www.alkoholpolitik.ch

Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Leserbrief zu Werbeverboten für Alkoholika

Mittwoch 24. März 2010 von htm

24.03.2010

Redaktion der
Neuen Zürcher Zeitung
Briefe an die NZZ
8021 Zürich
Per e-mail redaktion@nzz.ch

Leserbrief zu „Trinkverhalten von Jugendlichen“ am 24.3.10

Der Kampf um das neue Präventionsgesetz sei in vollem Gange, wird einleitend geschrieben. Und die NZZ mischt kräftig mit, indem sie die Artikel wohl dosiert und einseitig manipuliert. Gestern durfte der neue zuständige Bundesrat, allgemein gehalten, ziemlich nichtssagend, für eine zeitgemässe Prävention werben, heute wird im Untertitel zu „Trinkverhalten von Jugendlichen“ behauptet, Werbeverbote hätten keine präventive Wirkung. Und dies obwohl am Ende des Artikels erwähnt wird, die Fachleute seien, gestützt auf eine grosse Meta-Anlalyse, gegenteiliger Ansicht.

Wahrscheinlich ist der Grund für die Besorgnis des Schweizerischen Gewerbeverbandes weniger das Präventionsgesetz, sondern die im Mai zu erwartende WHO-Resolution für eine globale Alkoholstrategie. Das Präventionsgesetz kann von der bürgerlichen Parlamentsmehrheit ja immer noch zum zahnlosen Alibipapier reduziert werden. Die WHO-Resolution hingegen, mit ihrem grossen wissenschaftlichen Fundament und ihren weltweit diskutierten Massnahme-Vorschlägen, ist nicht so schnell totzukriegen. Auch wenn sie bei uns stillschweigend beerdigt würde, anderswo wird sie weiterleben und uns auf Umwegen wieder erreichen.

Dass das Alkoholgewerbe noch immer Stellen gefunden hat, die ihm die erwünschten Studien-Resultate geliefert hat, ist kein Geheimnis. Notfalls wurden die Ergebnisse einfach zu eigenen Zwecken uminterpretiert, wie es bei der geschilderten Untersuchung den Anschein hat. Jedenfalls sind im letzten Jahrzehnt genügend namhafte, unabhängige Studien herausgekommen, die beweisen, dass Werbung wirkt. Wer seinen gesunden Menschenverstand nicht ausschaltet und nicht von wirtschaftlichen Eigeninteressen blockiert ist, weiss das seit jeher – schon zu Zeiten der beiden vom Volk auf Druck der Wirtschaft (mit dem üblichen Arbeitsplatzargument) im letzten Jahrhundert abgelehnten Volksinitiativen über Werbeeinschränkungen (Guttempler-Initiative, Zwillings-Initiativen). Hätten wir damals zugestimmt, wäre uns der heutige Jugendalkoholismus möglicherweise erspart geblieben.

Die Behauptung, der Entwurf des Präventionsgesetzes beruhe nicht auf wissenschaftlichen Tatsachen, ist eine glatte Frechheit, wenn man weiss, wie die Alkoholindustrie mit der Wahrheit umgeht und die Völker manipuliert. Alkoholprävention muss nicht, wie behauptet, teuer sein. Man kann ja nach dem Verursacherprinzip die Konsumenten dafür bezahlen lassen. Der Gewinn wäre für alle viel höher als die Kosten.

Wirksame Prävention muss flächendeckend sein und nicht nur einzelne Konsumgruppen erfassen, die sich politisch nicht wehren können. Das Alkoholproblem ist ein sozial-medizinisches Problem. Die ganze Gesellschaft krankt daran, und ihr Vorbild prägt die Jugend. Niemand wird durch Verhältnisprävention bestraft, denn alle ziehen grossen Nutzen daraus. Gerade die mässig Konsumierenden wären mit den Abstinenten die grössten Gewinner, weil sie verhältnismässig wenig Alkoholsteuern zahlen würden, aber von den verminderten Schäden, d.h. von einer verbesserten Lebensqualität und reduzierten Sozialkosten voll profitieren würden. Die WHO nennt uns “Passivtrinker“, weil wir alle unter dem Alkoholkonsum aller ungewollt leiden. Wir hätten es in der Hand, die Politik unter Druck zu setzen, dem ein Ende zu machen. Auf www.alkoholpolitik.ch existiert seit Jahren ein Modell, wie das praktisch und ohne grosse Lateralschäden geschehen könnte. Sogar die Werbung und damit die Medien würden profitieren, obwohl sie dies mit ihrem bisherigen unmoralischen Wirken nicht verdient hätten.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
(siehe auch portal.gmx.net/de/themen/schweiz) (nicht erschienen)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 24. März 2010 um 11:55 und abgelegt unter Alkoholindustrie, Alkoholsteuern, Allgemein, Jugend, Leserbriefe, Medien, Passivtrinker, Politik, Schweiz, Verhältnis-Präv., Weltgesundheits-Org., Werbung. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Die Kommentare sind derzeit geschlossen, aber sie können einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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