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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Neues Alkoholgesetz (CH)'

Leserbrief: Eine neue Schnapsidee der Eidg. Alkoholverwaltung

Samstag 5. April 2014 von htm

02.04.2014
Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Bund will einheimische Schnapsproduktion fördern“ am 1.4.14 im Tages-Anzeiger online.
Was zu befürchten war, tritt nun ein: Seit der von bürgerlicher Seite forcierten Reorganisation der Eidg. Alkoholverwaltung und deren Eingliederung ins Finanzdepartement mit einem von dessen Managern als neuem Direktor sind die gesundheitlichen Aspekte des Suchtmittels Alkohol in der Verwaltung verlorengegangen. Nur noch die Wirtschaft zählt.
Erst wurde versucht, Energy Drinks mit Schnaps „anzureichern“, was in den USA schon seit einiger Zeit als tödliche Mischung gilt und jetzt der Versuch, mit einseitigen Steuerreduktionen für inländische Spirituosen sowie hohen direkten Bundessubventionen den Verkauf anzukurbeln. Abgesehen davon, dass diese einseitige Bevorzugung inländischer Produkte internationalen Übereinkommen widersprechen würde, ist eine solche Verkaufsförderung sicher nicht im Interesse unserer Bevölkerung.
Dabei hätten es die Schnapsbauern schon lange in der Hand, ein Projekt zu unterstützen, das sie ihrer Sorgen weitgehend entheben würde. (Projekt-Idee auf www.alkoholpolitik.ch) Dasselbe gilt für Turn- und andere Sportverbände, die sich durch Sponsorenverträge an die Alkoholindustrie verkaufen oder für die Jugendverbände, z.B. die Pfadfinder, die für ihre wertvolle Tätigkeit auf eine weit bessere finanzielle Grundlage gestellt werden könnten, was ihnen neue Entfaltungsmöglichkeiten böte. Die Nutzniesser dieses Projekts müssten nur zusammenstehen und es politisch durchziehen. Stark genug wären sie. Nur fehlt bisher der nötige Pioniergeist. Er ist in der allgemeinen Alkoholeuphorie ertrunken.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon

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Kommentar zur Abstimmung über die Einwanderungsinitiative im Tages-Anzeiger

Freitag 4. April 2014 von htm

In TV-Kommentaren konnte man hören, dass die Jungwähler, die nicht zur Urne gingen, womöglich den Aussschlag gegeben haben. Studenten demonstrierten später, dabei waren sie es u.a., die nicht zur Urne gingen. Möglicherweise wurde hier ein neues Kapitel im Buch “Politik und Alkohol” geschrieben. Die meisten der Jungwähler, die jedes Wochenende die Partyszene bilden, sind wohl kaum in der Lage, am nächsten Morgen noch abstimmen zu gehen. Auch werden sie wahrscheinlich nicht zu den politisch Interessierten gehören. Inwieweit der exzessive Alkoholgenuss bereits zu einer geistigen Behinderung geführt hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Jedenfalls hat die Gastroindustrie mit ihrer Alkoholisierung der Jugend ein veritables Eigentor geschossen. Und jetzt ruft sie nach einer Sonderbehandlung. Originaltext im Tages-Anzeiger

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Leserbrief betr. Krebsvorsorge

Mittwoch 19. Februar 2014 von htm

Bericht rät von Brustkrebs-Tests ab – und löst damit Empörung aus. Tages-Anzeiger vom 3.2.14 (siehe auch: Bald 40 Prozent mehr Krebserkrankungen, Tages-Anzeiger vom 3.2.14)

Die Aufregung um diesen Bericht beherrscht in den Medien das Thema Krebs und die mögliche Prävention im Allgemeinen. Eine wichtige Verlautbarung der Weltgesundheitsorganisation wird dadurch überdeckt. Sie hat eben, alarmiert durch die wachsenden Schäden durch Krebs, eindringlich gewarnt und mit Nachdruck die Einführung von wirksamen Präventions-Strategien gefordert.

Die oft vergessene Verbindung in Präventionsanstrengungen sei die zwischen Alkohol und Krebs. In Bezug auf Krebs gibt es keine sichere Konsummenge. Die Entdeckung erster schlüssiger Verbindungen zwischen Alkohol und Krebs gehen aufs Jahr 1987 zurück. Heute, 26 Jahre später, sind sich nur 36% der EU-Bürger dieser Verbindung bewusst. Schweizer BürgerInnen wohl noch weniger. Alkoholische Getränke beeinträchtigen den Verdauungsapparat und tragen zur Entstehung von Brust-Krebs bei. Die WHO bringt um 60 verschiedene Krankheiten mit Alkohol in Verbindung.

Da Europa den weltweit stärksten Alkoholkonsum aufweist, einige Länder mit dem 2,5-fachen des globalen Konsum-Durchschnitts, sollte dies zu sofortiger Aktion aufrufen. Der Anteil von Alkohol an einer Reihe von Krebsarten müsste besser beachtet werden. Es braucht vermehrte öffentliche Information, mehr Aufmerksamkeit bei den Gesundheitsberufen und wirksame Massnahmen, um diese Zusammenhänge hervorzuhaben und für Aktionen zu werben, die vermeidbare Krankheiten und Todesfälle vermindern können.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung stellt fest, dass die Ergebnisse von Krebs-Kontrollmassnahmen zeigen, Prävention hat Erfolg, aber Gesundheitsförderung allein wirkt ungenügend. Eine angemessene Gesetzgebung spielt eine wichtige Rolle bei der Verminderung der Exposition und des Risikoverhaltens.
(nicht veröffentlicht)

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Der Umgang mit Alkohol beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Freitag 18. Oktober 2013 von htm

Es gibt bald keine Sendung mehr, in der nicht alkoholfreundlich berichtet oder gar Alkohol konsumiert wird. Nun hat sogar unsere Boulevard-Presse deshalb reagiert.
Als vor einer Woche der “Club” über die Rolle der Medien diskutiert hatte, monierte ich die Schönfärberei, dass beim Thema Alkohol weder ausgewogen recherchiert berichtet werde, noch ausgleichend die Prävention zum Zuge komme. Meine Intervention wurde mit allgemeinen Floskeln zurückgewiesen.

Nachfolgend meine Intervention beim SRF: (25.9.13)

Sehr geehrtes Clubteam,

Die sehr beschwichtigenden Beiträge von Herrn de Weck oder Iwan Rickenbacher mögen auf viele Themen zutreffen. Bei einem
Thema, wo wirtschaftliche Interessen mitspielen, z.B. beim Thema Alkoholpolitik sind ihre Äusserungen reine Schönfärberei. Weder beim SRF noch beim Tages-Anzeiger wurde in den letzten Jahren ein wirklich recherchierter, lösungsorientierter Beitrag gebracht, der dem Publikum ermöglicht hätte, die Tragweite des Problems und die Möglichkeiten von sinnvollen Massnahmen zu dessen Linderung aufzuzeigen. Auch im Hinblick auf die aufende Parlamentsdebatte wurde die Pflicht zur objektiven Information
nicht wahrgenommen. Die Macht der Medien wird hier durch Nichtinformation wieder einmal voll ausgenützt. Zum Wohl der
Alkoholindustrie und nicht des Volkes. Die Folgen addieren sich laufend, seit über hundert Jahren. Dass Herr de Weck am Schluss noch einen Wein-Vergleich anführen musste, war noch die Krönung einer Sendung, die den Bock zum Gärtner gemacht hat.

Ich musste mich schon mehrmals in ähnlicher Weise äussern. Geändert hat sich nichts.

Bitte leiten Sie dieses Mail an die Teilnehmer der Runde
weiter. Besten Dank.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
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Antwort vom SRF: (26.9.13)

Sehr geehrter Herr Meyer
Besten Dank für Ihr Mail. Die Tagesanzeiger-Berichterstattung zum Thema Alkoholpolitik habe ich zu wenig detailliert verfolgt, um urteilen zu können. Bei SRF wurden zahlreiche Sendung (z.B. diverse CLUB-Sendungen zu Alkoholmissbrauch und Sucht ausgestrahlt) zudem berichteten die tagesaktuellen Formate korrekt und umfassend zur laufenden Parlamentsdebatte. Das Thema wurde also sowohl inhaltlich wie auch betr. der politischen Debatte abgedeckt. Abgesehen von Roger de Wecks Bemerkung ist uns nicht ersichtlich, welche Informationen dem Publikum von Seiten der SRG vorenthalten worden sein sollen.

Freundliche Grüsse

Andrea Christener

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Meine Replik: (26.9.13)

Sehr geehrte Frau Christener,

Besten Dank für Ihre Antwort. Oberflächlich betrachtet mögen Sie recht haben. Genau besehen gibt es deutliche Defizite. Die normale Kurzberichterstattung bei Tagesschau und 10 vor 10 entspricht etwa einer Kurzmeldung in einer Zeitung. Wenn Fachleute beigezogen und interviewt werden, sieht es so aus, dass der Vertreter der Wirtschaft wesentlich mehr Zeit erhält als z.B. die Vertreterin von Sucht Schweiz. Das Hauptproblem ist aber, dass von der Redaktion/Moderation nicht kritisch nachgefragt wird. Einen kritischen, recherchierten Rundschau-Bericht hat es noch nie gegeben. Dafür laufend immer wieder alkoholfreundliche unkritische Beiträge. Die bedeutendste Auslassung der letzten Jahre war die Nichtberichterstattung über die Generalversammlung der WHO in Genf im Mai 2010. Dort wurde einstimmig mit 193 Stimmen (Schweiz inkl.) eine lange vorbereitete Resolution für eine globale Alkoholstrategie verabschiedet. Die Schweizer Medienlandschaft boykottierte sie weitgehend. Das SRF meines Wissens (ich kann allerdings nicht alles sehen) auch. In dieser Strategie werden Empfehlungen aufgelistet, nach Massgabe ihrer Effektivität. Das durfte die Bevölkerung offensichtlich nicht erfahren. Denn immer soll der Eindruck entstehen, man kann ja doch nichts machen! Wurde bei SRF während der Tankstellen-Initiative je darauf aufmerksam gemacht, dass es in erster Linie um uneingeschränkten Alkoholverkauf und nicht um Bratwürste ging?
Auch der Club hat noch kaum je eine richtige Alkohol-Präventions-Diskussion geführt. Ich kann mich nur an Themen erinnern, die sich mit Rehabilitation befassten.

Vielleicht verfolgen Sie in Zukunft die Sendungen zu diesem Thema etwas genauer. Es würde mich schon interessieren, ob Sie neue Erkenntnisse gewinnen würden.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
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Nochmals nachgehakt: (13.10.13)

Sehr geehrte Frau Christener,

Verzeihen Sie mir, dass ich nach meiner letzten Meinungsäusserung nochmals auf das Thema zurückkomme. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Mir fällt jedenfalls in letzter Zeit auf, dass kaum eine Sendung, die ich ansehe,  ohne Alkoholwerbung vergeht. Die Weinlese in  verschiedenen Kantonen ist ein ständiges Thema, heute bei Reporter kam ein Whisky-Exporteur dran, ich muss schon sagen, da ist eine gewaltige Lobbymit Erfolg am Werk. Von alkoholpräventiven Sendungen weit und breit keine Spur. Dabei gäbe es brisante Fragestellungen zu recherchieren, z.B. einen möglichen Einfluss des Trinkverhaltens beim Strafvollzug in der Romandie.

Freundliche Grüsse
Hermann Meyer

 

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Leserbrief nach dem schändlichen Nationalratsentscheid zum Alkoholgesetz

Sonntag 22. September 2013 von htm

20.09.2013

 

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Schnaps zum Schnäppchenpreis“ am 20.9.13

Nach der radikalen Aufräumaktion im Nationalrat zum neuen Alkoholgesetz herrscht Konsternation im Lager der Präventionsfachleute. Allerdings – überraschend kommt dieser Ausgang nicht. Seit Jahren muss festgestellt werden, dass

-       Der Nationalrat von der Mitte (mit wenigen Ausnahmen) bis zur Rechten sich vom Gewerbeverband und von economiesuisse gängeln lässt;

-       Dieses mehrheitsfähige Lager als Ausrede die Mär von der Selbstverantwortung vorschiebt, die auch mit 2000-jähriger christlicher Tradition nicht funktioniert;

-       Die Wirtschaft immer noch nicht begriffen hat, dass sie auf der falschen Seite steht und mit ihrer Haltung sich selber schädigt: Ca 5% der Personalkosten sind alkoholbedingt. Wenn es um Sozialabgaben geht, wird um Promille gestritten. Jeder Franken, der nicht für Alkoholika ausgegeben wird, bleibt der Wirtschaft in andern Branchen erhalten oder wird gespart und von den Banken in die Wirtschaft gepumpt. ( Falls sie nicht damit spekulieren.)

-       Die Medien diese Haltung weitgehend unterstützen und damit ihrer Aufgabe als demokratische Diskussionsplattform nicht gerecht werden; sie recherchieren und informieren nicht wahrheitsgemäss, lückenhaft, oder manipulieren durch fehlende Information, und sie werben dauernd mit mehr oder weniger sachlichen Artikeln für einen von Alkohol geprägten Lebensstil;

-       Der minime Konsumrückgang von 1 dl reinem Alkohol pro Kopf und Jahr als genügender Rückgang des Alkoholproblems dargestellt wird, wobei verschwiegen wird, welche Probleme in der Zeit neu entstanden oder verschlimmert wurden und gelöst werden sollten (z.B. von den über 100‘000 Kindern in alkoholbelasteten Familien spricht kaum jemand);

-       Das Alkoholproblem nur als Jugendalkoholismus wahrgenommen wird, dabei ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem, unser grösstes sozialmedizinisches Problem, das uns alle teuer zu stehen kommt, finanziell und an Lebensqualität;

-       Seit der Liberalisierung der Gastwirtschaftsgesetze anfangs der 90er Jahre laufend präventive Massnahmen abgebaut wurden (Ausnahmen: 0,5 Promille-Gesetz im Strassenverkehr mit grossem Erfolg, aber nach jahrzehntelangem Kampf, der viele „unnötige“ Tote und Verletzte forderte – und die Alcopop-Steuer, die teilweise Erfolg hatte aber mangels flankierender Massnahmen und dank gesenkter Schnapssteuern den Jugendalkoholismus erst richtig in Schwung brachte);

-       Beim Alkohol die Mehrheit unserer Volksvertreter nicht, wie von ihrem Amtseid verlangt, das Wohl des Volkes vertreten und verwalten, sondern nur das der Alkoholindustrie und deren Lobbies.

Leider muss ich Petra Baumberger beipflichten, dieses Gesetz wäre eine Verschlimmbesserung, eine Schande für unser Land. Dass ein Suva-Statistiker sich zur Wirksamkeit einer eventuellen Erhöhung von Alkoholpreisen ungläubig äussert, ist seine Sache. (Die Suva hat(te?) kompetentere Fachleute.) Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache, sowohl in der Schweiz (z.B. Schnapssteuersenkung, Alcopopsteuer-Einführung, Tabaksteuern) wie im Ausland (z.B. Weltgesundheitsorganisation, Schweden vor und nach EU-Beitritt).

Wahrscheinlich liegt der Schlüssel bei der Wirtschaft. Sie bejammert das Fehlen von brauchbaren Lehrlingen und will sie aus dem Ausland importieren. Sie merkt nicht, dass ein Zusammenhang mit den allwöchentlichen Saufgelagen eines beträchtlichen Teils der jungen Generation bestehen könnte. Sie ist auch nicht bereit, über alternative Modelle nachzudenken, wie der einheimischen Alkoholbranche eine Präventivkultur verkauft werden könnte, bei der sie sogar profitieren würde: Eine Lenkungsabgabe, bei der alle profitieren könnten.
(Nur am Rande bemerkt: Dass die Kirchen, die Schule, die Alkoholfachleute, die Polizei, die Justiz, die Ärzteschaft, die Sozialämter …. öffentlich praktisch stumm bleiben, ist ein weiteres Trauerspiel.)

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief vor der Nationalratsdebatte zum neuen Alkoholgesetz

Sonntag 22. September 2013 von htm

17.09.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu “Das Alkoholproblem” vom 16.9.2013

Ein Luzerner Sicherheitsbericht, die Forderungen des neuen Städteverbandspräsidenten, Kurt Fluri,
nach einer Verkaufsbeschränkung für Alkohol und eine Wiedereinführung der Polizeistunde, sowie
eine Umfrage des Instituts für Markt- und Meinungsforschung, Isopublic, zum Nachtverkaufsverbot
haben Anlass zu einer Gute Nachtgeschichte gegeben.

Wie bei einer Glosse nicht anders zu erwarten, ist unter dem anspruchsvollen Titel .Das
Alkoholproblem” keine sachliche Auseinandersetzung mit diesem vielschichtigen Thema
herausgekommen, im Gegenteil: Vor der Behandlung im Nationalrat am Mittwoch wurde noch schnell
ein Sperrfeuer gelegt, damit die Parlamentarierinnen möglichst weiter verunsichert werden. Dabei ist
dem Autor auch noch der Lapsus passiert, dass er die erstaunliche Tatsache, dass die Romands in
der Umfrage mit 64% dieses nächtliche Verkaufsverbot befürworten, als Befürwortung des Verkaufs
erwähnte, obwohl in der Internet-Ausgabe des Tages-Anzeiger die richtige Feststellung noch
hervorgehoben worden war. Die Print-Ausgabe brachte diese Erhebung mit keinem Wort. Auf eine
verspätete Richtigstellung darf man noch hoffen.

Tatsache ist, dass in vielen Studien und international in der Fachwelt anerkannt, die Preise am
meisten den Alkoholkonsum beeinflussen (Supermarkt mit Aktionen, Happy Hours), die Erhältlichkeit
ebenfalls wirksam ist (Öffnungszeiten von Läden und Gaststätten, gesetzliches Mindestalter) und dass
in der näheren Umgebung von Nachtclubs am meisten alkoholbedingte Gewalt, Lärm und Littering
polizeilich festgehalten wird. Die Kosten, finanziell und in Lebensqualität, zahlen wir alle.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu Analyse-Artikel im Tages-Anzeiger betr. Nachtverkaufsverbot

Donnerstag 29. August 2013 von htm

18.08.2013
 

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Jedem sein Bier“ vom 17.08.13

Nach „Prost den Gesundheitsfanatikern“ am 2.8.13 bringt Michèle Binswanger an gleicher Stelle einen ähnlich abstrusen Artikel, der nur dazu da scheint, die Leser zu verwirren. Zuerst werden präventive Untersuchungen lächerlich gemacht, dann werden Berichte über sachfremde Begebenheiten als Beweise aufgeführt, dass Selbstverantwortung besser als erwiesenermassen wirksame Präventionsmassnahmen seien.

Offenbar geht es darum, die Ablehnung des vom Bundesrat vorgeschlagenen Nachtverkaufsverbot für Alkohol durch die Wirtschaftskommission des Nationalrates zu unterstützen.

Mit ihrem Hochjubeln der Selbstverantwortung im Verkehrsbereich vergleicht sie natürlich völlig unterschiedliche Bereiche. Jeder Verkehrsteilnehmer ab einem gewissen Alter bemüht sich aus eigenem Interesse, heil an sein Ziel zu gelangen. Hat er Pech, ist er selber und sein Umfeld geschädigt. Im Bereich Alkohol liegt die Sache anders. Alkohol ist unser grösstes sozialmedizinisches Problem. Betroffen sind direkt Geschädigte, aber auch die ganze Gesellschaft. Nur ist sich diese des Ausmasses der Schäden nicht bewusst. Sie werden von interessierter Seite auch immer wieder verniedlicht und von den Behörden nicht kommuniziert.

Ich frage mich, wann die grossen Wirtschaftsverbände ihre Solidarität mit der Alkoholindustrie endlich aufgeben und ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Auch wundere ich mich, warum die Kirchen, die sich christlich nennenden Parteien und die grossen Sozialwerke nicht endlich die Interessen der Schwachen, der Kinder und Familien zu ihren eigenen machen und den Aufstand gegen die Macht der Alkoholindustrie wagen, die uns durch vielfältige Alkoholgebundenheit und  -Verbundenheit gefangen hält. Das Nachtverkaufsverbot für Alkohol wäre ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt als wirksamste Massnahme zweckgebundene Alkoholsteuern zur Preiserhöhung, d.h. Konsum- und Schadensreduzierung. Per Saldo würde die Allgemeinheit profitieren.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu: Komapatienten sollen Spitalpflege selber bezahlen

Donnerstag 18. Juli 2013 von htm

15.07.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief  zu „Staatsgarantie für den Exzess“ vom 15.7.13

Nationalrat Toni Bertoluzzi (SVP) hat das Verursacher-Prinzip entdeckt. Mittels einer Parlamentarischen Initiative will er erreichen, dass Komatrinker oder deren Eltern die Notaufnahme-Behandlung selber bezahlen müssen.

Beat Metzler weist auf der „Analyse-Seite“ zu recht auf viele Schwächen dieser Vorlage hin. Am nächsten kommt er der falschen Argumentation mit seinem Satz: „Nicht die Jungen sind verantwortlich dafür, dass Kioske rund um die Uhr mit Billigalkohol locken.“ Es ist nämlich die Gesellschaft, welche die Verantwortung für unsere Alkoholprobleme trägt. Und als ihre Vertretung die Politik, welche die Rahmenbedingungen aufstellt und durchsetzen müsste.

In den letzten Jahrzehnten sind diese Rahmenbedingungen laufend liberalisiert worden. Ausnahmen: 0,5-Promille-Grenze und Alcopop-Steuer. Sowohl die Promillegrenze wurde viel zu spät eingeführt, was viele „unnötige“ Opfer forderte, als auch die Alcopop-Steuer wurde erst beschlossen, nachdem der Verkauf ein nie gekanntes Rekordhoch erreicht hatte. Um die erwachsenen Schnapskonsumenten nicht zu vergraulen, wurde darauf verzichtet, die Schnapspreise zu erhöhen, was die Jugendlichen zum Ausweichen auf Selbstgemixtes geradezu einlud. Damit war der neue Jugendalkoholismus geboren.

Roland Stähli, Präventionsbeauftragter für den Kanton Zürich, prägte den Satz: „An jedem Alkoholverkauf an Jugendliche verdient ein Erwachsener.“ Und damit diese Einnahmequellen nicht versiegen oder zurückgehen, werden die Alkoholgesetze laufend abgebaut. Neustes Beispiel heute: Der Bund will den zollfreien Import von Wein verzehnfachen. So gelingt der Rausch noch billiger.

Die bürgerlichen PolitikerInnen, allen voran jene der SVP, versuchen immer wieder mit Erfolg, sich aus der Verantwortung zu stehlen und den Schwarzpeter vor allem an die Jugend weiterzureichen. Gleichzeitig betreiben sie damit die Geschäfte der meist internationalen Alkoholmultis und nehmen die Steuerzahler als Geiseln, die ungefragt die immensen alkoholbedingten Sozialkosten tragen müssen.

Es wäre viel billiger, die Alkoholpreise durch massive Steuern anzuheben, damit den Konsum und die Folgeschäden zu reduzieren, die AHV zu entlasten und unser Land friedlicher, gesünder und glücklicher werden zu lassen. Auch die Personalkosten der Wirtschaft würden sinken, was die neue Leitung der economiesuisse endlich zu einer Kurswende bewegen sollte. Man sollte doch erwarten können, dass Politik und Wirtschaft irgendwann nüchtern über unsere mächtigste Droge und unser grösstes sozial-medizinisches Problem nachdenken und beraten würden. Wir können es uns nicht leisten, weiterhin bedeutende Teile junger Generationen an den Alkohol zu verlieren. Die Lehrlingsbetriebe wissen um die Schwierigkeiten, qualifizierte und motivierte Jugendliche zu finden.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(Leicht gekürzt am 18.7.13 veröffentlicht)

 

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Leserbrief zur Kulturgeschichte des Alkohols

Samstag 13. Juli 2013 von htm

09.07.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief  zu „Die mächtigste Droge der Welt“ vom 9.7.13

Rechtzeitig, das Parlament und seine Kommissionen beraten gerade das neue Alkoholgesetz, widmet der Tagi dieser Buchbesprechung eine volle Seite. Obwohl einer der wichtigsten Sätze des Textes lautet: „Zur Kultur des Alkohols gehört die Verdrängung seiner Folgen,“ werden diese Folgen kaum erwähnt, und am Ende steht als Quintessenz der Slogan: „Nüchternheit wird überschätzt.“

Vielleicht kommt Jean-Martin Büttner auf Grund der von ihm erwähnten Leistungen von Winston Churchill (dessen Werke ich bewundernd gelesen habe)  zu diesem merkwürdigen Schluss? Oder findet er, wir sollten, wie die alten Römer, unser Trinkwasser wieder mit Alkohol desinfizieren? Jedenfalls wird Cäsars Befehl an seine Soldaten als einziges Zitat fett herausgehoben.

Diese Kulturgeschichte des Alkohols in Kurzform glänzt vor allem durch seine Auslassungen. Zum Beispiel begann der internationale Kampf gegen den Alkoholismus u.a. auch in der Schweiz, wo in den 1880er Jahren ein grosser Kongress von Wissenschaftern unter Leitung unseres Prof. August Forel in Zürich stattfand oder an der Uni Basel, als Prof. Bunge seine Antrittsvorlesung zum Alkoholproblem hielt. Seine Folgerung u.a. hiess zusammengefasst: „Die Mässigen sind die Verführer.“ Auch heute noch bedenkenswert.

Die Frauen, die sich um die Jahrhundertwende so vehement für mehr Nüchternheit einsetzten, die „Suffragetten“, erkämpften sich in den englischsprachigen Ländern nicht nur alkoholeinschränkende Gesetze, sondern auch das Frauenstimmrecht. Weil bei uns geschickte liberale(!) Politiker eine Alkoholgesetzgebung im Parlament durchbrachten, wurde den Frauen der Wind aus den Segeln genommen. So mussten sie noch lange auf ihr Stimmrecht warten.

Ist diese Buchbesprechung nun wertvoll für die laufenden parlamentarischen Diskussionen? Weder werden die Folgen für unsere Gesellschaft aufgezeigt noch mögliche Gegenmassnahmen auf ihre Tauglichkeit geprüft. Wahrscheinlich war dies auch nicht beabsichtigt. Viel eher ein Versuch, die schweren wirtschaftlichen und leidvollen Folgen zu verharmlosen, damit ja nicht Druck auf das Parlament für mehr wirksame Gegenmassnahmen aufkommen kann. Die Alkoholwirtschaft mit ihrer mächtigsten Droge der Welt und ihre befreundeten Lobbies werden danken. Eben wurde der internationale Bericht über Korruption veröffentlicht. Fast jeder 10. Schweizer sei involviert. Wurde wohl das Thema Alkoholpolitik auch untersucht?

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(Ungekürzt veröffentlicht am 12.7.2013)

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Leserbrief zur neuen Alkoholgesetzgebung in der Türkei

Dienstag 11. Juni 2013 von htm

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Türken sollen weniger trinken“ am 27.5.13

Die Türkei steht gesundheitspolitisch vor einer grossen Herausforderung: Der mögliche Beitritt zur EU könnte dem Alkoholkonsum unerwünschte Schleusen öffnen. Die EU versteht sich immer noch mehr als Handelsgemeinschaft, d.h. der Wirtschaft und nicht dem Wohl des Volkes verpflichtet. Das haben auch wir erst kürzlich mit der Alkoholwerbung im Fernsehen schmerzlich erfahren müssen. Dies hat die Berichterstatterin aus der Türkei wohl übersehen.

Auch dass nicht zuletzt deshalb anfangs Mai in Istanbul ein hochkarätiges internationales Symposium zur Alkoholpolitik stattgefunden hat mit 1200 Gesundheitsexperten aus 45 Ländern. Organisiert wurde es von Yesilay (Grünes Kreuz), in Zusammenarbeit mit dem Amt des Premierministers, dem Gesundheitsministerium und dem Parlament. Co-Sponsor war die Weltgesundheitsorganisation, deren Generaldirektorin, Dr. Margaret Chan, hervorhob, „Obwohl die Alkoholkonsumzahlen viel tiefer als in andern europäischen Ländern und in den USA liegen, man nicht unterschätzen sollte, dass mehr junge Leute trinken würden. Die Türkei habe diesbezüglich ein grosses Risiko und sollte trotz tiefer Konsumraten effektive Vorsorgemassnahmen treffen.“

Die vom Parlament nun im Alkoholgesetz beschlossenen Massnahmen entsprechen den Prioritäten 2 und 3 der von der WHO empfohlenen, d.h. sie sind eher gemässigt und damit dem vergleichsweise tiefen Konsum angemessen. Eine fortschreitende Islamisierung des Landes auf Grund dieses Gesetzes abzuleiten entspricht nur dem Ärger der Alkoholwirtschaft.

Die Schweizer Politik könnte sich die Türkei als Beispiel nehmen. Bei viel höherem Konsum wird unser geplantes neues Alkoholgesetz den gewaltigen Alkoholschäden in keiner Weise gerecht und schlägt die von der Schweiz mitunterzeichneten Empfehlungen der WHO in den Wind. Unsere, d.h. vor allem internationale Alkoholindustrie kann immer noch zufrieden sein. Mit den Gewinnen bei uns wird sie weiter in Entwicklungs- und Schwellenländer expandieren. Sie hat noch viel Potential, denn über die Hälfte der Erdbevölkerung lebt alkoholfrei.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

Beilagen-Bild:
Dr Margaret Chan, Generaldirektorin der WHO

(nicht veröffentlicht)

 

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