www.alkoholpolitik.ch

Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Sozialkosten'

Komatrinker sollen zur Kasse gebeten werden

Montag 7. Juli 2014 von htm

Mein Online-Kommentar zum Artikel auf www.watson.ch am 6.7.14

Kontrabass 06.07.2014 18:38
Aus WHO-Kreisen kommt der Satz, wir seien alle Passivtrinker, weil wir ungefragt (neben dem Leid) ein Leben lang die alkoholbedingten Sozialkosten mittragen. Also eine ungewollte Solidarität. Wir hätten es in der Hand, mit echter Solidarität diese Schäden zu senken, wenn Parlament und Stimmvolk bereit wären, den Alkoholkonsum mittels wirksamer Prävention zu reduzieren.
Leider sind sowohl Parlament wie Stimmvolk derart in der Hand der Alkoholindustrie, dass kaum Besserung möglich sein wird. Das Drama der gegenwärtigen Revision des Alkoholgesetzes ist dafür der deutliche Beweis.

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholsteuern, Allgemein, Gesundheit, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Leserbriefe, Medien, Neues Alkoholgesetz (CH), Passivtrinker, Politik, Preisgestaltung, Schweiz, Sozialkosten, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Weltgesundheits-Org. | Keine Kommentare »

Leserbrief zum Alkohol-Werbeverbot in der Türkei

Donnerstag 19. Juni 2014 von htm

14.06.2014
Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Beizen ohne Bierwerbung“ am 12.06.14 im Tages-Anzeiger, Kehrseite, nicht online.
Seit einem Jahr ist in der Türkei Alkoholwerbung rigoros verboten. Und siehe da! Was unsere Alkohol- und Werbeindustrie stets verleugnet, wenn Alkoholwerbung ein Thema ist, der Bierkonsum ist in dieser Zeit um 12% zurückgegangen, und der grösste Bierproduzent hat Anfang April bereits ein Werk in Westanatolien geschlossen.

Man müsste nun untersuchen, ob eine Konsumverlagerung auf andere alkoholische Getränke im gleichen Umfang stattgefunden hat. Aber auf alle Fälle ist dieses Ergebnis sehr bemerkenswert. Leider pflegt die Mehrzahl unserer Politiker Untersuchungen und Erfahrungen im Ausland bei ihrer Meinungsbildung nicht zu berücksichtigen, so dass wir wohl weiterhin auf wirksame Massnahmen im Kampf gegen unsere Alkoholprobleme warten müssen. Der Bundesrat meint ja immer noch, es brauche diese nicht, weil der Konsum leicht rückläufig sei. Dass der risikohafte und der krankmachende Konsum steigen, was die Schäden steigen lässt, das ist ihm egal.

In unsern Presseerzeugnissen werden bereits die ersten Oktoberfeste angekündigt. An der Fussball-WM ist Budweiser-Bier in den Stadien; ein wichtiger Sponsor, der sogar die brasilianische Regierung dazu gebracht hat, ein bestehendes Gesetz umzustossen, das ein Alkoholverbot in den Stadien vorsah. Damit ist auch bei uns übers Fernsehen für viel Alkoholwerbung gesorgt. Also weiterhin die Profite den Alkoholmultis und die alkoholbedingten Sozialkosten und das damit verbundene Leid für die Bevölkerung.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon
(mit leichten Kürzungen am 20.6.14 veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Entwicklungs- und Schwellenländer, Feste und Feiern, Gesundheit, Internationales, Jugend, Leserbriefe, Medien, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Schweiz, Sozialkosten, Sport, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Werbung | Keine Kommentare »

Leserbrief zu: Alkohol fördert Gewalt im öffentlichen Raum

Donnerstag 5. Juni 2014 von htm

30.05.2014
Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Alkohol fördert Gewalt im öffentlichen Raum“ am 28.5.14 im Tages-Anzeiger.
Diese neue Studie ist recht detailliert und bringt die alte Tatsache wieder aufs Tapet, dass die Hälfte der Straftaten Jugendlicher unter Alkoholeinfluss erfolgen. Selbstverständlich reagiert Gewerbeverbands-Direktor Bigler sehr ungehalten und bekämpft jede Beschränkung des Alkoholverkaufs. Er wird im Nationalrat wahrscheinlich die nötige Unterstützung finden, um auch die sehr gemässigten Präventionsvorschläge des Bundesrates abzuweisen. Nicht umsonst sind die gleichen Parlamentarier gegen eine Offenlegung der Parteispenden.
Das Hauptproblem in diesem Zusammenhang ist die immer wieder tröpfchenweise an die Öffentlichkeit weitergegebenen Meldungen über spezielle Typen von Alkoholschäden. So können einzelne Zielgruppen anvisiert und verantwortlich gemacht werden. Einmal sind es die jugendlichen Kriminellen, dann die Hooligans, die alkoholisierten Fahrer, die Kinder in alkoholbelasteten Familien, häusliche Gewalt, Scheidungen, sexuelle Gewalt, Gewalt vor Partylokalen, Alkohol am Arbeitsplatz, in der Politik, Komatrinken und Flatratesaufen, als Krankheit und Krankheiten-Verursacher, usw. Eine Gesamtschau fehlt, um die immense Grösse unseres Problems mit der gefährlichsten Droge erkennbar zu machen. (Gefährlichste Droge, wenn die gesellschaftliche Relevanz mitberücksichtigt wird.) Dann würde auch der Normalbürger und die Normal-Bürgerin verstehen, dass dringend Handlungsbedarf besteht und dass die ganze Gesellschaft mitverantwortlich ist und gemeinsam eine massive Senkung dieser Schäden erreicht werden müsste.
Jetzt wird von Direktor Bigler wieder einmal nach mehr Polizeipräsenz gerufen. Ein kleines Pflästerchen zu Lasten der unterdotierten, überlasteten Polizei und einmal mehr des dummen Steuerzahlers. Nebenbei: Warum steht nicht endlich der Bund der Steuerzahler auf und rebelliert lauthals gegen diese ständige Mehrbelastung zu Gunsten der Gewinne einstreichenden Alkoholindustrie?
Was am besten Abhilfe schaffen würde, hat die Weltgesundheitsorganisation 2010 in ihrer von der Schweizer Regierung mitunterzeichneten Resolution für eine globale Alkoholstrategie vorgegeben: Preisliche Regulation und Einschränkung der Verfügbarkeit, um den Gesamtkonsum zu reduzieren. Das heisst: Alkoholsteuern zahlen und aus Solidarität ein bisschen Bequemlichkeit einbüssen, dafür die Alkoholschäden reduzieren, d.h. Lebensqualität gewinnen, sowie Steuern und Versicherungsprämien sparen. Mit den zusätzlichen Mitteln könnten die staatlichen Alkoholkosten gedeckt und Sport, Kultur und Jugendarbeit massiv unterstützt werden. Sogar das diskutierte Prozent mehr Mehrwertsteuer könnte hinfällig werden. Sogar unsere einheimischen Alkoholproduzenten könnte man für Ausfälle entschädigen. Ein Gewinn für alle. Auch fürs Politiker-Gewissen.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Alkoholsteuern, Allgemein, Arbeitsplatz, Erhältlichkeit, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Kinder, Leserbriefe, Neues Alkoholgesetz (CH), Nichtübertragbare Krankheiten, Politik, Schweiz, Sozialkosten, Sport, Statistik, Verhältnis-Präv., Verkehr, Veröffentlichungen, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie | Keine Kommentare »

Leserbrief zu Jugend und Alkohol im Sport

Donnerstag 5. Juni 2014 von htm

21.05.2014

info@winterthurer-zeitung.ch

Leserbrief betr. „Gefährliche Sicherheitslücke“ am 21.5.14
Daniel Frei, Präsident Dachverband Winterthurer Sport, behauptet, Sport sei die beste und günstigste Suchtprävention. Da ich vermute, dass er auch gelegentlich an Turnfesten dabei ist, sollten ihm eigentlich die Saufgelage im Festzelt auch bekannt sein. Nicht umsonst übersetzten wir früher die 4 F auf der Turnerfahne mit frisch, fromm, fröhlich, f(v)oll.
Vielleicht interessiert ihn das Thema wirklich, dann sollten ihm auch die wissenschaftlichen Untersuchungen über Jugend und Alkohol im Sport bekannt sein. (Bei Sucht-Schweiz und im Bundesamt für Gesundheit erhältlich) Sie zeigen, dass gerade die grossen Mannschaftssportarten die Jugendlichen zum Alkohol führen. Genau die, welche nicht auf Alkoholwerbung verzichten wollen.
Als der Turnverein-Delegierte an unserer Männerriegen-GV Werbung für ein Nein zu dieser Initiative machte, erwiderte ich, wer in die Jugend investieren wolle, müsse Ja stimmen. Leider meinen viele, die gelegentlich ein Bier trinken, sie müssten mit dieser Industrie solidarisch sein. Sie verstehen nicht, dass sie mit ihrer verharmlosenden Haltung zur Erhaltung von viel Elend und zu riesigen finanziellen Schäden beitragen, welch letztere sie ungewollt mittragen müssen. Nur ein Beispiel zum Elend: In der Schweiz allein leben über 100‘000 Kinder und Jugendliche in alkoholbelasteten Familien. Das ist die Einwohnerzahl von Winterthur. Viele machen die Hölle durch und haben schlechte Zukunftschancen.
Im Internet auf www.alkoholpolitik.ch gibt es seit 2004 eine Projekt-Idee, die zeigt, wie das Alkohol-Sponsoring bei Sport und Kultur abgelöst werden könnte und wie wirkliche Prävention aussieht. Herr Frei, Doris Steiner und die Dachverbände im Sport sollten einmal zusammensitzen und überlegen, wie diese Idee zu verwirklichen wäre. Sie würden unserer Jugend und unserer Gesellschaft einen riesigen Dienst leisten und hätten dann echten Grund zur Freude.
(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholsteuern, Allgemein, Feste und Feiern, Gesundheit, Jugend, Jugendliche, Kinder, Leserbriefe, Medien, Politik, Reklame, Sozialkosten, Sport, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Werbung | Keine Kommentare »

Kommentar betr. Rotwein sei doch nicht gesund

Donnerstag 15. Mai 2014 von htm

Kommentar im Tages-Anzeiger Online vom 14.5.14 zu “Die Mär vom gesunden Wein”
Die meisten Alkoholkonsumenten fühlen sich durch solche Meldungen angegriffen und suchen nach Gegenargumenten. Nur wer in seiner Familie oder im Umfeld persönlich durch Alkoholprobleme betroffen ist, macht sich ernsthaft Gedanken. Viele realisieren nicht, dass sie von der Alkoholindustrie gegängelt werden: Sie zahlen ein Leben lang ungefragt hohe alkoholbedingte Sozialkosten via Steuern und Versicherungsprämien, die durch lächerlich tiefe Alkoholsteuern bei weitem nicht kompensiert werden. Ganz abgesehen vom täglichen Leid, das durch Alkohol verursacht wird.Sie werden täglich in den Medien durch verharmlosende Alkoholwerbung weiter auf Alkoholkonsum getrimmt und kommt einmal eine Schreckensmeldung, ist die Meinung schnell gefasst, man kann ja doch nichts machen. Die WHO weiss was.
(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Gesundheit, Leserbriefe, Medien, Medizin, Senioren, Sozialkosten, Veröffentlichungen, Weltgesundheits-Org., Werbung, WHO globale Alkohol-Strategie | Keine Kommentare »

Neue Alkohol-Fakten

Mittwoch 14. Mai 2014 von htm

Resveratrol entzaubert.
Ein Team von Wissenschaftern der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hat in einer Langzeitstudie die angeblich gesundheitsfördernde Wirkung von Rosveratrol untersucht. 783 Frauen und Männer zweier Dörfer in einem Weinanbaugebiet der Toskana wurden während 9 Jahren unter die Lupe genommen: Befragungen, Unrinuntersuchungen. Alle Teilnehmer waren zu Beginn älter als 64 Jahre. Nach 9 Jahren waren 34.2% der Teilnehmer tot. Die Wissenschafter konnten bei mässigem Alkoholkonsum keinen Einfluss auf das Todesfallrisiko feststellen. (Quelle: Tages-Anzeiger, 14.5.14)
Kommentar: Rosveratrol war einer der Stoffe, die in der Phase der gehäuften alkoholpositiven Untersuchungen eine wichtige Rolle spielten. Es scheint, dass die Entwicklung der Alkoholwerbung mit ihrem täglichen Lifestylegetöse in allen Medien die “wissenschaftlichen” Untersuchungen durch die Alkoholindustrie unnötig gemacht haben. Parlamente und Regierungen sind heute derart von der Alkohollobby eingenommen, und die Bevölkerung gegen alkoholkritische Fakten immunisiert, dass die Presse sogar solche alkoholkritische Meldungen wieder veröffentlichen darf. Das gilt auch für die nächste Meldung der WHO.

2012 sind gemäss einer Meldung der WHO weltweit mehr als 3 Mio. Menschen durch Alkohol gestorben. Der Konsum von Wein, Bier und Schnaps erhöhe das Risiko von rund 200 Krankheiten, z.B. Krebs. Der schweizerische durchschnittliche Alkoholkonsum entspreche fast dem doppelten Konsum weltweit, sei aber leicht tiefer als der europäische. (Quelle: Tages-Anzeiger, 13.5.14)

Kommentar: Dazu muss man wissen, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung alkoholfrei lebt. Europa ist der Kontinent mit dem höchsten Alkoholkonsum. Bisher ging die WHO von 60 Krankheiten aus, die ursächlich von Alkohol beeinflusst werden. Eine kürzliche Studie in der Schweiz ergab, dass sich die Todesfälle von Frauen wegen Alkohol in den letzten 15 Jahren verdoppelt haben. Diejenigen der Männer blieben auf gleicher Höhe. Diese Entwicklung dürfte anhalten, denn die Jahrgänge der Frauen, die in der Zeit der Alcopopswelle zum Alkohol gefunden hatten, werden die Statistiken und unsere Gesellschaft noch einige Zeit belasten.

Kategorie: Alcopops (de), Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Alkoholsteuern, Allgemein, Alter, Gesundheit, Internationales, Medien, Medizin, Meine Blogs, Politik, Schweiz, Senioren, Sozialkosten, Statistik, Verhältnis-Präv., Weltgesundheits-Org., Werbung, WHO globale Alkohol-Strategie | Keine Kommentare »

Der Umgang mit Alkohol beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Freitag 18. Oktober 2013 von htm

Es gibt bald keine Sendung mehr, in der nicht alkoholfreundlich berichtet oder gar Alkohol konsumiert wird. Nun hat sogar unsere Boulevard-Presse deshalb reagiert.
Als vor einer Woche der “Club” über die Rolle der Medien diskutiert hatte, monierte ich die Schönfärberei, dass beim Thema Alkohol weder ausgewogen recherchiert berichtet werde, noch ausgleichend die Prävention zum Zuge komme. Meine Intervention wurde mit allgemeinen Floskeln zurückgewiesen.

Nachfolgend meine Intervention beim SRF: (25.9.13)

Sehr geehrtes Clubteam,

Die sehr beschwichtigenden Beiträge von Herrn de Weck oder Iwan Rickenbacher mögen auf viele Themen zutreffen. Bei einem
Thema, wo wirtschaftliche Interessen mitspielen, z.B. beim Thema Alkoholpolitik sind ihre Äusserungen reine Schönfärberei. Weder beim SRF noch beim Tages-Anzeiger wurde in den letzten Jahren ein wirklich recherchierter, lösungsorientierter Beitrag gebracht, der dem Publikum ermöglicht hätte, die Tragweite des Problems und die Möglichkeiten von sinnvollen Massnahmen zu dessen Linderung aufzuzeigen. Auch im Hinblick auf die aufende Parlamentsdebatte wurde die Pflicht zur objektiven Information
nicht wahrgenommen. Die Macht der Medien wird hier durch Nichtinformation wieder einmal voll ausgenützt. Zum Wohl der
Alkoholindustrie und nicht des Volkes. Die Folgen addieren sich laufend, seit über hundert Jahren. Dass Herr de Weck am Schluss noch einen Wein-Vergleich anführen musste, war noch die Krönung einer Sendung, die den Bock zum Gärtner gemacht hat.

Ich musste mich schon mehrmals in ähnlicher Weise äussern. Geändert hat sich nichts.

Bitte leiten Sie dieses Mail an die Teilnehmer der Runde
weiter. Besten Dank.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
————————————–
Antwort vom SRF: (26.9.13)

Sehr geehrter Herr Meyer
Besten Dank für Ihr Mail. Die Tagesanzeiger-Berichterstattung zum Thema Alkoholpolitik habe ich zu wenig detailliert verfolgt, um urteilen zu können. Bei SRF wurden zahlreiche Sendung (z.B. diverse CLUB-Sendungen zu Alkoholmissbrauch und Sucht ausgestrahlt) zudem berichteten die tagesaktuellen Formate korrekt und umfassend zur laufenden Parlamentsdebatte. Das Thema wurde also sowohl inhaltlich wie auch betr. der politischen Debatte abgedeckt. Abgesehen von Roger de Wecks Bemerkung ist uns nicht ersichtlich, welche Informationen dem Publikum von Seiten der SRG vorenthalten worden sein sollen.

Freundliche Grüsse

Andrea Christener

———————————————-

Meine Replik: (26.9.13)

Sehr geehrte Frau Christener,

Besten Dank für Ihre Antwort. Oberflächlich betrachtet mögen Sie recht haben. Genau besehen gibt es deutliche Defizite. Die normale Kurzberichterstattung bei Tagesschau und 10 vor 10 entspricht etwa einer Kurzmeldung in einer Zeitung. Wenn Fachleute beigezogen und interviewt werden, sieht es so aus, dass der Vertreter der Wirtschaft wesentlich mehr Zeit erhält als z.B. die Vertreterin von Sucht Schweiz. Das Hauptproblem ist aber, dass von der Redaktion/Moderation nicht kritisch nachgefragt wird. Einen kritischen, recherchierten Rundschau-Bericht hat es noch nie gegeben. Dafür laufend immer wieder alkoholfreundliche unkritische Beiträge. Die bedeutendste Auslassung der letzten Jahre war die Nichtberichterstattung über die Generalversammlung der WHO in Genf im Mai 2010. Dort wurde einstimmig mit 193 Stimmen (Schweiz inkl.) eine lange vorbereitete Resolution für eine globale Alkoholstrategie verabschiedet. Die Schweizer Medienlandschaft boykottierte sie weitgehend. Das SRF meines Wissens (ich kann allerdings nicht alles sehen) auch. In dieser Strategie werden Empfehlungen aufgelistet, nach Massgabe ihrer Effektivität. Das durfte die Bevölkerung offensichtlich nicht erfahren. Denn immer soll der Eindruck entstehen, man kann ja doch nichts machen! Wurde bei SRF während der Tankstellen-Initiative je darauf aufmerksam gemacht, dass es in erster Linie um uneingeschränkten Alkoholverkauf und nicht um Bratwürste ging?
Auch der Club hat noch kaum je eine richtige Alkohol-Präventions-Diskussion geführt. Ich kann mich nur an Themen erinnern, die sich mit Rehabilitation befassten.

Vielleicht verfolgen Sie in Zukunft die Sendungen zu diesem Thema etwas genauer. Es würde mich schon interessieren, ob Sie neue Erkenntnisse gewinnen würden.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
—————————————-
Nochmals nachgehakt: (13.10.13)

Sehr geehrte Frau Christener,

Verzeihen Sie mir, dass ich nach meiner letzten Meinungsäusserung nochmals auf das Thema zurückkomme. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Mir fällt jedenfalls in letzter Zeit auf, dass kaum eine Sendung, die ich ansehe,  ohne Alkoholwerbung vergeht. Die Weinlese in  verschiedenen Kantonen ist ein ständiges Thema, heute bei Reporter kam ein Whisky-Exporteur dran, ich muss schon sagen, da ist eine gewaltige Lobbymit Erfolg am Werk. Von alkoholpräventiven Sendungen weit und breit keine Spur. Dabei gäbe es brisante Fragestellungen zu recherchieren, z.B. einen möglichen Einfluss des Trinkverhaltens beim Strafvollzug in der Romandie.

Freundliche Grüsse
Hermann Meyer

 

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Kultur, Medien, Meine Blogs, Neues Alkoholgesetz (CH), Prominenz, Religion und Alkohol, Schweiz, Sozialkosten, Verbraucherschutz, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Weltgesundheits-Org., Werbung, WHO globale Alkohol-Strategie, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Leserbrief nach dem schändlichen Nationalratsentscheid zum Alkoholgesetz

Sonntag 22. September 2013 von htm

20.09.2013

 

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Schnaps zum Schnäppchenpreis“ am 20.9.13

Nach der radikalen Aufräumaktion im Nationalrat zum neuen Alkoholgesetz herrscht Konsternation im Lager der Präventionsfachleute. Allerdings – überraschend kommt dieser Ausgang nicht. Seit Jahren muss festgestellt werden, dass

-       Der Nationalrat von der Mitte (mit wenigen Ausnahmen) bis zur Rechten sich vom Gewerbeverband und von economiesuisse gängeln lässt;

-       Dieses mehrheitsfähige Lager als Ausrede die Mär von der Selbstverantwortung vorschiebt, die auch mit 2000-jähriger christlicher Tradition nicht funktioniert;

-       Die Wirtschaft immer noch nicht begriffen hat, dass sie auf der falschen Seite steht und mit ihrer Haltung sich selber schädigt: Ca 5% der Personalkosten sind alkoholbedingt. Wenn es um Sozialabgaben geht, wird um Promille gestritten. Jeder Franken, der nicht für Alkoholika ausgegeben wird, bleibt der Wirtschaft in andern Branchen erhalten oder wird gespart und von den Banken in die Wirtschaft gepumpt. ( Falls sie nicht damit spekulieren.)

-       Die Medien diese Haltung weitgehend unterstützen und damit ihrer Aufgabe als demokratische Diskussionsplattform nicht gerecht werden; sie recherchieren und informieren nicht wahrheitsgemäss, lückenhaft, oder manipulieren durch fehlende Information, und sie werben dauernd mit mehr oder weniger sachlichen Artikeln für einen von Alkohol geprägten Lebensstil;

-       Der minime Konsumrückgang von 1 dl reinem Alkohol pro Kopf und Jahr als genügender Rückgang des Alkoholproblems dargestellt wird, wobei verschwiegen wird, welche Probleme in der Zeit neu entstanden oder verschlimmert wurden und gelöst werden sollten (z.B. von den über 100‘000 Kindern in alkoholbelasteten Familien spricht kaum jemand);

-       Das Alkoholproblem nur als Jugendalkoholismus wahrgenommen wird, dabei ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem, unser grösstes sozialmedizinisches Problem, das uns alle teuer zu stehen kommt, finanziell und an Lebensqualität;

-       Seit der Liberalisierung der Gastwirtschaftsgesetze anfangs der 90er Jahre laufend präventive Massnahmen abgebaut wurden (Ausnahmen: 0,5 Promille-Gesetz im Strassenverkehr mit grossem Erfolg, aber nach jahrzehntelangem Kampf, der viele „unnötige“ Tote und Verletzte forderte – und die Alcopop-Steuer, die teilweise Erfolg hatte aber mangels flankierender Massnahmen und dank gesenkter Schnapssteuern den Jugendalkoholismus erst richtig in Schwung brachte);

-       Beim Alkohol die Mehrheit unserer Volksvertreter nicht, wie von ihrem Amtseid verlangt, das Wohl des Volkes vertreten und verwalten, sondern nur das der Alkoholindustrie und deren Lobbies.

Leider muss ich Petra Baumberger beipflichten, dieses Gesetz wäre eine Verschlimmbesserung, eine Schande für unser Land. Dass ein Suva-Statistiker sich zur Wirksamkeit einer eventuellen Erhöhung von Alkoholpreisen ungläubig äussert, ist seine Sache. (Die Suva hat(te?) kompetentere Fachleute.) Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache, sowohl in der Schweiz (z.B. Schnapssteuersenkung, Alcopopsteuer-Einführung, Tabaksteuern) wie im Ausland (z.B. Weltgesundheitsorganisation, Schweden vor und nach EU-Beitritt).

Wahrscheinlich liegt der Schlüssel bei der Wirtschaft. Sie bejammert das Fehlen von brauchbaren Lehrlingen und will sie aus dem Ausland importieren. Sie merkt nicht, dass ein Zusammenhang mit den allwöchentlichen Saufgelagen eines beträchtlichen Teils der jungen Generation bestehen könnte. Sie ist auch nicht bereit, über alternative Modelle nachzudenken, wie der einheimischen Alkoholbranche eine Präventivkultur verkauft werden könnte, bei der sie sogar profitieren würde: Eine Lenkungsabgabe, bei der alle profitieren könnten.
(Nur am Rande bemerkt: Dass die Kirchen, die Schule, die Alkoholfachleute, die Polizei, die Justiz, die Ärzteschaft, die Sozialämter …. öffentlich praktisch stumm bleiben, ist ein weiteres Trauerspiel.)

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Allgemein, Erhältlichkeit, Gesundheit, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Konsumhaltung, Kultur, Leserbriefe, Medien, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Religion und Alkohol, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, TOP NEWS, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Weltgesundheits-Org., Werbung | Keine Kommentare »

Leserbrief vor der Nationalratsdebatte zum neuen Alkoholgesetz

Sonntag 22. September 2013 von htm

17.09.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu “Das Alkoholproblem” vom 16.9.2013

Ein Luzerner Sicherheitsbericht, die Forderungen des neuen Städteverbandspräsidenten, Kurt Fluri,
nach einer Verkaufsbeschränkung für Alkohol und eine Wiedereinführung der Polizeistunde, sowie
eine Umfrage des Instituts für Markt- und Meinungsforschung, Isopublic, zum Nachtverkaufsverbot
haben Anlass zu einer Gute Nachtgeschichte gegeben.

Wie bei einer Glosse nicht anders zu erwarten, ist unter dem anspruchsvollen Titel .Das
Alkoholproblem” keine sachliche Auseinandersetzung mit diesem vielschichtigen Thema
herausgekommen, im Gegenteil: Vor der Behandlung im Nationalrat am Mittwoch wurde noch schnell
ein Sperrfeuer gelegt, damit die Parlamentarierinnen möglichst weiter verunsichert werden. Dabei ist
dem Autor auch noch der Lapsus passiert, dass er die erstaunliche Tatsache, dass die Romands in
der Umfrage mit 64% dieses nächtliche Verkaufsverbot befürworten, als Befürwortung des Verkaufs
erwähnte, obwohl in der Internet-Ausgabe des Tages-Anzeiger die richtige Feststellung noch
hervorgehoben worden war. Die Print-Ausgabe brachte diese Erhebung mit keinem Wort. Auf eine
verspätete Richtigstellung darf man noch hoffen.

Tatsache ist, dass in vielen Studien und international in der Fachwelt anerkannt, die Preise am
meisten den Alkoholkonsum beeinflussen (Supermarkt mit Aktionen, Happy Hours), die Erhältlichkeit
ebenfalls wirksam ist (Öffnungszeiten von Läden und Gaststätten, gesetzliches Mindestalter) und dass
in der näheren Umgebung von Nachtclubs am meisten alkoholbedingte Gewalt, Lärm und Littering
polizeilich festgehalten wird. Die Kosten, finanziell und in Lebensqualität, zahlen wir alle.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholsteuern, Allgemein, Erhältlichkeit, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Leserbriefe, Medien, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Schweiz, Sozialkosten, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Leserbrief zu Analyse-Artikel im Tages-Anzeiger betr. Nachtverkaufsverbot

Donnerstag 29. August 2013 von htm

18.08.2013
 

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Jedem sein Bier“ vom 17.08.13

Nach „Prost den Gesundheitsfanatikern“ am 2.8.13 bringt Michèle Binswanger an gleicher Stelle einen ähnlich abstrusen Artikel, der nur dazu da scheint, die Leser zu verwirren. Zuerst werden präventive Untersuchungen lächerlich gemacht, dann werden Berichte über sachfremde Begebenheiten als Beweise aufgeführt, dass Selbstverantwortung besser als erwiesenermassen wirksame Präventionsmassnahmen seien.

Offenbar geht es darum, die Ablehnung des vom Bundesrat vorgeschlagenen Nachtverkaufsverbot für Alkohol durch die Wirtschaftskommission des Nationalrates zu unterstützen.

Mit ihrem Hochjubeln der Selbstverantwortung im Verkehrsbereich vergleicht sie natürlich völlig unterschiedliche Bereiche. Jeder Verkehrsteilnehmer ab einem gewissen Alter bemüht sich aus eigenem Interesse, heil an sein Ziel zu gelangen. Hat er Pech, ist er selber und sein Umfeld geschädigt. Im Bereich Alkohol liegt die Sache anders. Alkohol ist unser grösstes sozialmedizinisches Problem. Betroffen sind direkt Geschädigte, aber auch die ganze Gesellschaft. Nur ist sich diese des Ausmasses der Schäden nicht bewusst. Sie werden von interessierter Seite auch immer wieder verniedlicht und von den Behörden nicht kommuniziert.

Ich frage mich, wann die grossen Wirtschaftsverbände ihre Solidarität mit der Alkoholindustrie endlich aufgeben und ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Auch wundere ich mich, warum die Kirchen, die sich christlich nennenden Parteien und die grossen Sozialwerke nicht endlich die Interessen der Schwachen, der Kinder und Familien zu ihren eigenen machen und den Aufstand gegen die Macht der Alkoholindustrie wagen, die uns durch vielfältige Alkoholgebundenheit und  -Verbundenheit gefangen hält. Das Nachtverkaufsverbot für Alkohol wäre ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt als wirksamste Massnahme zweckgebundene Alkoholsteuern zur Preiserhöhung, d.h. Konsum- und Schadensreduzierung. Per Saldo würde die Allgemeinheit profitieren.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Erhältlichkeit, Leserbriefe, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Religion und Alkohol, Schweiz, Sozialkosten, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, WHO globale Alkohol-Strategie, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Get Adobe Flash player