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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Alkoholsteuern und Jugendschutz

Samstag 9. Mai 2009 von htm

Online-Kommentar zu Jugendsuff: Schützt die Verteuerung von Alkohol?“ in READERS EDITION, 8.5.09
Die Situationsbeschreibung im ersten Teil finde ich recht gut. Wenn es aber zu den Präventionsstrategien kommt, entfernt sich der Artikel von den Tatsachen. Die anfangs der Neunzigerjahre aufgekommene Verhaltensprävention war zum vornherein zum Scheitern verurteilt, weil sie finanziell nicht flächendeckend zu realisieren ist. Sie hatte zur Folge, dass alle Mittel von der strukturellen oder Verhältnis-Prävention abgezogen wurden, die fast ausschliesslich die Schäden reduzieren kann. Als ich das unsern staatlichen Präventionsfachleuten voraussagte, wurde ich ausgelacht. Inzwischen, 2003, haben Thomas Babor u.a. in ihrem heutigen Standardwerk “Alcohol – no ordinary commodity” (2005 auf deutsch: “Alkohol – kein gewöhnliches Konsumgut” nachgewiesen, dass die aufklärende Prävention, wie sie in Schulen und in der Oeffentlichkeit betrieben wird, praktisch wirkungslos ist, weil sie nur das Wissen vermehrt, aber nicht das Verhalten ändert.
Die Massnahmen, die den Konsum reduzieren können sind wissenschaftlich nachweisbar 1. die Preispolitik (Alkoholsteuern, Mindestpreise, keine Billigaktionen), 2. die Einschränkung der Erhältlichkeit (Oeffnungszeiten, Lizenzen), 3. tiefere Promillegrenze im Verkehr, 4. höheres Mindestalter (Jugendschutz), 5. Werbeverbote; die Wirksamkeit in dieser Reihenfolge.

Alle gegenteiligen Behauptungen sind falsch und entspringen dem Wunschdenken von Politikern, die es nicht wagen, den Tatsachen ins Auge zu blicken oder beruhen auf Aussagen von Lobbyisten der Alkoholindustrie, die um ihren Gewinn bangen.
Dass höhere Preise den Konsum senken und tiefere Steuern diesen anheizen ist im letzten Jahrzehnt in Europa mehrmals praktisch erlebt worden, auch in Deutschland mit der Alcopopsteuer. Selbstverständlich nützen Jugendschutzgesetze nur, wenn sie auch durchgesetzt werden. Ermahnungen an Händler sind nicht hilfreich und ein Verzögerungsmanöver zu Gunsten der Alkoholwirtschaft, zu Lasten unserer Jugend. Die Einschränkung der Werbung oder besser ihr Verbot würde es ermöglichen, die alkoholfreundlichen Botschaften aus der Umwelt, die ständig auf uns einwirken, auszuschalten, was zur Folge hätte, dass die Prävention bei Jugendlichen glaubwürdiger und damit erfolgreicher würde. Beim jetzigen Zustand der Gesellschaft hat sie keine Chance. Ihre negative Vorbildwirkung wird von der Werbung mitverursacht.
Einzelne Massnahmen sind schwierig einzuführen, weil die dabei Betroffenen immer reklamieren, das sei nicht die richtige Massnahme, eine andere sei besser. Darum schnüren verantwortungsbewusste Regierung ein ganzes Massnahmepaket. Leider ist die Alkohollobby in Europa immer noch so stark, dass ausser in Skandinavien, wo der Staat das Alkoholmonopol lange besass (im Einverständnis aller wichtigen Parteien) noch wenig grosse Fortschritte gemacht wurde. Immerhin muss gesagt werden, dass Italien und Frankreich, als grosse Weinländer, in den letzten 50 Jahren enorme Fortschritte fertig brachten.

Kategorie: Allgemein, Internationales, Leserbriefe, Verhaltens-Präv., Verhältnis-Präv. | Keine Kommentare »

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