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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Projekt-Idee'

Leserbrief zur vorgestellten Rentenreform

Freitag 21. November 2014 von htm

20.11.2014

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich


Leserbrief zu „Die Rettung der Renten könnte gelingen“, u.a. am 20.11.14

Dass die Rentenreform kommen muss, ist wohl den meisten klar. Nur wer welche Kröte schlucken muss, darüber wird nun ein grosses Gerangel entstehen. Ein wunder Punkt ist sicher die unsoziale Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Gunsten der AHV, die den täglichen Konsum und damit die Lebenskosten aller betrifft. Vor allem aber von jenen mit beschränktem Budget.

Seit vielen Jahren geht der Hauptanteil an den Steuern auf Spirituosen, d.h. jährlich etwa 200 Mio. Franken an die AHV. Eine Weinsteuer und eine Biersteuer, die ihren Namen verdient, kennen wir nicht. Was liegt näher, als diese Lücken durch eine allgemeine Lenkungsabgabe auf Alkohol zu schliessen und damit die Erhöhung der Mehrwertsteuer abzuwenden?

Unsere Gesellschaft leidet, wie andere Länder auch, an der alten Volkskrankheit Alkoholismus. Er ist unser grösstes sozialmedizinisches Problem. Das Alkoholproblem lässt sich allerdings nicht nur auf die abhängigen Kranken reduzieren, es durchdringt noch viele andere Bereiche unserer Gesellschaft. Wir alle leiden unter den Folgen des Konsums dieses legalen Suchtmittels, das seit seiner industriellen Herstellung und Vermarktung im 19. Jh. zur Volksplage geworden ist. Heute wird mit 6 Mia. Franken an Sozialkosten gerechnet, die der Staat, d.h. wir alle tragen. Das grosse, damit verbundene Leid wird verdrängt, so lange es nicht einen selbst betrifft.

Die Erfolge der Prävention sind bisher leider sehr bescheiden geblieben, vor allem weil die Politik im Verbund mit der Wirtschaft die wirtschaftlichen Aspekte stets als wichtiger einstufte als die gesundheitlichen. Und weil aufklärende Prävention, die in den letzten 20 Jahren fast ausschliesslich betrieben wurde, in unserem, von der Alkoholwerbung dominierten „feuchten Klima“, und bei den limitierten Mitteln keine Chance hat. 

Inzwischen ist eine Wende erkennbar. Steuern auf Suchtmitteln zur Schadensreduzierung wurden plötzlich möglich. Prof. Jürgen Rehm brach das Tabu und sprach öffentlich über die Wirksamkeit der steuerlichen Massnahmen. Die Zeit scheint reif für das Projekt, das ich vor Jahren auf meiner Webseite entwickelt hatte: Lenkungsabgabe, d.h. allgemeine Alkoholsteuer, nach dem Verursacherprinzip, die möglichst viel der wirtschaftlichen Schäden des Alkoholkonsums deckt, zur Hälfte an die AHV/IV fliesst, die Kosten von Bund und Kantonen für Rehabilitation und Prävention ausgleicht, die durch den Konsumrückgang benachteiligten Bauern unterstützt und im Sinne der Prävention Sport- und Kultur-Sponsoring im grossen Stil möglich macht. (Änderungen sind natürlich möglich) Vielen kritischen Problemkreisen in der Schweiz könnte damit wesentlich geholfen werden. Auch den zuerst sicher ablehnenden Gruppierungen, wie Bauern, Werbewirtschaft, Presse könnte vielleicht eine Zustimmung abgerungen werden, wenn sie einsehen, dass sie eher profitieren würden. Die Wirtschaft, die immer mehr auf gesunde Arbeitskräfte angewiesen ist, müsste dieses Projekt aus eigenem Interesse sofort unterstützen. Auch weil Gelder, die nicht für Alkohol ausgegeben werden, in andere Branchen fliessen oder an die Banken gehen, die damit in die Wirtschaft investieren können.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(Am 21.11.14 stark gekürzt veröffentlicht)

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Leserbrief: Eine neue Schnapsidee der Eidg. Alkoholverwaltung

Samstag 5. April 2014 von htm

02.04.2014
Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Bund will einheimische Schnapsproduktion fördern“ am 1.4.14 im Tages-Anzeiger online.
Was zu befürchten war, tritt nun ein: Seit der von bürgerlicher Seite forcierten Reorganisation der Eidg. Alkoholverwaltung und deren Eingliederung ins Finanzdepartement mit einem von dessen Managern als neuem Direktor sind die gesundheitlichen Aspekte des Suchtmittels Alkohol in der Verwaltung verlorengegangen. Nur noch die Wirtschaft zählt.
Erst wurde versucht, Energy Drinks mit Schnaps „anzureichern“, was in den USA schon seit einiger Zeit als tödliche Mischung gilt und jetzt der Versuch, mit einseitigen Steuerreduktionen für inländische Spirituosen sowie hohen direkten Bundessubventionen den Verkauf anzukurbeln. Abgesehen davon, dass diese einseitige Bevorzugung inländischer Produkte internationalen Übereinkommen widersprechen würde, ist eine solche Verkaufsförderung sicher nicht im Interesse unserer Bevölkerung.
Dabei hätten es die Schnapsbauern schon lange in der Hand, ein Projekt zu unterstützen, das sie ihrer Sorgen weitgehend entheben würde. (Projekt-Idee auf www.alkoholpolitik.ch) Dasselbe gilt für Turn- und andere Sportverbände, die sich durch Sponsorenverträge an die Alkoholindustrie verkaufen oder für die Jugendverbände, z.B. die Pfadfinder, die für ihre wertvolle Tätigkeit auf eine weit bessere finanzielle Grundlage gestellt werden könnten, was ihnen neue Entfaltungsmöglichkeiten böte. Die Nutzniesser dieses Projekts müssten nur zusammenstehen und es politisch durchziehen. Stark genug wären sie. Nur fehlt bisher der nötige Pioniergeist. Er ist in der allgemeinen Alkoholeuphorie ertrunken.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon

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Zitat: Barack Obama an der Abschiedsfeier für Nelson Mandela

Mittwoch 11. Dezember 2013 von htm

In seiner vielbeachteten Ansprache sagte der US-Präsident u.a.:

“Nelson Mandela erinnert uns daran, dass etwas immer unmöglich scheint, bis es gemacht ist.”
(Zitat aus dem Tages-Anzeiger vom 11.12.13, Seite 2)

Kommentar: Eine grundsätzliche Änderung in der Alkoholpolitik scheint auch vielen unmöglich zu sein. Zu stark seien die Bevölkerung und die Politikerinnen und Politiker in den letzten Jahrzehnten durch die Alkoholwerbung und die Alkohollobbies “weichgeklopft” worden. Und doch darf die Hoffnung nicht aufgegeben werden, dass endlich nicht”alkoholabhängige” massgebliche Kreise ihre Verantwortung erkennen und wahrnehmen werden.

Siehe auch Zitate im Archiv dazu.

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Leserbrief zu: Komapatienten sollen Spitalpflege selber bezahlen

Donnerstag 18. Juli 2013 von htm

15.07.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief  zu „Staatsgarantie für den Exzess“ vom 15.7.13

Nationalrat Toni Bertoluzzi (SVP) hat das Verursacher-Prinzip entdeckt. Mittels einer Parlamentarischen Initiative will er erreichen, dass Komatrinker oder deren Eltern die Notaufnahme-Behandlung selber bezahlen müssen.

Beat Metzler weist auf der „Analyse-Seite“ zu recht auf viele Schwächen dieser Vorlage hin. Am nächsten kommt er der falschen Argumentation mit seinem Satz: „Nicht die Jungen sind verantwortlich dafür, dass Kioske rund um die Uhr mit Billigalkohol locken.“ Es ist nämlich die Gesellschaft, welche die Verantwortung für unsere Alkoholprobleme trägt. Und als ihre Vertretung die Politik, welche die Rahmenbedingungen aufstellt und durchsetzen müsste.

In den letzten Jahrzehnten sind diese Rahmenbedingungen laufend liberalisiert worden. Ausnahmen: 0,5-Promille-Grenze und Alcopop-Steuer. Sowohl die Promillegrenze wurde viel zu spät eingeführt, was viele „unnötige“ Opfer forderte, als auch die Alcopop-Steuer wurde erst beschlossen, nachdem der Verkauf ein nie gekanntes Rekordhoch erreicht hatte. Um die erwachsenen Schnapskonsumenten nicht zu vergraulen, wurde darauf verzichtet, die Schnapspreise zu erhöhen, was die Jugendlichen zum Ausweichen auf Selbstgemixtes geradezu einlud. Damit war der neue Jugendalkoholismus geboren.

Roland Stähli, Präventionsbeauftragter für den Kanton Zürich, prägte den Satz: „An jedem Alkoholverkauf an Jugendliche verdient ein Erwachsener.“ Und damit diese Einnahmequellen nicht versiegen oder zurückgehen, werden die Alkoholgesetze laufend abgebaut. Neustes Beispiel heute: Der Bund will den zollfreien Import von Wein verzehnfachen. So gelingt der Rausch noch billiger.

Die bürgerlichen PolitikerInnen, allen voran jene der SVP, versuchen immer wieder mit Erfolg, sich aus der Verantwortung zu stehlen und den Schwarzpeter vor allem an die Jugend weiterzureichen. Gleichzeitig betreiben sie damit die Geschäfte der meist internationalen Alkoholmultis und nehmen die Steuerzahler als Geiseln, die ungefragt die immensen alkoholbedingten Sozialkosten tragen müssen.

Es wäre viel billiger, die Alkoholpreise durch massive Steuern anzuheben, damit den Konsum und die Folgeschäden zu reduzieren, die AHV zu entlasten und unser Land friedlicher, gesünder und glücklicher werden zu lassen. Auch die Personalkosten der Wirtschaft würden sinken, was die neue Leitung der economiesuisse endlich zu einer Kurswende bewegen sollte. Man sollte doch erwarten können, dass Politik und Wirtschaft irgendwann nüchtern über unsere mächtigste Droge und unser grösstes sozial-medizinisches Problem nachdenken und beraten würden. Wir können es uns nicht leisten, weiterhin bedeutende Teile junger Generationen an den Alkohol zu verlieren. Die Lehrlingsbetriebe wissen um die Schwierigkeiten, qualifizierte und motivierte Jugendliche zu finden.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(Leicht gekürzt am 18.7.13 veröffentlicht)

 

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CH: Dialogwoche Alkohol – unsere Beteiligung

Donnerstag 2. Juni 2011 von htm

Aktionswoche vom 21. bis 29. Mai 2011

Logo Dialogwoche Mai 2011

Aktions-Logo

Links zu nützlichen Adressen:

Dialogwoche-Webseite
Diskussions-Möglichkeiten
Unsere Projekt-Idee
Aufruf für eine wirksame Schweizer Alkoholpolitik
Unterschriften-Liste zum Sammeln
– Plakat mit unserer Homepage: 31 Bx61cm H, 61 Bx34cm H, 61 Bx74cm H,
WHO-Resolution für eine Globale Alkohol-Strategie
Unsere Leserbriefe und Kommentare (Online-Alias “Kontrabass”)

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Während und nach der Aktionswoche

Kommentare zu Radio- und Fernsehsendungen, sowie Zeitungsartikeln und Internetforen

Tages-Anzeiger: “Ein Hoch des Stdtrats auf den Rausch”, am 3.6.11

Winterthurs Sozialvorsteher Nicolas Galladé (SP) stösst mit seinem Lob auf den Rauschzustand auf Kritik.
Die Aussage erstaunt und polarisiert: «Selbst der Rausch hat positive Seiten», sagte Winterthurs Stadtrat Nicolas Galladé (SP) in einem Interview im «Landboten» vom Mittwoch. Der Sozialvorsteher, der auch für Prävention und Suchthilfe in der Stadt zuständig ist, sprach freimütig über «Sonnenseiten und Schattenseiten des Alkoholkonsums» und darüber, dass die Menschheit schon immer den Rausch gesucht habe.
So hätte das Galladés Vorgängerin im Stadtrat, Nationalrätin Maja Ingold (EVP), niemals gesagt. «Das kann als Steilpass zum Rauschtrinken verstanden werden», sagt sie und verweist auf das Jugendschutzkonzept Winterthurs, das einen «risikoarmen Alkoholkonsum» postuliert. «Ein Rausch ist auf jeden Fall riskant. Der Betroffene gefährdet sich selbst und eventuell Dritte.» … (Quelle: Tages-Anzeiger, 3.6.11) Kommentar: Mehrere kritische Stimmen kommen zu Wort, dann kann sich der Stadtrat ausführlich verteidigen. Er merkt leider nicht, dass seine Haltung jedwelchen Alkoholkonsum fördert. Den Ist-Zustand zu verteidigen ist keine Prävention. Dabei wäre sein Vorbild als Sozialvorsteher und das seiner Stadtratskollegen in die andere Richtung gefragt.

Tages-Anzeiger, Seite Zürcher Oberland: “Ein lebenslanger Kampf gegen den Rausch”; (Interview in eigener Sache) am 3.6.11
Interview mit Foto, das ich einem jungen Journalisten gab. In einer Art Kurzbiographie bringt er einige Stationen meines Lebens, schreibt über meine Motivation für diese Arbeit, die Entstehung und das bevorstehende Ende der regelmässigen Aktivitäten dieser Webseite nach vollen 10 Jahren Freiwilligenarbeit. Bemerkenswert, dass das Interview überhaupt erschien, dass es nur auf der Regionalseite erschien, dass es im Internet (bis jetzt) nur über die Suchmaschine zu finden ist, dass gleichzeitig in der Vollausgabe ein ebenso grosser Artikel über einen Winterthurer Stadtrat veröffentlicht wurde, der in der Regionalzeitung “Der Landbote” den Rausch als auch positiv dargesstellt hatte. Es kommen darin kritische Stimmen zu Wort und der Stadtrat verteidigt seine Position. (Siehe unsern Artikel und Leserbrief dazu.)

Der Landbote, Winterthur: “Die Stadt schenkt weiterhin Alkohol aus”, am 1.6.11
Stadtrat Nicolas Galladé (SP) zieht nach der Dialogwoche “Alkohol” Bilanz. Er erklärt, warum die Stadt an ihren Apéros weiterhin Wein ausschenken wird und wie er es selbst mit dem Alkohol hält.
Siehe unsern Leserbrief dazu.

Tages-Anzeiger vom 28.5.11 “Wer gerne trinkt, muss auch den Kater lieben”.
Der Kunsthistoriker Peter Richter feiert in seinem neuen Buch die Freude am Trinken. Er sieht sie ernsthaft in Gefahr.
Der 37-jährige Schriftsteller und Kulturjournalist («Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung») schreibt an gegen den Druck der Präventionspolitiker. Sein Buch «Über das Trinken» (Goldmann, München) durchsetzt eine amüsante Kulturgeschichte des Alkohols mit Kapiteln zur Politik und Literatur, zum Saufen und Trinken. Dazwischen berichtet Richter von eigenen Erfahrungen – leidvollen und anderen. Er verklärt und verdammt nicht, schreibt geistreich und gescheit. Wenn auch, dies der einzige Einwand, allzu süffig. (jmb) Kommentar: Nun hat auch der Tages-Anzeiger wie die NZZ (abgesprochen?) am Ende der nationalen Dialogwoch “Alkohol” die Diskussion mit einem wie Richter schreibt “amüsanten” Beitrag “bereichert”, der dem schwersten sozialmedizinischen Problem der Schweiz in keiner Weise gerecht wird und falsche Informationen verbreitet. Offenbar ist dies die einzige journalistische Spielart, die unter dem Druck der Alkohollobby noch möglich ist. So weit ist unsere Pressefreiheit verkommen! Wo ist die sogenannte Presse-Kritik? Und der Schweizer Presserat mit seinen schönen Rechten und Pflichten des Journalisten? (siehe unsern am 4.6.11 veröffentlichten Leserbrief)

Der Landbote (Winterthur): Vier Experten, zehn Zuhörer am 25.5.11 (Artikel nicht online)

Informationsabend über Jugend und Alkohol. Die auch enttäuschten Veranstalter werden sich Fragen stellen: Wurde für den Anlass lokal genügend geworben? Versprachen die Referenten neue Erkenntnisse oder kritische Voten, die eine lebhafte Diskussion erwarten liessen? Meiner Einschätzung nach ist das magere Interesse auch darauf zurückzuführen, dass in Winterthur seit jeher eine alkoholfreundliche Politik betrieben wird. Die Verbundenheit mit der Haldengut-Bier-Geschichte sitzt noch tief. Die Alkohol-Testkauf-Ergebnisse sind immer noch katastrophal, weil die Behörden zu wenig einschreiten. Das Albanifest, das Oktoberfest, die Saufkultur von Studenten, das prägt die allgemeine Ansicht, man kann ja doch nichts machen, es gehört halt dazu. Also wozu einen solchen Anlass besuchen?
In den Referaten wurde die aktuelle Situation beleuchtet aber nach dem Lesen des Berichts, besteht der Eindruck, dass keiner der Fachleute auf die gesellschaftliche Relevanz des Alkoholproblems aufmerksam gemacht hat. Es ging eigentlich nur um die Feuerwehreinsätze bei aufkommenden Problemen, aber nicht darum, die Probleme und Schäden nicht entstehen zu lassen. Ganz dem Motto der Dialogwoche entsprechend: Die Alkoholindustrie darf nicht geschädigt werden. Also ja keine Alkoholpolitik! Der Bundesrat könnte ja genötigt werden, Nägel mit Köpfen beim neuen Alkoholgesetz zu machen. Wozu nun diese Dialogwoche?

NZZ: Platzverbot für König Alkohol am 25.5.11

Der Deutschland-Korrespondent der NZZ lässt seinen Frust los, indem er auf einer Achterbahn der Gefühle Argumente und Informationen durcheinanderwirbelt, um am Schluss noch auf das Recht auf Rausch zu plädieren. Ein wirklich “hilfreicher” Beitrag zur nationalen Dialogwoche “Alkohol”. Der NZZ fehlt es offenbar an schweizerischen Fachjournalisten auf diesem Gebiet oder sie will bewusst keinen konstruktiven Beitrag leisten. Die Wirtschaft könnte es übel nehmen. (Siehe auch pendenten Leserbrief)

DRS1, Espresso, am 24.5.11

Das Interview mit dem Direktor der Eidg. Alkoholverwaltung zeigte, dass er sich nur als Verwalter der Spirituosen versteht, obwohl sein Amt offenbar die Zuständigkeit in der Alkoholfrage beansprucht. Die Frage nach höheren Steuern beantwortete er ziemlich ausweichend und erwähnte nicht, dass der Schnaps nur etwa 20% des Alkoholkonsums ausmacht. Wenn eine Alkoholabgabe etwas bewirken soll, muss sie auf die gesamte Alkoholpalette ausgeweitet werden, sonst gibt es nur wieder Verlagerungen auf andere Getränke. Und die Alkoholprobleme werden ja auch durch den Konsum aller Alkoholika verursacht.
Der Widerstand der Alkohollobby ist natürlich vorprogrammiert.
Immerhin ist es bemerkenswert, dass das Schweizer Radio im Rahmen der nationalen Dialogwoche “Alkohol” nun einmal dieses Thema ansatzweise berücksichtigt hat.

Coop-Zeitung vom 24.5.11, Seite 98 und Online-Forum

Das Heraufsetzen des Mindestalters ist eine von mehreren sinnvollen Massnahmen, wenn eine Gesellschaft ihr Alkoholproblem entschärfen will. Die Widerstände gegen ein Mindestalter sind immer die gleichen, egal bei welchem Alter. Auch wenn einige das Gesetz umgehen, ist der Effekt per Saldo eben doch vorhanden und wertvoll.
Wer von seinen Alkoholerfahrungen auf die Gesamtheit der Bevölkerung schliesst, unterliegt einer Selbsttäuschung.
So gesehen ist die Massnahme von Coop sinnvoll. Dass Coop damit Imagepflege betreibt, um ihre Rolle als grösster Alkoholhändler in der Schweiz zu bemänteln, ist ein anderes Kapitel. Mit ihrer aggressiven Tiefpreispolitik auf dem Alkoholsektor hat sie einen grossen Anteil am Leid und and den gesellschaftlichen Kosten, die das Alkoholproblem uns verursacht.


SF1, Tagesschau am 23.5.11

Es ist positiv zu vermerken, dass der Trend der an Minderjährige verkauften alkoholischen Getränke nach unten zeigt. Aber nach 10 Jahren immer noch rund ein Viertel ungesetzliche Verkäufe sind immer noch viel zu viele. Hinter diesen Zahlen stehen Tausende von Jugendlichen, die sich an den Alkoholkonsum gewöhnen und viele von ihnen werden später Alkoholprobleme haben mit Folgen für die ganze Gesellschaft.
Es ist nun dringend nötig, dass die eidg. Räte die gesetzlichen Grundlagen schaffen, damit die Kantone häufiger kontrollieren und härter strafen. Sonst wird es immer noch viele Wirte und Händler geben, die lieber an den Jugendlichen verdienen als den Jugendschutz einzuhalten.

SF1, 10 vor 10 am 23.5.11

Erfreulich, dass das staatliche Fernsehen im Rahmen der nationalen Dialogwoche “Alkohol” auf die Problematik der vielen alkoholbehinderten Kinder und Jugendliche aufmerksam macht.
Mir fehlten zwei wichtige Hinweise:
Hinweise auf weitere Stellen, die solchen Kindern Hilfe anbieten. Auch gibt es spezielle Internetangebote.

Die Frage, was unternommen werden müsste, damit diesen Kindern eine solche Jugend erspart bleibt, d.h. dass es weniger Alkoholabhängige gibt, scheint mir zentral zu sein. Sie wurde nicht gestellt. Das ist die Frage nach der wirksamen Prävention, die der Bundesrat und das Parlament nächstens beantworten müssen. Bisher haben sie sich unter dem Druck der Alkoholwirtschaft immer darum herum gedrückt und riesige Kosten und grosses Leid verursacht.

SF1, “PULS”: Wie gefährlich ist Alkohol? am 23.5.11

Die Auswahl der Teilgebiete der Alkoholfrage und ihre Präsentation waren in diesem beschränkten Rahmen sinnvoll und gut dargestellt. Es wäre zu wünschen, dass das Schweizer Fernsehen einzelne Themen vertiefen wird. Nicht zur Sparache kamen vor allem das Ausmass der Schäden und die Notwendigkeit, diese zu reduzieren. Dabei müsste die Einsicht zunehmen, dass trotz über 100 Jahren Alkoholprävention es nicht gelungen ist, die Eigenverantwortung derart zu stärken, dass der krankmachende und der risikohafte Konsum massiv zurückgeht. Dies kann nur durch Verhältnisprävention des Staates erreicht werden. (Auf der Webseite “PULS” gibt es detailliertere Angaben. Zur Sendung gehörte auch ein Beratertelefon und Internet-Chat.)

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Ich spreche über Alkohol, weil

– ich in einer alkoholbelasteten Familie aufwachsen musste und die Not der über 100’000 Kinder in der Schweiz, die ähnliches erleben, selber erfahren habe;

– ich erleben durfte, dass mein Vater mit Hilfe einer Abstinenten-Gruppe den Weg aus der Abhängigkeit fand und ich aus Solidarität mitging und die Alkoholproblematik von Grund auf kennenlernte;

– seither die Alkoholindustrie auch die Frauen und die Jugend mit ihrem Marketing zu Betroffenen machte;

– die Alkoholindustrie immer mehr auch die Medien und die Politik zu willfährigen Werkzeugen ihrer Marktmacht zu     instrumentalisieren vermochte;

– die Alkoholindustrie sogar Teile der Wissenschaft für ihre Zwecke einspannt und uns suggeriert, Alkohol sei gesund;

– die Bevölkerung unter den alkoholbedingten Schäden direkt oder indirekt leidet und ein Leben lang ungefragt die immensen alkoholbedingten Sozialkosten bezahlen muss;

– für mich Gerechtigkeit und Menschenwürde noch eine Bedeutung haben;

– der Jugendalkoholismus eine ernsthafte Bedrohung für die kommenden Generationen und unser Land darstellt;

– ich, seit ich vor 10 Jahren mit meiner Webseite begonnen habe, immer wieder von Fachleuten zu dieser Arbeit angespornt worden bin, die oft nicht selber direkte Wahrheiten aussprechen dürfen, weil sie politische Rücksichten nehmen müssen.

– ich mich in meinem Anliegen vermehrt bestärkt fühle, seit auch die Weltgesundheitsorganisation und die EU mit grossem Einsatz für Verbesserungen kämpfen und ich die mit mir zum Teil befreundeten dortigen Fachleute unterstützen möchte;

– ich hoffe, dass die Wirtschaftsverbände endlich einsehen, dass ihre Verhinderung einer wirksamen Alkoholpolitik dem Land und ihnen selber schadet;

– ich hoffe, mit meinen Informationen dazu beizutragen, dass die Bevölkerung lernt,  ihre eigenen Interessen wahrzunehmen und die Politik dazu drängt, endlich ihre Verantwortung zu übernehmen und für eine wirksame Alkoholpolitik zu sorgen;

– ich hoffe, dass viele Bewohner unseres schönen Landes den Aufruf für eine wirksame Alkoholpolitik mitunterzeichnen, damit Bundesrat und Parlament die neue Alkoholgesetzgebung so gestalten, dass der Alkoholkonsum generell deutlich zurückgeht und damit auch die vielfältigen alkoholbedingten Schäden.

UND SIE?
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14.04.2011:
Heute ist die Einladung zum Kickoff-Event der Aktion am 20.5.11 eingetroffen.
Zwei Details sind bemerkenswert:
a) Es sollen keine politischen Themen diskutiert werden
b) Es werden auch alkoholische Getränke verkauft.
Das Bundesamt für Gesundheit hält nichts von Vorbildwirkung und unterstützt das Alkoholgewerbe. Dies im Gegensatz zur WHO, die schon vor Jahren festhielt, Alkoholprävention könne nicht mit der Alkoholindustrie geplant werden. Interpretiert man den heutigen Tages-Anzeiger Artikel über die kürzliche EU-Krebsforschung, muss man schliessen: Das BAG fördert zusätzliche Krebserkrankungen.

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CH: Förderung der Jugendarbeit mit zeitgemässem Gesetz

Samstag 18. September 2010 von htm

Der Bundesrat will ausserschulische Kinder- und Jugendarbeit stärker fördern. Er hat am Freitag das Jugendförderungsgesetz zuhanden des Parlaments verabschiedet. Es soll das heutige Gesetz ersetzen, das nicht mehr zeitgemäss ist. 8,4 Millionen Franken jährlich will man sich die ausserschulische Kinder- und Jugendarbeit mittelfristig kosten lassen.
Jugendorganisationen seien nach wie vor von grosser Bedeutung, sagte Burkhalter. Sie böten den Kindern und Jugendlichen die Chance, sich freiwillig zu engagieren, Verantwortung zu Übernehmen und Kompetenzen zu erwerben.
Mit dem neuen Gesetz sollen aber auch Formen der Jugendarbeit gefördert werden, die nicht an Mitgliedschaften gebunden sind. (Quelle: NZZ, 17.9.10) Kommentar: Wenn das neue Gesetz die Jugendorganisationen schwächt statt stärkt, sollte es abgelehnt werden. Wie Jugendarbeit in viel grösserem Mass gefördert werden könnte, steht in unserer “Projekt-Idee” seit Jahren.

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TOP NEWS: CH: Neuartige Alkohol-Präventions-Kampagne

Dienstag 7. September 2010 von htm

Das Bundesamt für Gesundheit plant mit Partnern eine neuartige Alkoholkampagne: Die Gesellschaft sucht nach einem neuen Umgang mit dem Alkohol. Wie können wir einen genussvollen Umgang mit dem Kulturgut Alkohol praktizieren und vorleben, den Interessen von Gastronomie und Detailhandel Rechnung tragen – und gleichzeitig glaubwürdig den Exzessen und ihren Folgekosten entgegen treten? Es besteht Diskussionsbedarf! Deshalb plant das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zusammen mit verschiedenen Trägern eine neuartige Form der Kampagnenführung, in deren Mittelpunkt der gesellschaftliche Dialog steht – das Gespräch am Tisch, die Aktion im Quartier. Als erster Schritt findet vom 21. bis 29. Mai 2011 eine Aktionswoche statt – eingebettet in ein trinationales Projekt mit Deutschland und Österreich. Infoblatt (pdf, 2S., 28Kb) mit weiteren Informationen und der Möglichkeit einen Newsletter zur kommenden Aktionswoche zu abonnieren. (Quelle: Infoset Newsletter September 2010) Kommentar: Positiv: Der gesellschaftliche Diskurs wird versucht, den die Medien verweigern. Fragwürdig: Die Rücksichtnahme auf die Alkoholwirtschaft. Mit ihr gibt es keinen Konsumrückgang. Vielleicht hat dann unsere Projekt-Idee endlich eine Chance. Leider kommt diese öffentliche Diskussion reichlich spät, wenn sie einen Einfluss auf die Revision des Alkoholgesetzes haben soll.

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Löst eine Steuererhöhung auf Alkohol die Probleme?

Montag 2. August 2010 von htm

Die Diskussionen über den Alkoholkonsum im Land brennen nun mal wieder reichlich auf. Während die Drogenbeauftrage Sabine Bätzing (SPD) die Forderung einer steuerlichen Erhöhung von Alkoholika bereits wieder relativiert, um nicht zu sagen dementiert hat, ist und bleibt die Diskussion ein brisantes Thema im Land. Der Ansatz, dass ein Mehr an Steuern auf Bier, Wein oder Schnaps, der zunehmenden Alkoholabhängigkeit vieler Menschen in Deutschland ebenso entgegenwirken könnte, als auch dem jugendlichen Koma-Saufen, mag nicht ganz verkehrt sein. Aber so lautet die entscheidende Frage: Wem würde solch eine Steuererhöhung tatsächlich Positives bringen? … (Quelle: Google Alkohol News, 2.7.10) theintelligence.de, 1.8.10 mit unserem Online-Kommentar: Der Artikel ist typisch für die Verteidigung der Alkoholindustrie. Viel Geschwafel im Kreis herum. Am Schluss keine brauchbare Lösung. Tatsache ist doch, dass in den Industrieländern mit Ausnahme der Hochpreisländer in Skandinavien der Alkoholkonsum viel zu hoch ist und den Bewohnern und dem Staat immense Kosten und alkoholbedingtes Leid verursachen. Alkoholsteuern sind nicht oder minim vorhanden, die wenigstens die Sozialkosten decken würden.
Immer, wenn eine Verbesserungsmöglichkeit zur Diskussion gestellt wird, ist es natürlich die falsche, man müsste etwas anderes tun, das dann auch nicht getan wird.
Um den Regierungen die Sache zu erleichtern hat die Weltgesundheitsorganisation während Jahren eine Strategie entwickelt und im Mai an der Generalversammlung einstimmig verabschiedet, welche die Probleme und die wissenschaftlich fundierten Lösungsmöglichkeiten aufzeigt. Die Regierungen wären nun aufgerufen, diese Strategie umzusetzen. Dabei ist gemeint, je nach Land die beste Kombination zusammenzustellen und umzusetzen.
Die Preisregulierung durch generelle Alkoholsteuern und Mindestpreise ist das effektivste Mittel. Dabei muss vermieden werden, dass die Konsumenten auf andere alkoholische Getränke ausweichen können, d.h. die Steuer muss dem Alkoholgehalt entsprechend gestaltet sein. Um eine Konsumverminderung erreichen zu können, muss die Preiserhöhung markant sein. Dies sollte keine rein fiskalische Massnahme sein, sondern die Einnahmen sollten für die Finanzierung der Alkoholprävention und -Rehabilitation verwendet werden. Gerade die mässig Konsumierenden sollten sich dafür einsetzen, denn sie profitieren am meisten vom Rückgang der Sozialkosten bei geringsten Steuerausgaben.
Die zweitwirksamste Massnahme ist die Einschränkung der Erhältlichkeit. Dann kommt die Senkung der Promillegrenze im Verkehr, die Heraufsetzung des Mindestalters und die Einschränkung der Alkoholwerbung. Letzeres vor allem, um die Alkoholprävention bei der Jugend glaubwürdiger werden zu lassen.
Wie die Einführung einer massiven Alkoholsteuer sinnvoll und für fast alle profitabel gestaltet werden könnte, ist auf www.alkoholpolitik.ch seit ca 2004 unter der Kategorie “Projekt-Idee” nachzulesen. Der Erfolg wäre in jedem Land eine kleine soziale Revolution.

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CH: Politisches Sommertheater

Montag 12. Juli 2010 von htm

Die Demokratie funktioniert nicht wohlgeordnet. Sie funktioniert am besten, wenn Überzeugungen und Interessen Unordnung stiften. (Quelle: blick.ch, 11.7.10) Kommentar: Den Präsidenten des Brauereiverbandes hat Frank A. Meyer in seine Überlegungen einbezogen. Wie wäre es, wenn die Presse auch unsere Beiträge zur Unordnung erwähnen würde?

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Kommentare zur geplanten WHO-Strategie-Resolution

Mittwoch 24. Februar 2010 von htm

Kommentar von Kontrabass auf der Webseite der Weinakademie Berlin

Es freut mich, dass Sie sich betroffen fühlen. Es braucht heute deutliche Worte, nachdem über hundert Jahre mehr oder weniger geschwiegen und die Last einfach getragen wurde. Positiv finde ich, dass dieses Wein-Forum meine Kritik aufgenommen hat. Das geschieht höchst selten. Zu beleidigen ist nicht meine Absicht, aufzurütteln hingegen schon. Ob Sie das schlucken können, ist Ihr Problem und eine Frage der Wissensverarbeitung.
Unter Alkoholindustrie verstehe ich, was die Amerikaner Big Alcohol nennen, d.h. die grossen globalen Konzerne, die mit ihrer Macht Regierungen korrumpieren, die übrige Wirtschaft zu deren Nachteil zu Komplizen machen und mit der Werbeindustrie es fertig gebracht haben, dass sie nach dem letzten Weltkrieg erst die Frauen und jetzt auch die Kinder und Jugendlichen zum Alkoholkonsum geführt haben. Besonders widerwärtig finde ich, dass sie, nachdem der Markt in den Industrieländern einigermassen gesättigt ist, ihre Tätigkeit in die Schwellen- und Entwicklungsländer verlagern, wo keine sozialen Auffangnetze für die Alkoholkranken bestehen. Unsere Entwicklungshilfe wird damit zum Teil untergraben. Die Gewinne fliessen wieder in den Norden zu den Konzernen.

Englische Wissenschafter haben den Alkohol in einer Skala der gefährlichsten Drogen an die 5. Stelle gesetzt, vor Tabak und Haschisch. Sie brauchen an meiner Einstellung sicher nicht zu zweifeln. Sie gründet auf einer alkoholbelasteten Kinder- und Jugendzeit und einer lebenslangen alkoholpolitischen Erfahrung unter Einbezug der Forschung.

Ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass ein Betrunkener zuerst seine höchsten menschlichen Eigenschaften, seine Menschenwürde verliert, die ihn vom Tier unterscheidet? Ist es ein Menschenrecht, grosse Teile einer Bevölkerung von einem Suchtmittel abhängig werden zu lassen, dass in westlichen Ländern rund 10-12% der Bevölkerung ab 15 Jahren für die Hälfte des gesamten Alkoholkonsum verantwortlich sind, d.h. in krankmachender Menge trinken? Ohne diese Kranken wäre die Alkoholindustrie kaum mehr lebensfähig. Ist das lächerlich?

Die Probleme der kleinen Weinbauern sind mir nicht fremd, aber die grossen machen gerade dieser Tage negative Schlagzeilen. (Z.B Constellation Throwing Money Around in New York, Dienstag, 23. Februar 2010 von htm oder Wieder einmal ein Weinskandal, Montag, 22. Februar 2010 von htm (auch Constellation Brands) In meiner Projekt-Idee nehme ich grosszügig Rücksicht auf diese kleinen Weinbauern, die ja auch den gesunden Traubensaft und die herrlichen Tafeltrauben produzieren (produzieren könnten).

Gegen mässige Geniesser habe ich keine Vorurteile, ich gönne ihnen den Genuss. Nur weiss ich, dass jeder Alkoholkranke als mässiger begonnen hat und nie die Absicht hatte, krank zu werden, sein Vermögen, seine Familie zu verlieren, usw. Prof. Gustav von Bunge hat schon am 23. Nov. 1886 in seiner Antrittsvorlesung an der Uni Basel gesagt, “die Mässigen sind die Verführer”. Sie demonstrieren unbewusst, dass es möglich ist, mässig zu konsumieren, jener, der es nicht kann, versucht es deshalb auch. Der Mässige ist ein negatives Vorbild, obwohl die Gesellschaft froh sein muss um jeden, der mässig bleibt. Der (immer auch die) Mässige ermöglicht der Alkoholwirtschaft, ihr Treiben praktisch ungestört fortzuführen, weil er, zusammen mit den nicht aktiven Abstinenten, verhindert, dass auf die Regierungen Druck ausgeübt wird, die Gesetze präventiv zu ändern. Er sagt sich, ich habe keine Probleme, also lasst mich in Ruhe damit. Was soll ich meine Freiheit beschneiden lassen. Das übliche Credo der Liberalen. Die Verantwortung in der Gesellschaft wird nicht gesehen. Dabei hätten diese beiden Gruppen wahrscheinlich die Stimmenmehrheit und könnten das Alkoholproblem in kurzer Zeit massgebend entschärfen.

Dass Alkohol ein Kulturgut ist, stimmt natürlich, nur ist er in historischer Zeit vor allem bestimmten Schichten vorbehalten gewesen, auch zu religiösen Zwecken. Wenn Sie die Bibel zitieren wollen, dürfen Sie natürlich auch die Stellen nicht unterschlagen, in denen vor dessen gefährlichen Seiten gewarnt wird. Erst seit der industriellen Massenproduktion und dem Einsatz einer gewissenlosen, psychologischen Werbung ist er eine Bedrohung für die Gesellschaft geworden. Für mich ist dies eine Scheinkultur mit überwiegend negativen Resultaten. Resveratrol wurde in letzter Zeit nur im Zusammenhang mit Rotwein hochgespielt, dabei ist diese Substanz in allen möglichen Obstsäften und Gemüsen vorhanden. Diese sollte man propagieren, sie enthalten keinen (oder minimen) Alkohol als schädliche Nebenwirkung.

Dass ich auf Grund meiner Erfahrung, meines Wissens und kritischen Verstandes im Konflikt mit dieser Alkoholindustrie liege, können Sie mir nicht zum Vorwurf machen. Sie sollten eher Ihre Einstellung hinterfragen, die von den Versprechungen der Werbung und einer Lifestyle-Kampagne geprägt scheint. Konsens dürfen Sie von mir kaum erwarten.

In Sachen Alkoholprävention brauchen Sie mich nicht zu belehren, da sehen Sie zu kurz. Mein Vater ist am Alkohol und am Tabak”genuss” vorzeitig gestorben. Meine Mutter an Lungenkrebs als Passivraucherin. Ich bin ein Leben lang in der Alkoholpolitik aktiv, was wollen Sie mehr?

Was Preiserhöhungen auf Alkoholika bringen würde, ist leider den wenigsten bewusst. 10% mehr Steuern sind kein Angebot. Die Steuern müssten auf allen Alkoholika nach dem Verursacherprinzip erhoben werden und so hoch, dass der Gesamtkonsum deutlich reduziert würde. Dies ist wissenschaftlich erhärtet die effektivste Massnahme in diese Richtung. Da kann der Spirituosen- oder Bierverband noch so gegen besseres Wissen das Gegenteil behaupten.

Dass jeder für sich selber verantwortlich ist, stimmt natürlich. Nur hat das von der Werbung geprägte kollektive Bewusstsein diese Verantwortlichkeit in vielen Fällen ausgeschaltet. Und die Gesellschaft weigert sich bis heute standhaft, die Mitverantwortung zu übernehmen. Nur ein kleiner Prozentsatz der Alkoholkranken wird von der öffentlichen Hand therapiert. Der Staat würde glatt bankrott gehen, wenn alle sich an ihn wenden würden. In Deutschland wären es Millionen.

Wie gesagt, die meisten helfen sich heute schon selber oder gehen zu Grunde. Ausser ein paar Verboten auf lokaler oder Landes-Ebene, meist mit Alibifunktion, ist der Alkoholverkauf auch heute noch weitgehend liberalisiert. Das Gejammer über die “Verbotsgesellschaft” ist nichts als Stimmungsmache. Ob Massnahmen etwas nützen, müsste jeweils evaluiert werden. Die Politiker scheuen es aber meistens, die erforderlichen Finanzen bereitzustellen.

Es freut mich für Sie, dass Sie das Schreiben Ihres Textes geniessen konnten. Ich hoffe, es bleibt ein Genuss ohne Reue.
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http://www.weinakademie-berlin.de/who-beraet-ueber-schaerfere-massnahmen-gegen-alkohol#comments

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Kontrabass schreibt: Februar 26th, 2010 um 11:52

@ Michael Rosenthal
Ich bin Ihrem Wunsch natürlich gleich nachgekommen. Ich dachte mir, es sei fair, wenn ich Sie auch zu Wort kommen lasse. Immerhin hat meine Webseite eine recht gute Verbreitung in Fachkreisen.
Ihre Sorge um mein seelisches Wohlergehen ehrt Sie, ist aber nicht vonnöten. Ich finde meinen Ausgleich bei guter Musik und beim politischen Kabarett und brauche keine chemischen Seelentröster
und ebensolche Aufheiterung. Wohin dies führt, ist in den Medien ja gerade jetzt genügend sichtbar. Nur werden leider die massgebenden Leute die richtigen Konsequenzen nicht sehen, genau wie Sie.
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Kontrabass schreibt: Februar 27th, 2010 um 10:46

@ Michael Rosenthal
Entschuldigen Sie, dass ich Ihr Anliegen der eigenen Imagepflege nicht in Betracht gezogen habe. Das wäre ja wirklich für Sie berufsschädigend, wenn Sie sich mit Abstinenten auf gleicher Ebene sehen müssten und dies immer mit einem schlechten Gewissen, weil Sie mithelfen, auch diese zu Passivtrinkern zu degradieren.
Zu Ihren Don Quichotte-Anspielungen in einem früheren Beitrag ist mir noch eingefallen, dass Sie auf meiner Webseite einige Zitate von nahmhaften Persönlichkeiten finden können, die aufgerufen haben, man müsse auch das Undenkbare denken. Wenn es in unserer Geschichte nicht immer wieder Leute gegeben hätte, die nach diesem Grundsatz gelebt haben, würden wir heute noch, frei nach Erich Kästner, auf den Bäumen hocken. (Was übrigens im nicht nüchternen Zustand ziemlich gefährlich sein könnte.)

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Alkoholsteuern, Allgemein, Internationales, Leserbriefe, Politik, Projekt-Idee, Verhältnis-Präv., Werbung | Keine Kommentare »

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