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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Statistik'

Leserbrief betr. Suchtmonitor 2014 des BAG

Samstag 1. November 2014 von htm

30.10.2014

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Die Bedeutung von Bier“ am 30.10.14  (Link: http://www.tagesanzeiger.ch/leben/essen-und-trinken/Die-Bedeutung-von-Bier/story/24863950)

Der Autor Philippe Zweifel hat den „Suchtmonitor“ des Bundesamts für Gesundheit gelesen und gibt an prominenter Stelle (s)eine Meinung dazu kund. Üblicherweise veröffenlicht ein gutes Presseerzeugnis eine Information und stellt daneben einen Kommentar. So wird dem Leser ermöglicht, sich eine eigene Meinung zu bilden. Jedenfalls in dieser Tages-Anzeiger-Nummer ist von der Information nichts zu sehen. Der nützliche Link http://www.suchtmonitoring.ch/de.html fehlt ebenfalls.

Nach vielen Zeilen belangloser Allgemeinplätze kommt er zum Schluss, uns fehle ein „kultureller Konsens, was Trinken bedeutet: wie und wann Alkohol getrunken wird. Dabei wäre eine kulturelle Einbettung des Trinkens ein wirkungsvolleres Mittel, um Abhängigkeiten zu verhindern, als Gesetze und Therapien.“ Ihm schweben Gesellschaften vor, in denen Alkohol vor allem rituell getrunken wird.

Dann findet er, in der Schweiz sei Alkohol eine Kulturdroge. Passender fände ich in diesem Zusammenhang Scheinkultur. Bereits im 19. Jh. war klar, dass uns der Alkohol von der Wiege bis zur Bahre begleitet. 2001 hatte die Tate Britain Gallery in London ein gewaltiges Gemälde restauriert und erstmals nach fast 100 Jahren der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht: “The Worship of Bacchus” von George Cruikshank. 1862 (236 cm x 406 cm, Öl auf Leinwand) BBC Television widmete ihm eine grosse Dokumentarsendung: “A 1000 Ways of Getting Drunk in England”.

Dass die Werbung es fertig gebracht hat, auch unsere Jugend und die Frauen in diesen Bann zu ziehen und fast alle Lebensbereiche dem Alkohol zu öffnen, müsse man nicht schlimm finden. „Man sollte sich aber bewusst sein, dass für eine Abhängigkeit nicht nur die Trinkmenge, sondern auch der Grund relevant ist,“ findet er. So einfach ist das.

Dieser Artikel reiht sich würdig in die Reihe derer ein, die dem schwerwiegenden Thema des Alkoholproblems (es geht dabei nicht nur um persönliche Abhängigkeit) in keiner Weise gerecht werden. Er leistet keinen wirklichen Beitrag, dem Leser einerseits die Schädlichkeit des Konsums aufzuzeigen, sowie andererseits die bekannten wirksamen Verbesserungsmöglichkeiten verständlich zu machen. Die gewaltigen Schäden, die wir als Einzelne wie als Gesellschaft zu tragen haben, sind für Philippe Zweifel offensichtlich Peanuts, die der Alkoholkultur selbstverständlich geschuldet sind.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(mit Kürzungen veröffentlicht am 1.11.14)

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Leserbrief zu: Alkohol fördert Gewalt im öffentlichen Raum

Donnerstag 5. Juni 2014 von htm

30.05.2014
Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Alkohol fördert Gewalt im öffentlichen Raum“ am 28.5.14 im Tages-Anzeiger.
Diese neue Studie ist recht detailliert und bringt die alte Tatsache wieder aufs Tapet, dass die Hälfte der Straftaten Jugendlicher unter Alkoholeinfluss erfolgen. Selbstverständlich reagiert Gewerbeverbands-Direktor Bigler sehr ungehalten und bekämpft jede Beschränkung des Alkoholverkaufs. Er wird im Nationalrat wahrscheinlich die nötige Unterstützung finden, um auch die sehr gemässigten Präventionsvorschläge des Bundesrates abzuweisen. Nicht umsonst sind die gleichen Parlamentarier gegen eine Offenlegung der Parteispenden.
Das Hauptproblem in diesem Zusammenhang ist die immer wieder tröpfchenweise an die Öffentlichkeit weitergegebenen Meldungen über spezielle Typen von Alkoholschäden. So können einzelne Zielgruppen anvisiert und verantwortlich gemacht werden. Einmal sind es die jugendlichen Kriminellen, dann die Hooligans, die alkoholisierten Fahrer, die Kinder in alkoholbelasteten Familien, häusliche Gewalt, Scheidungen, sexuelle Gewalt, Gewalt vor Partylokalen, Alkohol am Arbeitsplatz, in der Politik, Komatrinken und Flatratesaufen, als Krankheit und Krankheiten-Verursacher, usw. Eine Gesamtschau fehlt, um die immense Grösse unseres Problems mit der gefährlichsten Droge erkennbar zu machen. (Gefährlichste Droge, wenn die gesellschaftliche Relevanz mitberücksichtigt wird.) Dann würde auch der Normalbürger und die Normal-Bürgerin verstehen, dass dringend Handlungsbedarf besteht und dass die ganze Gesellschaft mitverantwortlich ist und gemeinsam eine massive Senkung dieser Schäden erreicht werden müsste.
Jetzt wird von Direktor Bigler wieder einmal nach mehr Polizeipräsenz gerufen. Ein kleines Pflästerchen zu Lasten der unterdotierten, überlasteten Polizei und einmal mehr des dummen Steuerzahlers. Nebenbei: Warum steht nicht endlich der Bund der Steuerzahler auf und rebelliert lauthals gegen diese ständige Mehrbelastung zu Gunsten der Gewinne einstreichenden Alkoholindustrie?
Was am besten Abhilfe schaffen würde, hat die Weltgesundheitsorganisation 2010 in ihrer von der Schweizer Regierung mitunterzeichneten Resolution für eine globale Alkoholstrategie vorgegeben: Preisliche Regulation und Einschränkung der Verfügbarkeit, um den Gesamtkonsum zu reduzieren. Das heisst: Alkoholsteuern zahlen und aus Solidarität ein bisschen Bequemlichkeit einbüssen, dafür die Alkoholschäden reduzieren, d.h. Lebensqualität gewinnen, sowie Steuern und Versicherungsprämien sparen. Mit den zusätzlichen Mitteln könnten die staatlichen Alkoholkosten gedeckt und Sport, Kultur und Jugendarbeit massiv unterstützt werden. Sogar das diskutierte Prozent mehr Mehrwertsteuer könnte hinfällig werden. Sogar unsere einheimischen Alkoholproduzenten könnte man für Ausfälle entschädigen. Ein Gewinn für alle. Auch fürs Politiker-Gewissen.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

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Neue Alkohol-Fakten

Mittwoch 14. Mai 2014 von htm

Resveratrol entzaubert.
Ein Team von Wissenschaftern der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hat in einer Langzeitstudie die angeblich gesundheitsfördernde Wirkung von Rosveratrol untersucht. 783 Frauen und Männer zweier Dörfer in einem Weinanbaugebiet der Toskana wurden während 9 Jahren unter die Lupe genommen: Befragungen, Unrinuntersuchungen. Alle Teilnehmer waren zu Beginn älter als 64 Jahre. Nach 9 Jahren waren 34.2% der Teilnehmer tot. Die Wissenschafter konnten bei mässigem Alkoholkonsum keinen Einfluss auf das Todesfallrisiko feststellen. (Quelle: Tages-Anzeiger, 14.5.14)
Kommentar: Rosveratrol war einer der Stoffe, die in der Phase der gehäuften alkoholpositiven Untersuchungen eine wichtige Rolle spielten. Es scheint, dass die Entwicklung der Alkoholwerbung mit ihrem täglichen Lifestylegetöse in allen Medien die “wissenschaftlichen” Untersuchungen durch die Alkoholindustrie unnötig gemacht haben. Parlamente und Regierungen sind heute derart von der Alkohollobby eingenommen, und die Bevölkerung gegen alkoholkritische Fakten immunisiert, dass die Presse sogar solche alkoholkritische Meldungen wieder veröffentlichen darf. Das gilt auch für die nächste Meldung der WHO.

2012 sind gemäss einer Meldung der WHO weltweit mehr als 3 Mio. Menschen durch Alkohol gestorben. Der Konsum von Wein, Bier und Schnaps erhöhe das Risiko von rund 200 Krankheiten, z.B. Krebs. Der schweizerische durchschnittliche Alkoholkonsum entspreche fast dem doppelten Konsum weltweit, sei aber leicht tiefer als der europäische. (Quelle: Tages-Anzeiger, 13.5.14)

Kommentar: Dazu muss man wissen, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung alkoholfrei lebt. Europa ist der Kontinent mit dem höchsten Alkoholkonsum. Bisher ging die WHO von 60 Krankheiten aus, die ursächlich von Alkohol beeinflusst werden. Eine kürzliche Studie in der Schweiz ergab, dass sich die Todesfälle von Frauen wegen Alkohol in den letzten 15 Jahren verdoppelt haben. Diejenigen der Männer blieben auf gleicher Höhe. Diese Entwicklung dürfte anhalten, denn die Jahrgänge der Frauen, die in der Zeit der Alcopopswelle zum Alkohol gefunden hatten, werden die Statistiken und unsere Gesellschaft noch einige Zeit belasten.

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Kommentar zur Abstimmung über die Einwanderungsinitiative im Tages-Anzeiger

Freitag 4. April 2014 von htm

In TV-Kommentaren konnte man hören, dass die Jungwähler, die nicht zur Urne gingen, womöglich den Aussschlag gegeben haben. Studenten demonstrierten später, dabei waren sie es u.a., die nicht zur Urne gingen. Möglicherweise wurde hier ein neues Kapitel im Buch “Politik und Alkohol” geschrieben. Die meisten der Jungwähler, die jedes Wochenende die Partyszene bilden, sind wohl kaum in der Lage, am nächsten Morgen noch abstimmen zu gehen. Auch werden sie wahrscheinlich nicht zu den politisch Interessierten gehören. Inwieweit der exzessive Alkoholgenuss bereits zu einer geistigen Behinderung geführt hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Jedenfalls hat die Gastroindustrie mit ihrer Alkoholisierung der Jugend ein veritables Eigentor geschossen. Und jetzt ruft sie nach einer Sonderbehandlung. Originaltext im Tages-Anzeiger

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Leserbrief betr. Krebsvorsorge

Mittwoch 19. Februar 2014 von htm

Bericht rät von Brustkrebs-Tests ab – und löst damit Empörung aus. Tages-Anzeiger vom 3.2.14 (siehe auch: Bald 40 Prozent mehr Krebserkrankungen, Tages-Anzeiger vom 3.2.14)

Die Aufregung um diesen Bericht beherrscht in den Medien das Thema Krebs und die mögliche Prävention im Allgemeinen. Eine wichtige Verlautbarung der Weltgesundheitsorganisation wird dadurch überdeckt. Sie hat eben, alarmiert durch die wachsenden Schäden durch Krebs, eindringlich gewarnt und mit Nachdruck die Einführung von wirksamen Präventions-Strategien gefordert.

Die oft vergessene Verbindung in Präventionsanstrengungen sei die zwischen Alkohol und Krebs. In Bezug auf Krebs gibt es keine sichere Konsummenge. Die Entdeckung erster schlüssiger Verbindungen zwischen Alkohol und Krebs gehen aufs Jahr 1987 zurück. Heute, 26 Jahre später, sind sich nur 36% der EU-Bürger dieser Verbindung bewusst. Schweizer BürgerInnen wohl noch weniger. Alkoholische Getränke beeinträchtigen den Verdauungsapparat und tragen zur Entstehung von Brust-Krebs bei. Die WHO bringt um 60 verschiedene Krankheiten mit Alkohol in Verbindung.

Da Europa den weltweit stärksten Alkoholkonsum aufweist, einige Länder mit dem 2,5-fachen des globalen Konsum-Durchschnitts, sollte dies zu sofortiger Aktion aufrufen. Der Anteil von Alkohol an einer Reihe von Krebsarten müsste besser beachtet werden. Es braucht vermehrte öffentliche Information, mehr Aufmerksamkeit bei den Gesundheitsberufen und wirksame Massnahmen, um diese Zusammenhänge hervorzuhaben und für Aktionen zu werben, die vermeidbare Krankheiten und Todesfälle vermindern können.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung stellt fest, dass die Ergebnisse von Krebs-Kontrollmassnahmen zeigen, Prävention hat Erfolg, aber Gesundheitsförderung allein wirkt ungenügend. Eine angemessene Gesetzgebung spielt eine wichtige Rolle bei der Verminderung der Exposition und des Risikoverhaltens.
(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu den Unfällen unter Alkoholeinfluss

Montag 11. November 2013 von htm

29.10.2013

Migros Magazin
Postfach
8031 Zürich

per e-mail: redaktion@migrosmagazin.ch

Leserbrief zu „Walliser sind doch nicht alles  Alkoholiker“ vom 28.10.2013

Wenn im Jahr 2012 bei 40 tödlichen Unfällen Alkohol die Hauptrolle spielte, davon gemäss Freysinger bei „unter 20“ im Wallis, so sind das fast die Hälfte. Es wäre doch gut, wenn er sich die anerkannten Statistiken gründlicher ansehen würde.

Dass er abhängig sei, wurde im Interview nicht behauptet. Die von ihm angegebene persönliche Trinkmenge würde diesen Schluss auch nicht zulassen. Seine Abhängigkeit ist wohl mehr gesellschaftlicher Art. Deshalb ist von ihm auch keine nüchterne Analyse zu erwarten.

Von vielen Wallisern muss allerdings davon ausgegangen werden, dass sie chronisch einen hohen Alkoholpegel aufweisen, aus Gewöhnung aber nicht als alkoholisiert auffallen. Dazu kommen noch die vielen Gelegenheiten, bei denen es nicht bei ein, zwei Gläsern bleibt. Bei einem Open Air oder bei vielen andern Festen käme die Polizei gar nicht nach mit Kontrollieren, so lässt sie es wohl ganz bleiben.

Aufklärung sei auf Gymnasiasten beschränkt. Da der Erfolg bei diesen minim ist, wird wohl davon ausgegangen, dass es bei den andern Schülern sowieso hoffnungslos ist. Das dürfte sogar stimmen, denn die gesellschaftliche Wirklichkeit besonders im Wallis widerspricht jeglicher Verhaltensprävention und macht sie zunichte.

Mit freundlichen Grüssen

Hermann T. Meyer
(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief betr. Alkohol am Steuer in der Romandie

Mittwoch 23. Oktober 2013 von htm

21.10.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Wallis hat am meisten Alkoholunfälle“ und „Alkohol am Steuer: Jeder zweite Unfalltote stammt aus der Romandie“ vom 21.10.2013

Dieser Artikel belegt einmal mehr, was man schon lange weiss oder vermutet: Die lateinische Wein- oder Trinkkultur führt zu grösserem Alkoholkonsum und damit zu grösseren Alkoholschäden. Nur will das „ennet“  dem „Promille-Graben“ niemand wahrhaben. Soweit die Bestandesaufnahme auf einer ganzen Seite, samt grossem Cartoon.

Ist es das schon wieder gewesen? Wer deutet denn die Schlussfolgerungen an? Soll bequem auf die Politik gewartet werden, deren nicht-korrupte, ehrliche und gutwillige Kräfte grösstenteils bereits resigniert haben? Der einzige angedeutete Lösungsansatz ist der vermehrt in die Westschweiz abgezweigte Präventionsbetrag der BfU. Dabei weiss man, dass informative Aufklärung praktisch nichts bringt. Besser ist schon die 0,1-Promillegrenze für Neulenker ab 2014. Aber es dauert immer sehr lange, bis ein solcher Schritt rechtskräftig und wirksam wird. Und das Problem betrifft die ganze Gesellschaft.

Auf der andern Seite wird alles versucht, mit Lifestyle-Artikeln und Werbung auf allen Kanälen den Alkoholkonsum anzukurbeln, ihn als selbstverständlich für alle Lebenslagen passend darzustellen. Kein Wunder, dass die jungen Lenker die höchsten Alkohol-Unfallraten (nicht nur) aufweisen, wenn die gesellschaftliche Wirklichkeit allen informativen Aufklärungsbemühungen entgegenwirkt.

Welche Massnahmen erfolgreich wären, sind längst bekannt. Da bräuchte es zum Recherchieren einzig einen des Lesens kundigen Journalisten, die Unterlagen der Weltgesundheitsorganisation und eine unabhängige Redaktion ohne Verpflichtungen zur Alkoholindustrie.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(am 23.10.13 mit leichten Kürzungen, mit Bild veröffentlicht)

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Leserbrief nach dem schändlichen Nationalratsentscheid zum Alkoholgesetz

Sonntag 22. September 2013 von htm

20.09.2013

 

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Schnaps zum Schnäppchenpreis“ am 20.9.13

Nach der radikalen Aufräumaktion im Nationalrat zum neuen Alkoholgesetz herrscht Konsternation im Lager der Präventionsfachleute. Allerdings – überraschend kommt dieser Ausgang nicht. Seit Jahren muss festgestellt werden, dass

–       Der Nationalrat von der Mitte (mit wenigen Ausnahmen) bis zur Rechten sich vom Gewerbeverband und von economiesuisse gängeln lässt;

–       Dieses mehrheitsfähige Lager als Ausrede die Mär von der Selbstverantwortung vorschiebt, die auch mit 2000-jähriger christlicher Tradition nicht funktioniert;

–       Die Wirtschaft immer noch nicht begriffen hat, dass sie auf der falschen Seite steht und mit ihrer Haltung sich selber schädigt: Ca 5% der Personalkosten sind alkoholbedingt. Wenn es um Sozialabgaben geht, wird um Promille gestritten. Jeder Franken, der nicht für Alkoholika ausgegeben wird, bleibt der Wirtschaft in andern Branchen erhalten oder wird gespart und von den Banken in die Wirtschaft gepumpt. ( Falls sie nicht damit spekulieren.)

–       Die Medien diese Haltung weitgehend unterstützen und damit ihrer Aufgabe als demokratische Diskussionsplattform nicht gerecht werden; sie recherchieren und informieren nicht wahrheitsgemäss, lückenhaft, oder manipulieren durch fehlende Information, und sie werben dauernd mit mehr oder weniger sachlichen Artikeln für einen von Alkohol geprägten Lebensstil;

–       Der minime Konsumrückgang von 1 dl reinem Alkohol pro Kopf und Jahr als genügender Rückgang des Alkoholproblems dargestellt wird, wobei verschwiegen wird, welche Probleme in der Zeit neu entstanden oder verschlimmert wurden und gelöst werden sollten (z.B. von den über 100‘000 Kindern in alkoholbelasteten Familien spricht kaum jemand);

–       Das Alkoholproblem nur als Jugendalkoholismus wahrgenommen wird, dabei ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem, unser grösstes sozialmedizinisches Problem, das uns alle teuer zu stehen kommt, finanziell und an Lebensqualität;

–       Seit der Liberalisierung der Gastwirtschaftsgesetze anfangs der 90er Jahre laufend präventive Massnahmen abgebaut wurden (Ausnahmen: 0,5 Promille-Gesetz im Strassenverkehr mit grossem Erfolg, aber nach jahrzehntelangem Kampf, der viele „unnötige“ Tote und Verletzte forderte – und die Alcopop-Steuer, die teilweise Erfolg hatte aber mangels flankierender Massnahmen und dank gesenkter Schnapssteuern den Jugendalkoholismus erst richtig in Schwung brachte);

–       Beim Alkohol die Mehrheit unserer Volksvertreter nicht, wie von ihrem Amtseid verlangt, das Wohl des Volkes vertreten und verwalten, sondern nur das der Alkoholindustrie und deren Lobbies.

Leider muss ich Petra Baumberger beipflichten, dieses Gesetz wäre eine Verschlimmbesserung, eine Schande für unser Land. Dass ein Suva-Statistiker sich zur Wirksamkeit einer eventuellen Erhöhung von Alkoholpreisen ungläubig äussert, ist seine Sache. (Die Suva hat(te?) kompetentere Fachleute.) Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache, sowohl in der Schweiz (z.B. Schnapssteuersenkung, Alcopopsteuer-Einführung, Tabaksteuern) wie im Ausland (z.B. Weltgesundheitsorganisation, Schweden vor und nach EU-Beitritt).

Wahrscheinlich liegt der Schlüssel bei der Wirtschaft. Sie bejammert das Fehlen von brauchbaren Lehrlingen und will sie aus dem Ausland importieren. Sie merkt nicht, dass ein Zusammenhang mit den allwöchentlichen Saufgelagen eines beträchtlichen Teils der jungen Generation bestehen könnte. Sie ist auch nicht bereit, über alternative Modelle nachzudenken, wie der einheimischen Alkoholbranche eine Präventivkultur verkauft werden könnte, bei der sie sogar profitieren würde: Eine Lenkungsabgabe, bei der alle profitieren könnten.
(Nur am Rande bemerkt: Dass die Kirchen, die Schule, die Alkoholfachleute, die Polizei, die Justiz, die Ärzteschaft, die Sozialämter …. öffentlich praktisch stumm bleiben, ist ein weiteres Trauerspiel.)

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu “informative Präventionskampagnen bringen nichts”

Montag 5. August 2013 von htm

30.07.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Fast alle Rekruten trinken – und kennen die Risiken“ am 30.7.13

Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Heulen wäre. Die Schweizer Wissenschaft hat herausgefunden, dass auf Information basierende Kampagnen keinen merklichen Konsumrückgang beim Alkohol bringen. Das wissen wir doch schon seit Jahrzehnten, obwohl uns die Regierungen von Bund und Kantonen immer wieder mit millionenschweren Kampagnen beglückten, nur um keine wirksamen Massnahmen ergreifen zu müssen. Der eben wieder veröffentlichte Konsum-Rückgang von einem Deziliter reinen Alkohols im letzten Jahr  zeigt einmal mehr, dass die laufenden üblichen Präventionskampagnen gerade genügen, um die Alkohol-Werbefeldzüge zu neutralisieren. Von einem spürbaren Rückgang, der sich positiv auf die Gesellschaft auswirken würde, keine Rede.

Die Schlussbemerkung in der SDA-Agenturmeldung ist aber geradezu komisch. Die Wissenschafter hätten sich nicht damit befasst herauszufinden, welche Massnahmen einen Konsumrückgang bewirken würden. Dafür braucht es nun wirklich keine Untersuchungen mehr. Die sind vor Jahren schon weltweit gemacht und diskutiert worden und die WHO hat die Ergebnisse den Mitgliedsländern zur Anwendung empfohlen. Die Schweiz hat diese Resolution für eine globale Alkoholstrategie im Mai  2010 mitunterzeichnet und anschliessend in den Schubladen versenkt. Die Bevölkerung wurde darüber praktisch nicht informiert.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon
(Leicht gekürzt am 5.8.13 veröffentlicht)

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Leserbrief betr. häusliche Gewalt und Alkohol

Freitag 24. Mai 2013 von htm

22.05.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Sie sind randvoll, wenn „es“ passiert“ am 22.5.13

Bei fast jedem zweiten Fall von häuslicher Gewalt ist Alkohol im Spiel. Aber 70% der Täter geben an, bei ihnen gäbe es kein Alkoholproblem. Im ganzen Artikel fällt kein Wort zu den in diesen Familien lebenden Kindern. Sie sind die eigentlichen Opfer. Sie können sich nicht wehren, können nicht davonlaufen. Allein in der Schweiz gibt es deren über 100‘000. Es soll jetzt ein 24-Std. Notruf eingerichtet werden. Kostenpunkt bis zu drei Millionen Franken. Prävention soll es ab 2014 geben. Vielleicht wieder einmal eine schöne, nichts bringende, teure Plakatkampagne?

Bei den Kindern der Landstrasse und bei den Verdingkindern hat sich der Bundesrat für frühere Generationen entschuldigt. Die riesige Not der Millionen von Kindern nur schon der letzten 100 Jahre lässt ihn kalt. Er müsste ja selber eine charakterliche Kehrtwende vollbringen, wirksame Massnahmen einleiten, und dafür fehlt ihm der Mut.

Die Eisenbahner wehren sich, die Polizeigewerkschaften, das Spitalpersonal; das Hooliganproblem wird seit Jahren hin- und hergeschoben. Die Gewaltbereitschaft junger Männer im Ausgang hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. (TA 19.2.13) Seit 2001 hat sich die Zahl der Rettungseinsätze wegen Komatrinken und Flatratesaufen in Zürich von unter 25-Jährigen verdoppelt.(TA 2.2.13) Die Milliarden Franken Sozialkosten steigen laufend. usw. Nichts Wirksames passiert, denn der Bundesrat hält es nicht für nötig, auf die Schäden zu schauen. Er verweist auf den 20-prozentigen Konsumrückgang bei alkoholischen Getränken innert 20 Jahren. Mehr darf der Alkoholindustrie nicht zugemutet werden. Er schlägt auch die dringenden Ermahnungen und Vorschläge der WHO in den Wind und verhindert, dass die Bevölkerung davon erfährt. (WHO-Resolution für eine globale Alkohol-Strategie, Mai 2010)

Dafür wird laufend weiter liberalisiert. Das neue Spirituosengesetz führt dazu, dass die Schnapssteuern massiv sinken (gegen 50%) und den Gewinn-Anteil der AHV und den der Kantone für den Alkoholzehntel schmerzhaft reduzieren werden. (TA 8.5.13) Aus dem Alkoholzehntel werden Massnahmen in Prävention und Rehabilitation finanziert. Muss nun der Steuerzahler oder der Konsument mit der Mehrwertsteuer dafür herhalten?

Jetzt hat der Bundesrat anlässlich der Eröffnung der Generalversammlung der WHO in Genf die WHO dringend aufgerufen, den Worten Taten folgen zu lassen. – Bei der Bekämpfung der nichtübertragbaren Krankheiten. Ob er den Witz bemerkt hat? Zu den bedeutendsten nichtübertragbaren Krankheiten zählen die alkoholbedingten. Die WHO nennt um die 60!. Den andern Lehren erteilen und selber das Gegenteil tun? Er kann es sich leisten, denn die Medien klären die Bevölkerung ja nicht auf und die Parlamentsmehrheit ist noch wirtschaftsabhängiger als er selber.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

PS

Dies ist seit Sommer 2012 der sechste Leserbrief, die fünf vorherigen wurden nicht veröffentlicht. Verlagsorder? Ihr Ombudsmann hat keine Erklärung.

(am 24.5.13 mit Kürzungen veröffentlicht)

 

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