www.alkoholpolitik.ch

Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Die gewalttätigen Zürcher Schüler in München

Mittwoch 15. Juli 2009 von htm

Leserbrief zu „Die drei Gewalttäter von München sind alle vorbestraft“, vom 4./5.7.09 in der Neuen Zürcher Zeitung

Nun geben wieder viele gelehrte Fachleute ihre Kommentare zu den schweren Vorfällen in München ab. Es wird eine Verschärfung des Jugendstrafrechts verlangt und im Kommentar vermehrte Verantwortung von Elternhaus, Familie, Freundes- und Kollegenkreis gefordert. Dabei haben die drei doch nur die hochgelobten liberalen Grundsätze von persönlicher Freiheit ausgelebt. Dass diese dort aufhört, wo andere geschädigt werden, ist offenbar nicht so deutlich bis zu ihnen durchgekommen.
Aber jetzt kann sich die Gesellschaft wieder einmal so richtig entrüsten und merkt nicht, dass sie es ist, die eine wesentliche Voraussetzung geschaffen hat, damit solche Taten überhaupt denkbar sind: Sie hat es der Alkoholindustrie ermöglicht, sich derart auszubreiten, dass es heute normal ist, sich zu betrinken, dass Binge Drinking bei Jugendlichen hingenommen wird, da es ja bei den Erwachsenen nicht anders zu- und hergeht, dass laufend mehr Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftung hospitalisiert werden müssen, dass unsere Gesellschaft durch die überall präsente Alkoholwerbung, verstärkt durch das „Lifestyle“-Gelabber der Medien im ständigen alkoholisierten Zustand dahinseucht. Und dann wundert man sich, wenn Jugendliche, denen es an andern Kicks fehlt, mit Alkohol die Hemmschwelle überwinden und zur tödlichen Gefahr für die Allgemeinheit werden.
Selbst die Fachleute erkennen und geben es heute zu, dass Alkohol bei Jugendgewalt ein wesentlicher Faktor ist. Noch vor ein, zwei Jahren steckten sie den Kopf in den Sand und die Behörden schwiegen das Problem tot.
Neben der Verschärfung des Strafrechts wäre nun wirklich Prävention angesagt: Der Alkohol-Gesamtkonsum muss dringend gesenkt werden, damit Alkohol an Stellenwert verliert und Prävention bei Jugendlichen eine Chance bekommt, die heute völlig unglaubwürdig und deshalb nutzlos ist. Die Nationalräte hätten es in der Hand, in der Herbstsession bei der Behandlung der Alkoholreklame am Fernsehen ein Zeichen zu setzen. Dann wäre noch das neue Alkoholgesetz in der Vernehmlassung und das Nationale Programm Alkohol, das dringend verbessert werden sollte.
Ausserdem wäre die sportliche und musische Erziehung der Kinder vermehrt zu fördern, damit auch wirtschaftlich schlechter gestellte Eltern die Möglichkeiten ausnützen können. Dazu gehörte auch eine stärkere Unterstützung der ganzheitlich arbeitenden Jugendorganisationen, damit diese gleich lange Spiesse in der Spassgesellschaft erhalten und von den Jugendlichen interessiert wahrgenommen werden.
Wann und wie Schullager organisiert werden, sollte wohl jetzt allen klar sein.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer

(bis 15.7.09 nicht veröffentlicht)

Kategorie: Allgemein, Gewalt/Kriminalität, Internationales, Jugend, Leserbriefe, Politik, Research, Schweiz, Unterricht, Veranstaltungen, Verhaltens-Präv., Verhältnis-Präv., Verkehr, Zitate | Keine Kommentare »

Powered by Gb-rugs.com - Rugs & Carpets

Get Adobe Flash player