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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Kultur'

Wenn es ums Trinken geht, ist er immer an vorderster Front mit dabei

Samstag 9. August 2014 von htm

Im Gespräch mit den Leserbrief-Autorinnen und Autoren (des Tages-Anzeigers)

Für Hermann T. Meyer ist das Leserbriefschreiben mehr als Frustbekämpfung: Er kämpft gegen Alkoholismus .

Von Gabriella Hofer

500 Leserbriefe sind es bis jetzt. Er möchte wachrütteln, Bewusstsein fördern, in der Hoffnung, dass seine Botschaft präventiv wirkt. Hermann T. Meyer (76) aus Effretikon ist ein themenspezifischer Schreiber. Wenn der «Tages-Anzeiger» über Alkoholismus im Allgemeinen und über die Schweizer Alkoholpolitik im Speziellen berichtet, setzt er sich regelmässig an den PC und schreibt Leserbriefe. «Das Alkoholproblem ist ein Gesellschaftsproblem», sagt Meyer, «da dürfen wir Gesunde nicht einfach zuschauen – und darum halt auch nicht, was in der Zeitung geschrieben steht, unreflektiert stehen lassen.» Gemäss offiziellen Zahlen konsumiert allein in der Schweiz rund eine Million Menschen Alkohol auf eine Art und Weise, mit der sie sich gesundheitlich schadet, und Familie aber auch die ganze Gesellschaft belastet. Darauf will Meyer immer und immer wieder hinweisen, so lange ich lebe, sagt er. Als Leserbriefschreiber, das weiss Meyer, kann er nur beschränkt präventiv wirken. «Der Ball liegt bei der Politik», betont er, «damit vor allem auch Junge nicht unüberlegt Alkohol geniessen.» Allerdings dürfe die Politik das Alkoholproblem nicht nur auf den Jugendalkoholismus reduzieren. Es sei ein gesellschaftliches Problem, zu dem alle beitragen würden, und sei es auch nur aus Gleichgültigkeit.

«Wir sind alle Passivtrinker»

«Auch tragen wir als Steuerzahler und Versicherungsnehmer die finanziellen Kosten des Alkoholkonsums.» Laut Meyer wird dies zu wenig ernst genommen, weil sehr oft die eigene Konsumhaltung, wirtschaftliche Interessen und die gesellschaftliche Wirklichkeit einer objektiven Betrachtungs- und Handlungsweise im Wege stehen. «So gesehen sind wir alle Passivtrinker.» Das sagt Hermann T. Meyer, der seit seinem 15. Altersjahr abstinent lebt. Sein Vater war Alkoholiker. Die Familie hat sich den Guttemplern (IOGT) angeschlossen, einer international tätigen konfessionell unabhängigen Organisation, die sich gemäss eigenem Leitbild für Enthaltsamkeit von Alkohol und anderen bewusstseinsverändernden Drogen und für Frieden einsetzt.

Als Sohn eines Alkoholikers weiss der engagierte TA-Leserbriefschreiber nur zu gut: «Ein Alkoholiker hat keine Impulskontrolle, er verliert jegliches Verantwortungsbewusstsein und seine Liebesfähigkeit, wird aggressiv oder depressiv, was sich alles auf sein Umfeld auswirkt, und zudem schadet er sich körperlich selbst.»

Als Erwachsener setzte sich Meyer während etwa 45 Jahren in der Jugend- und Sozialarbeit ein und auch als Reallehrer betrieb er Suchtprävention. «Wir müssen Alkoholikern Hilfe bieten, damit sie ihre Sucht in den Griff bekommen.»  Ein wichtiger Moment in der Rehabilitation sei die Rückkehr nach einem Kuraufenthalt in die Gesellschaft und ins Erwerbsleben. Damit dies möglichst problemlos verlaufen kann, schuf Meyer in Absprache mit einem Berater der Zürcher Alkoholfürsorgestelle 1988 einen Verbund von Nachsorge-Gesprächskreisen mit fachlicher Leitung, die auch heute noch angeboten werden. Der Kanton Zürich und später der Kanton St. Gallen finanzierten das Projekt zu zirka 80 Prozent aus Mitteln des Alkoholzehntels. Das Defizit wurde in den ersten Jahren aus Spenden und dem Überschuss des Guttempler-Weltkongresses (IOGT) bestritten, der 1986 im Zürcher Kongresshaus unter der OK-Leitung von Hermann T. Meyer stattfand und von 1200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt besucht wurde.

Briefe, Flyers und eine Webseite

Zur Zeit der offenen Drogenszene in Zürich fanden in zahlreichen Schulgemeinden Elternabende zum Drogenproblem mit Fachleuten statt. Nach dem Besuch einer solchen Veranstaltung äusserte sich Meyer gegenüber eine Mutter «total verunsichert», wie er erzählt. Theoretisch sei bei ihr alles gut rübergekommen, aber sie wisse nicht, was sie praktisch tun könnte, um ihre Kinder zu schützen. Das war für Meyer 1988 der Startschuss für seine erste Flyer-Kampagne. Eltern und Schulen begrüssten die Information. Es wurden 110 000 Exemplare bestellt; gleichen Jahres wurden Meyers Flyers auch noch in italienischer Sprache herausgegeben.

Gesang und Weib – ohne Wein

1999 liess sich Reallehrer Meyer vorzeitig pensionieren, um sich – neben seinem Hobby Reisen – als unabhängiger Fachmann der Alkoholpolitik zu widmen. Seine Tätigkeit brachte ihn sowohl mit der Fachliteratur wie mit massgebenden Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Alkoholfrage in Berührung, sowohl im In- wie auch im Ausland. Er betreibt die Webseite www.alkoholpolitik.ch, die auch seine inzwischen 500 Leserbriefe beinhaltet. Seinen, wie er selber sagt, «alkoholpolitischen Frust» vertreibt der verheiratete TA-Leser mit «Weib und Gesang – und eben ohne Alkohol!», wie er schmunzelnd beifügt, im Kirchenchor. Auch geht er wöchentlich zum Gesangsunterricht, unterstützt als Gastsänger verschiedene Chöre und tritt gelegentlich als Solist bei kleineren Opern-Projekten auf. «Das ist Balsam für meine Seele.»

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Leserbrief betr. Alkohol am Steuer in der Romandie

Mittwoch 23. Oktober 2013 von htm

21.10.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Wallis hat am meisten Alkoholunfälle“ und „Alkohol am Steuer: Jeder zweite Unfalltote stammt aus der Romandie“ vom 21.10.2013

Dieser Artikel belegt einmal mehr, was man schon lange weiss oder vermutet: Die lateinische Wein- oder Trinkkultur führt zu grösserem Alkoholkonsum und damit zu grösseren Alkoholschäden. Nur will das „ennet“  dem „Promille-Graben“ niemand wahrhaben. Soweit die Bestandesaufnahme auf einer ganzen Seite, samt grossem Cartoon.

Ist es das schon wieder gewesen? Wer deutet denn die Schlussfolgerungen an? Soll bequem auf die Politik gewartet werden, deren nicht-korrupte, ehrliche und gutwillige Kräfte grösstenteils bereits resigniert haben? Der einzige angedeutete Lösungsansatz ist der vermehrt in die Westschweiz abgezweigte Präventionsbetrag der BfU. Dabei weiss man, dass informative Aufklärung praktisch nichts bringt. Besser ist schon die 0,1-Promillegrenze für Neulenker ab 2014. Aber es dauert immer sehr lange, bis ein solcher Schritt rechtskräftig und wirksam wird. Und das Problem betrifft die ganze Gesellschaft.

Auf der andern Seite wird alles versucht, mit Lifestyle-Artikeln und Werbung auf allen Kanälen den Alkoholkonsum anzukurbeln, ihn als selbstverständlich für alle Lebenslagen passend darzustellen. Kein Wunder, dass die jungen Lenker die höchsten Alkohol-Unfallraten (nicht nur) aufweisen, wenn die gesellschaftliche Wirklichkeit allen informativen Aufklärungsbemühungen entgegenwirkt.

Welche Massnahmen erfolgreich wären, sind längst bekannt. Da bräuchte es zum Recherchieren einzig einen des Lesens kundigen Journalisten, die Unterlagen der Weltgesundheitsorganisation und eine unabhängige Redaktion ohne Verpflichtungen zur Alkoholindustrie.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(am 23.10.13 mit leichten Kürzungen, mit Bild veröffentlicht)

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Der Umgang mit Alkohol beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Freitag 18. Oktober 2013 von htm

Es gibt bald keine Sendung mehr, in der nicht alkoholfreundlich berichtet oder gar Alkohol konsumiert wird. Nun hat sogar unsere Boulevard-Presse deshalb reagiert.
Als vor einer Woche der “Club” über die Rolle der Medien diskutiert hatte, monierte ich die Schönfärberei, dass beim Thema Alkohol weder ausgewogen recherchiert berichtet werde, noch ausgleichend die Prävention zum Zuge komme. Meine Intervention wurde mit allgemeinen Floskeln zurückgewiesen.

Nachfolgend meine Intervention beim SRF: (25.9.13)

Sehr geehrtes Clubteam,

Die sehr beschwichtigenden Beiträge von Herrn de Weck oder Iwan Rickenbacher mögen auf viele Themen zutreffen. Bei einem
Thema, wo wirtschaftliche Interessen mitspielen, z.B. beim Thema Alkoholpolitik sind ihre Äusserungen reine Schönfärberei. Weder beim SRF noch beim Tages-Anzeiger wurde in den letzten Jahren ein wirklich recherchierter, lösungsorientierter Beitrag gebracht, der dem Publikum ermöglicht hätte, die Tragweite des Problems und die Möglichkeiten von sinnvollen Massnahmen zu dessen Linderung aufzuzeigen. Auch im Hinblick auf die aufende Parlamentsdebatte wurde die Pflicht zur objektiven Information
nicht wahrgenommen. Die Macht der Medien wird hier durch Nichtinformation wieder einmal voll ausgenützt. Zum Wohl der
Alkoholindustrie und nicht des Volkes. Die Folgen addieren sich laufend, seit über hundert Jahren. Dass Herr de Weck am Schluss noch einen Wein-Vergleich anführen musste, war noch die Krönung einer Sendung, die den Bock zum Gärtner gemacht hat.

Ich musste mich schon mehrmals in ähnlicher Weise äussern. Geändert hat sich nichts.

Bitte leiten Sie dieses Mail an die Teilnehmer der Runde
weiter. Besten Dank.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
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Antwort vom SRF: (26.9.13)

Sehr geehrter Herr Meyer
Besten Dank für Ihr Mail. Die Tagesanzeiger-Berichterstattung zum Thema Alkoholpolitik habe ich zu wenig detailliert verfolgt, um urteilen zu können. Bei SRF wurden zahlreiche Sendung (z.B. diverse CLUB-Sendungen zu Alkoholmissbrauch und Sucht ausgestrahlt) zudem berichteten die tagesaktuellen Formate korrekt und umfassend zur laufenden Parlamentsdebatte. Das Thema wurde also sowohl inhaltlich wie auch betr. der politischen Debatte abgedeckt. Abgesehen von Roger de Wecks Bemerkung ist uns nicht ersichtlich, welche Informationen dem Publikum von Seiten der SRG vorenthalten worden sein sollen.

Freundliche Grüsse

Andrea Christener

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Meine Replik: (26.9.13)

Sehr geehrte Frau Christener,

Besten Dank für Ihre Antwort. Oberflächlich betrachtet mögen Sie recht haben. Genau besehen gibt es deutliche Defizite. Die normale Kurzberichterstattung bei Tagesschau und 10 vor 10 entspricht etwa einer Kurzmeldung in einer Zeitung. Wenn Fachleute beigezogen und interviewt werden, sieht es so aus, dass der Vertreter der Wirtschaft wesentlich mehr Zeit erhält als z.B. die Vertreterin von Sucht Schweiz. Das Hauptproblem ist aber, dass von der Redaktion/Moderation nicht kritisch nachgefragt wird. Einen kritischen, recherchierten Rundschau-Bericht hat es noch nie gegeben. Dafür laufend immer wieder alkoholfreundliche unkritische Beiträge. Die bedeutendste Auslassung der letzten Jahre war die Nichtberichterstattung über die Generalversammlung der WHO in Genf im Mai 2010. Dort wurde einstimmig mit 193 Stimmen (Schweiz inkl.) eine lange vorbereitete Resolution für eine globale Alkoholstrategie verabschiedet. Die Schweizer Medienlandschaft boykottierte sie weitgehend. Das SRF meines Wissens (ich kann allerdings nicht alles sehen) auch. In dieser Strategie werden Empfehlungen aufgelistet, nach Massgabe ihrer Effektivität. Das durfte die Bevölkerung offensichtlich nicht erfahren. Denn immer soll der Eindruck entstehen, man kann ja doch nichts machen! Wurde bei SRF während der Tankstellen-Initiative je darauf aufmerksam gemacht, dass es in erster Linie um uneingeschränkten Alkoholverkauf und nicht um Bratwürste ging?
Auch der Club hat noch kaum je eine richtige Alkohol-Präventions-Diskussion geführt. Ich kann mich nur an Themen erinnern, die sich mit Rehabilitation befassten.

Vielleicht verfolgen Sie in Zukunft die Sendungen zu diesem Thema etwas genauer. Es würde mich schon interessieren, ob Sie neue Erkenntnisse gewinnen würden.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
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Nochmals nachgehakt: (13.10.13)

Sehr geehrte Frau Christener,

Verzeihen Sie mir, dass ich nach meiner letzten Meinungsäusserung nochmals auf das Thema zurückkomme. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Mir fällt jedenfalls in letzter Zeit auf, dass kaum eine Sendung, die ich ansehe,  ohne Alkoholwerbung vergeht. Die Weinlese in  verschiedenen Kantonen ist ein ständiges Thema, heute bei Reporter kam ein Whisky-Exporteur dran, ich muss schon sagen, da ist eine gewaltige Lobbymit Erfolg am Werk. Von alkoholpräventiven Sendungen weit und breit keine Spur. Dabei gäbe es brisante Fragestellungen zu recherchieren, z.B. einen möglichen Einfluss des Trinkverhaltens beim Strafvollzug in der Romandie.

Freundliche Grüsse
Hermann Meyer

 

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Leserbrief nach dem schändlichen Nationalratsentscheid zum Alkoholgesetz

Sonntag 22. September 2013 von htm

20.09.2013

 

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Schnaps zum Schnäppchenpreis“ am 20.9.13

Nach der radikalen Aufräumaktion im Nationalrat zum neuen Alkoholgesetz herrscht Konsternation im Lager der Präventionsfachleute. Allerdings – überraschend kommt dieser Ausgang nicht. Seit Jahren muss festgestellt werden, dass

-       Der Nationalrat von der Mitte (mit wenigen Ausnahmen) bis zur Rechten sich vom Gewerbeverband und von economiesuisse gängeln lässt;

-       Dieses mehrheitsfähige Lager als Ausrede die Mär von der Selbstverantwortung vorschiebt, die auch mit 2000-jähriger christlicher Tradition nicht funktioniert;

-       Die Wirtschaft immer noch nicht begriffen hat, dass sie auf der falschen Seite steht und mit ihrer Haltung sich selber schädigt: Ca 5% der Personalkosten sind alkoholbedingt. Wenn es um Sozialabgaben geht, wird um Promille gestritten. Jeder Franken, der nicht für Alkoholika ausgegeben wird, bleibt der Wirtschaft in andern Branchen erhalten oder wird gespart und von den Banken in die Wirtschaft gepumpt. ( Falls sie nicht damit spekulieren.)

-       Die Medien diese Haltung weitgehend unterstützen und damit ihrer Aufgabe als demokratische Diskussionsplattform nicht gerecht werden; sie recherchieren und informieren nicht wahrheitsgemäss, lückenhaft, oder manipulieren durch fehlende Information, und sie werben dauernd mit mehr oder weniger sachlichen Artikeln für einen von Alkohol geprägten Lebensstil;

-       Der minime Konsumrückgang von 1 dl reinem Alkohol pro Kopf und Jahr als genügender Rückgang des Alkoholproblems dargestellt wird, wobei verschwiegen wird, welche Probleme in der Zeit neu entstanden oder verschlimmert wurden und gelöst werden sollten (z.B. von den über 100‘000 Kindern in alkoholbelasteten Familien spricht kaum jemand);

-       Das Alkoholproblem nur als Jugendalkoholismus wahrgenommen wird, dabei ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem, unser grösstes sozialmedizinisches Problem, das uns alle teuer zu stehen kommt, finanziell und an Lebensqualität;

-       Seit der Liberalisierung der Gastwirtschaftsgesetze anfangs der 90er Jahre laufend präventive Massnahmen abgebaut wurden (Ausnahmen: 0,5 Promille-Gesetz im Strassenverkehr mit grossem Erfolg, aber nach jahrzehntelangem Kampf, der viele „unnötige“ Tote und Verletzte forderte – und die Alcopop-Steuer, die teilweise Erfolg hatte aber mangels flankierender Massnahmen und dank gesenkter Schnapssteuern den Jugendalkoholismus erst richtig in Schwung brachte);

-       Beim Alkohol die Mehrheit unserer Volksvertreter nicht, wie von ihrem Amtseid verlangt, das Wohl des Volkes vertreten und verwalten, sondern nur das der Alkoholindustrie und deren Lobbies.

Leider muss ich Petra Baumberger beipflichten, dieses Gesetz wäre eine Verschlimmbesserung, eine Schande für unser Land. Dass ein Suva-Statistiker sich zur Wirksamkeit einer eventuellen Erhöhung von Alkoholpreisen ungläubig äussert, ist seine Sache. (Die Suva hat(te?) kompetentere Fachleute.) Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache, sowohl in der Schweiz (z.B. Schnapssteuersenkung, Alcopopsteuer-Einführung, Tabaksteuern) wie im Ausland (z.B. Weltgesundheitsorganisation, Schweden vor und nach EU-Beitritt).

Wahrscheinlich liegt der Schlüssel bei der Wirtschaft. Sie bejammert das Fehlen von brauchbaren Lehrlingen und will sie aus dem Ausland importieren. Sie merkt nicht, dass ein Zusammenhang mit den allwöchentlichen Saufgelagen eines beträchtlichen Teils der jungen Generation bestehen könnte. Sie ist auch nicht bereit, über alternative Modelle nachzudenken, wie der einheimischen Alkoholbranche eine Präventivkultur verkauft werden könnte, bei der sie sogar profitieren würde: Eine Lenkungsabgabe, bei der alle profitieren könnten.
(Nur am Rande bemerkt: Dass die Kirchen, die Schule, die Alkoholfachleute, die Polizei, die Justiz, die Ärzteschaft, die Sozialämter …. öffentlich praktisch stumm bleiben, ist ein weiteres Trauerspiel.)

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zur Kulturgeschichte des Alkohols

Samstag 13. Juli 2013 von htm

09.07.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief  zu „Die mächtigste Droge der Welt“ vom 9.7.13

Rechtzeitig, das Parlament und seine Kommissionen beraten gerade das neue Alkoholgesetz, widmet der Tagi dieser Buchbesprechung eine volle Seite. Obwohl einer der wichtigsten Sätze des Textes lautet: „Zur Kultur des Alkohols gehört die Verdrängung seiner Folgen,“ werden diese Folgen kaum erwähnt, und am Ende steht als Quintessenz der Slogan: „Nüchternheit wird überschätzt.“

Vielleicht kommt Jean-Martin Büttner auf Grund der von ihm erwähnten Leistungen von Winston Churchill (dessen Werke ich bewundernd gelesen habe)  zu diesem merkwürdigen Schluss? Oder findet er, wir sollten, wie die alten Römer, unser Trinkwasser wieder mit Alkohol desinfizieren? Jedenfalls wird Cäsars Befehl an seine Soldaten als einziges Zitat fett herausgehoben.

Diese Kulturgeschichte des Alkohols in Kurzform glänzt vor allem durch seine Auslassungen. Zum Beispiel begann der internationale Kampf gegen den Alkoholismus u.a. auch in der Schweiz, wo in den 1880er Jahren ein grosser Kongress von Wissenschaftern unter Leitung unseres Prof. August Forel in Zürich stattfand oder an der Uni Basel, als Prof. Bunge seine Antrittsvorlesung zum Alkoholproblem hielt. Seine Folgerung u.a. hiess zusammengefasst: „Die Mässigen sind die Verführer.“ Auch heute noch bedenkenswert.

Die Frauen, die sich um die Jahrhundertwende so vehement für mehr Nüchternheit einsetzten, die „Suffragetten“, erkämpften sich in den englischsprachigen Ländern nicht nur alkoholeinschränkende Gesetze, sondern auch das Frauenstimmrecht. Weil bei uns geschickte liberale(!) Politiker eine Alkoholgesetzgebung im Parlament durchbrachten, wurde den Frauen der Wind aus den Segeln genommen. So mussten sie noch lange auf ihr Stimmrecht warten.

Ist diese Buchbesprechung nun wertvoll für die laufenden parlamentarischen Diskussionen? Weder werden die Folgen für unsere Gesellschaft aufgezeigt noch mögliche Gegenmassnahmen auf ihre Tauglichkeit geprüft. Wahrscheinlich war dies auch nicht beabsichtigt. Viel eher ein Versuch, die schweren wirtschaftlichen und leidvollen Folgen zu verharmlosen, damit ja nicht Druck auf das Parlament für mehr wirksame Gegenmassnahmen aufkommen kann. Die Alkoholwirtschaft mit ihrer mächtigsten Droge der Welt und ihre befreundeten Lobbies werden danken. Eben wurde der internationale Bericht über Korruption veröffentlicht. Fast jeder 10. Schweizer sei involviert. Wurde wohl das Thema Alkoholpolitik auch untersucht?

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(Ungekürzt veröffentlicht am 12.7.2013)

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CH: Tankstellen sollen alles verkaufen dürfen – rund um die Uhr

Freitag 4. Mai 2012 von htm

Tankstellenshops sollen rund um die Uhr geöffnet haben und das gesamte Sortiment verkaufen dürfen. Der Nationalrat hat heute eine Gesetzesänderung gutgeheissen. Stimmt auch der Ständerat zu, wollen die Gewerkschaften das Referendum ergreifen.

Heute dürfen Tankstellenshops nachts zwar Kaffee oder Sandwiches verkaufen, nicht aber andere Produkte. Viele Shops müssen deshalb einen Teil ihres Lokals absperren. Mit 105 zu 73 Stimmen bei 3 Enthaltungen hat der Nationalrat nun einer Änderung zugestimmt, die auf eine parlamentarische Initiative aus den Reihen der FDP zurück geht. …
(Quelle: Tages-Anzeiger, 4.5.12) (Leserbrief pendent)
Kommentar: Das Alkoholgeschäft lockt, wird aber nicht erwähnt.

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Leserbrief zu „Die Happy Hour ist vorbei“ vom 4.4.12 (Zürich/England)

Freitag 4. Mai 2012 von htm

04.04.2012

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Der britische Premier Cameron verschreibe „seinem Land Abstinenz von oben herab“. Dabei sollen Mindestpreise pro „Unit“ ab 2014 dafür sorgen, dass weniger getrunken werde. Wenn irgendwo versucht wird, den Konsum zu reduzieren, wird sofort von Prohibition oder wie hier von verordneter Abstinenz gesprochen. Eine völlig lächerliche Übertreibung und Stimmungsmache. Die schwachen Preiserhöhungen werden nur wenig bewirken können. Trotzdem will die Alkoholindustrie deswegen vor Gericht gehen. Dabei profitiert sie noch von den Preiserhöhungen, die nicht an den Staat fallen, wie es bei Steuererhöhungen der Fall wäre.

Ich vermisse im Artikel den Bezug zur Schweiz. Auch wir haben ein Alkohol-Problem. Unser Alkoholkonsum liegt nur etwa 15% unter dem britischen. Der Bundesrat will mit einem neuen Alkoholgesetz wenigstens den Jugendschutz teilweise verbessern. Dass er in einem Entwurf auch einen Mindestpreis vorsah, wird von David Hesse nicht erwähnt. Zwei Gutachten hätten den Bundesrat an der Rechtmässigkeit im Vergleich zu EU-Recht zweifeln lassen, weshalb er diese Massnahme wieder gestrichen habe. Es ist interessant zu verfolgen, ob es innerhalb der EU nun Mindestpreise geben darf. Der Bundesrat würde sie allerdings kaum nachträglich wieder ins Gesetz aufnehmen, hat er doch vor allem auf den Druck der Wirtschaft reagiert, wie nach dem Auftritt des Wirtschaftsvertreters in „10 vor 10“ des Schweizer Fernsehens zu vermuten war.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
(nicht veröffentlicht)

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Zum „öffentlichen Wohl“: Türkische Stadt verbietet Alkohol

Dienstag 1. Mai 2012 von htm

In der westanatolischen Stadt Afyonkarahisar heißt es künftig “Schluss mit lustig”. Dort wurde der Verkauf und Konsum von Alkohol auf öffentlichen Plätzen nun “zum Wohle der Allgemeinheit” verboten.

Es ist, laut einer Erklärung von Gesundheitsminister Recep Akdağ, der sich dem Kampf gegen Alkohol und Rauchen verschrieben hat, das erste Verbot dieser Art, das bisher in der Türkei ausgesprochen wurde (erst im letzten Jahr kam es auch hier zu Steuererhöhungen – mehr hier).

Und das jetzt in Afyonkarahisar geltende Verbot ist weitreichend: Es verbietet den Verkauf und den Konsum Alkohol auf öffentlichen Plätzen wie etwa in Parks, auf Grillplätzen, in Gärten, Bushaltestellen oder auf Straßen, an Grabstätten, Brücken, Kirchen, kulturellen und historischen Stätten sowie in verlassenen Gebäuden. Darüber hinaus ist der Genuss von Alkohol, so berichten die türkischen Medien, in allen Arten von Fahrzeugen – darunter auch die öffentlichen Verkehrsmittel – untersagt.
Frieden und Sicherheit in der Stadt soll gewahrt bleiben

Doch warum greift man zu derart drastischen Verboten? Ein Erklärungsversuch kommt aus dem Büro des Gouverneurs von Afyonkarahisar. Hier lautet die Argumentation, dass man mit dem Verbot den “Frieden und die Sicherheit innerhalb der Grenzen der Stadt sicherstellen und Verbrechen verhindern” möchte (im letzten Sommer gingen die türkischen Behörden zudem massiv gegen Alkoholpanscher vor – mehr hier).
(Quelle: Google Alkohol News, 27.4.12) deutsch-tuerkische-nachrichten.de, 27.4.12

Kommentar: Im grossmehrheitlich muslimischen Staat der Türkei schreibt schon die Religion einen alkoholfreien Lebensstil vor. Es erstaunt deshalb nicht, dass hier einmal durchgegriffen wurde, nachdem der Einfluss des Westens sich auf diesem Gebiet schädlich ausgewirkt hat. Sogar in unsern Gefilden werden bekanntlich teilweise Alkoholverbote eingeführt. Man vergisst auch gerne, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung alkoholfrei lebt und alkoholische Getränke, würden sie heute bei uns eingeführt, wegen ihrer schädlichen Wirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft, gleich wieder verboten würden.

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D: Wir sind am Ende — Der Krieg gegen die Drogen ist gescheitert.

Sonntag 15. April 2012 von htm

Lateinamerikas Staatschefs wollen die Legalisierung.

Ich bin nicht gegen jeden Krieg. Ich bin gegen dumme Kriege.« Barack Obama hat diesen Satz als junger Senator gesagt. Er meinte damals den Irak-Feldzug, nicht den aussichtslosesten und längsten Krieg, den die USA jemals begonnen haben. Eine ganze Amtszeit lang hat Obama den war on drugs, den Krieg gegen die Drogen, unvermindert weitergeführt wie schon fünf seiner Vorgänger. Nun spürt er zum ersten Mal massiven politischen Widerstand. Nicht von einer Friedensbewegung, sondern von Amtskollegen auf dem Kontinent. Anlässlich des Gipfeltreffens der amerikanischen Staats- und Regierungschefs, das am Samstag im kolumbianischen Cartagena beginnt, fordern die lateinamerikanischen Präsidenten zum ersten Mal eine offene Debatte über die Entkriminalisierung der Drogen. Schon vergangenen November hatte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos die Strategie der Kriminalisierung als »anachronistisch« bezeichnet und eine internationale Debatte über die Legalisierung vorgeschlagen. Monate später setzte er sie auf die Agenda des Gipfels und überwand schon im Vorfeld die wichtigste Hürde: Barack Obama nahm die Einladung trotz der für ihn prekären Tagesordnung an. Eine Debatte über die Legalisierung von Drogen ist im Wahlkampf das Letzte, was er brauchen kann. …
(Quelle: zeit.de, 14.4.12) mit vielen Kommentaren

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Leserbrief zum Tod von Whitney Houston

Montag 20. Februar 2012 von htm

15.2.2012

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Whitney Houston starb vermutlich an einem Medikamenten-Cocktail“ und „Highway zu Hölle“ am 14.2.12

Und wieder ist ein Mensch, eine wunderbare Künstlerin, in ihrem stressigen Lebenskampf dem Alkohol und den andern Drogen erlegen. Trauer und Ohnmacht erfüllt einen, wenn man z.B. noch den Film „Bodyguard“ gesehen hat, den SF 2 in Abänderung des Programms am Sonntagabend gesendet hat.

In seinem Artikel „Highway zur Hölle“ fragt Jean-Martin Büttner, „warum sind es nicht viel mehr?“
Natürlich sind es viel mehr, als wir aus den Medien erfahren. All die Tausende Unglücklichen, die mit ihrem Leben nicht fertig werden und im Alkohol und in andern Drogen ihre Tröster sehen. Oft dabei ihre Familien mit ins Unglück stürzen. Andererseits ihnen durch ihren vorzeitigen Tod einen unbelasteteren Neustart ermöglichen.

Sie sind Teil des Preises, den unsere Gesellschaft bereit ist zu zahlen, damit die Alkoholindustrie und die Werbebranche weitgehend unbehelligt ihre Mär vom Genuss ohne Reue verbreiten kann und die Mehrheit der Bevölkerung diesen Genuss auch gedankenlos sucht und pflegt. Und nicht merkt, dass sie dafür eine Mitverantwortung an viel Leid und riesigen Sozialkosten trägt. Whitney Houston hat mit ihrem Leben dafür bezahlt.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
(ungekürzt am 20.2.12 veröffentlicht)

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