiskussion, geboten.
Der Zürcher Gesundheitsdirektor verlieh zu
Beginn der Tagung an zwei Firmen den Zürcher Preis für
Gesundheitsförderung im Betrieb, mehr dazu
hier klicken.
Solange vorrätig können bei
Gesundheitsförderung Kanton Zürich
(praev.gf@ifspm.uzh.ch)
die Tagungsmappe mit den Abstracts bestellt werden.
Die Folien der Hauptreferate werden auf
dieser Homepage ab ca. 26. März aufgeschaltet, sie sind unter
www.radix.ch
schon ab dem 19. März verfügbar.
Das Bulletin P&G wird im Sommer die
Zusammenfassung ausgewählter Referate abdrucken.
Kommentar eines Teilnehmers:
Es war ein richtiger Aufsteller. Denn nach 20
Jahren, nachdem die WHO und die EU sich seit Jahren damit befassen,
hat die Zürcher Gesundheitspolitik öffentlich bekannt, dass es neben
der Gesundheitsförderung in Form der Verhaltensprävention auch die
Verhältnisprävention braucht. Und dies nicht nur im Tabak- sondern
auch im Alkoholsektor. Als ich vor 20 Jahren auf die Gefahren einer
einseitigen Verhaltensprävention aufmerksam machte, wurde ich
ausgelacht. Die Folgen sehen wir im Jugendalkoholismus, seine
Auswirkungen allerdings erst im ganzen in den nächsten Generationen.
Ob sie wirklich schon wissen, was
strukturelle Prävention bedeutet, wurde aber in Frage gestellt, als
der Co-Leiter in der Eröffnung auf aufgehängte Plakate aus dem Ende
der 80er-Jahre hinwies, die zeigen sollten, dass es damals schon
strukturelle Prävention gab. Wahrscheinlich meinte er das Plakat,
auf dem stand, dass 90% der minderjährigen Alkoholkauf-Interessenten
erfolgreich seien. Einmal entstand der Text nur unter Druck aus
beteiligten Abstinentenkreisen und zweitens ist das keine
strukturelle Prävention sondern Verhaltensprävention, die
Verhältnisprävention vorbereiten sollte. Die eigentliche
Verhältnisprävention kam lange nicht, weil sich die Fachwelt mit
aller Kraft auf die Gesundheitsförderung versteifte, die bekanntlich
fast keine Verhaltensänderung bewirkt aber auch keine Politiker
herausfordert. Die ersten strukturellen Massnahmen in diesem
Zusammenhang wurden in Basel von einem abstinenten Jugendverband (IOGT)
durchgeführt: Testkäufe. Ein Jahrzehnt später folgte ein anderer
abstinenter Jugendverband (Blaues Kreuz) in Zusammenarbeit mit
Gemeinden, Suchtpräventionsstellen(!) und dem Tankstellenverband
nach.
Es bleibt zu hoffen, dass auch im Kanton
Zürich, z.B. in den Regionalen Suchtpräventionsstellen, die neue
Marschrichtung bald Fuss fasst. Diese Woche noch stand in der
Zeitung in einem Bericht über eine dieser Stellen: ..zur
Primärprävention "gehört die frühe Vermittlung von
Informationen zur Gesundheitsförderung." Kein Wort von
Verhältnisprävention. (Der Landbote, 12.3.08) Eine Diskussion,
welche Verhältnisprävention im Kanton Zürich im Sektor Alkohol
benötigt würde und die Formulierung von diesbezüglichen Zielen und
Forderungen an die Politik hat nie stattgefunden. Oder sie drang nie
an die Öffentlichkeit. Vielleicht wird jetzt auch umformuliert im
Sinne von: Gesundheitsförderung beeinhaltet in Zukunft beides:
Verhaltens- und Verhältnisprävention. Dann könnten vorhandene Mittel
auch für die strukturelle Prävention eingesetzt werden. Übrigens hat
mich sehr erstaunt, dass während der ganzen von mir besuchten Tagung
kein Wort über das doch brandaktuelle NPA (Nationales Programm
Alkohol) verloren wurde. Kennen es diese Fachleute etwa gar nicht?
Oder legen sich politische Verbindungen quer? (Ein Referent hat
seine Vernetzungen offengelegt.)
Die Tagung selber war gut organisiert.
Die Mitarbeitenden aus dem Institut erfüllten ihre Aufgaben
gewissenhaft. Ich merkte das vor allem daran, dass sie meine
aufgehängten Plakate, Werbung für diese Webseite, und meine
ausgelegten Visitenkarten für diese, wieder entfernten. Herr Roland
Stähli, ein alter Bekannter von mir, erklärte auf meine Bitte, sie
wieder aufhängen zu dürfen, dies sei ihre vereinbarte Politik, um
einen Wildwuchs zu vermeiden, damit nicht jeder Saftladen auftreten
könnte. Den wahren Grund kann ich mir gut vorstellen. Wenigstens ist
die Universität Zürich, wie die andern Universitäten im
deutschsprachigen Raum, ein häufiger Besucher dieser Webseite.
Das Programm der Tagung bot gute
bis sehr gute Referate. Das Highlight war ohne Zweifel die
Mitwirkung von Ilona Kickbusch, Prof. Dr. rer.pol., Dr. h.c. vom
Institut des hautes études internationales et du développement,
Genf. Sie brachte die grossen Zusammenhänge zum Ausdruck, fand aber
auch in der Podiumsdiskussion träfe Antworten auf Fragen, die vor
allem aus der konservativen Ecke einer SVP-Kantonsrätin kamen. Der
langjährige ehemalige Direktor der Schweiz. Fachstelle für Alkohol-
und andere Drogenprobleme, Dr. Richard Müller, konnte mit seinem
reichen Erfahrungsschatz die Notwendigkeit der strukturellen
Prävention aufzeigen. Der von mir besuchte Arbeitskreis "Überzeugen
für Gesundheitsthemen: Arbeit mit politischen Entscheidungsträgern"
hatte mit Reto Wiesli, lic.phil., Leiter der Fachstelle für
Gesundheitspolitik polsan GmbH, Bern einen versierten Referenten,
der mit gedrängten reichhaltigen Informationen vermittelte, wie
mühsam es ist, Präventionsideen in den politischen Prozess ein- und
durchzubringen.
Voranzeige: Der 20. Präventionstag soll
voraussichtlich am 13. März 2009 stattfinden.
Es wäre schön und wertvoll für unsern Kanton,
wenn bis dann die Verhältnisprävention im Sektor Alkohol einen
tüchtigen Schritt weiterkommen würde.
Hermann T. Meyer, 15.3.08