Leserbrief

21.12.2008                     (am 21.12.08 veröffentlicht)

Online-Kommentar zu: "Sollen die Steuersätze für Alkohol angehoben werden?" Diskussion auf WELT online, 20.12.08

Kontrabass:

Da können noch so viele entrüstet aus dem Bauch heraus Teufelswerk schreien, die Wissenschaft beweist, dass höhere Preise das beste Mittel sind, den gesamten Alkoholkonsum und damit die Schäden in einer Bevölkerung zu reduzieren. Die Jugendlichen reagieren besonders auf Preiserhöhungen, erst kürzlich bei den Alcopops wieder erlebt, aber auch die krankhaft Konsumierenden trinken im Schnitt weniger.
Wer jammert über Alkoholsteuern, sollte sich einmal klar werden, dass er damit die Kosten für die Alkoholschäden reduziert, d.h. seine eigenen Kosten, die er Jahr für Jahr über Krankenkassen- und Versicherungsprämien wie mit Steuern, ohne es zu merken, bezahlt. Die schweigende Mehrheit, die wenig konsumiert, die mit ihrem Simmzettel dafür sorgen könnte, dass die Alkoholschäden endlich auf ein erträgliches Mass reduziert würden, hätten nur Vorteile. Der grösste Vorteil für alle wäre die verbesserte Lebensqualität, Sicherheit, Lebenschancen für Familien und für Millionen Kinder in alkoholbelasteten Familien. Alkoholsteuern sind eine Abgabe nach dem Verursacherprinzip. Wer die Schäden verursacht, soll sie auch bezahlen. Beim Tabak ist dies weitherum nun anerkannt. Beim Alkohol ist es höchste Zeit, dass sie kommt.

Noch zu Schweden: Dank hoher Besteuerung konnte Schweden den Gesamtkonsum (rund die Hälfte von Deutschland) und damit die Schäden tief halten. Der EU, und vor allem auch Deutschland, hat es Schweden zu danken, dass sie die Steuern senken mussten, und prompt gingen der Konsum und die Schäden hinauf. Der sichtbare "Rauschkonsum" in Schweden ist mit dem Komasaufen in Deutschland und anderswo zu vergleichen. Er betrifft eine Minderheit. Die Mehrheit in Schweden trinkt sehr wenig Alkohol, während in Deutschland auch der Durchschnitt viel trinkt.
Sabine Bätzing ist für ihren Mut zu danken. Die meisten Politiker wagen es nicht, zur Wahrheit und zur notwendigen Politik zu stehen. Es könnte ja Stimmen kosten. Denn das Volk ist schlecht informiert und durch das eigene Trinkverhalten behindert, um klar denken zu können.

(Via Internet)

2. Kommentar: Kontrabass:

Inzwischen musste ich andern Quellen entnehmen, dass Sabine Bätzing bereits einen Rückzieher gemacht hat. Sie wolle nur untersuchen, ob Alkoholsteuern den Konsum beeinflussen würden. Völlig unnötig. Seit Jahren ist es wissenschaftlich belegt und veröffentlicht, z.B. Thomas Babor: "Alkohol - kein normales Konsumgut" (2003 engl., 2005 deutsch). Alkoholsteuern sind die wirksamste Methode. Wenn nun die FDP stattdessen mehr Aufklärung und Information wünscht, kann diese nur in die Richtung zielen, dem Volk zu erklären, worum es geht und welche Mittel die wirksamsten sind, damit die in einem zweiten Schritt vom Volk akzeptiert werden. Es stimmt schon, heute ist die Bevölkerung überfordert, weil schlecht informiert von Politik und Medien.

 

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Stand: 30.12.2008