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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Kinder'

Leserbrief zu Sucht aus der Sicht eines Neurologen

Samstag 16. Januar 2016 von htm

1.01.2016

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Eine Sucht zu überwinden, hat etwas Heroisches“, am 30.12.15

Die interessanten Ausführungen des Neurowissenschafters Marc Lewis bedürfen dringend einiger Ergänzungen, sind sie doch im Wesentlichen auf die von ihm als die grossen drei bezeichneten Stoffe Heroin, Crack und Methamphetamin zugeschnitten.

Er übersieht, dass die chemische Substanz Alkohol im Gehirn nicht nur neuronale Veränderung bewirkt, wie andere Süchte, sondern als Zellgift auch massenhaft Hirnzellen abtötet, was im Endeffekt zum Delirium Tremens und zum Tod führen kann. Dazu erzielt Alkohol im ganzen Körper schädliche Wirkungen, die WHO spricht von rund 60 verschiedenen Krankheiten, vor allem Krebsarten, bei denen Alkohol als Haupt- oder Nebenursache auftritt. Vor allem bekannt ist die Leberzirrhose, die meist tödlich endet, wenn kein Transplantat zur Verfügung steht.

„Diese grossen Drei“ verlieren gegenüber Alkohol auch an Bedeutung, wenn die soziale Komponente dazugerechnet wird. Als sozial-medizinische Droge steht Alkohol in Bezug auf die Gefährlichkeit weit an der Spitze. Obwohl es bis zu einer vollen Abhängigkeit Jahrzehnte dauern kann, wirkt Alkohol schon viel früher bei kleinen Mengen krebsfördernd. Im euphorischen oder aggresiven Zustand, mit je nach Alkoholverträglichkeit niedrigem oder höherem Alkoholpegel, werden Verträge oder Gesetze beschlossen (siehe Weltwoche-Artikel), werden Familien zerstört, Kinder unglücklich gemacht, ihrer Jugend und Zukunftschancen beraubt, Verbrechen begangen, unsägliches Leid verursacht, ganz abgesehen von den Milliarden an Sozialkosten, die wir alle tragen.

Damit nicht genug: Als gesellschaftlich akzeptierte Droge, von einer globalen Industrie mit unbeschränkten Mitteln gepusht, hat sich der Alkohol in unserm Leben derart breitgemacht, dass weder Politik noch Medien sich trauen, gegen diese Vergiftung namhaften Widerstand zu leisten und die Bevölkerung zu schützen. Im Gegenteil werden Barrieren, die während Jahrzehnten erkämpft wurden, laufend abgebaut.

Was Marc Lewis zum Genesungsprozess sagt, trifft weitgehend auch auf die Alkoholsucht zu. Zum Drehtürmechanismus im Zusammenhang mit Entzugskliniken muss immerhin hinzugefügt werden, dass bei uns bereits in den 1980er-Jahren bewusst vor allem von Freiwilligen-Institutionen (z.B. IOGT) darauf hingearbeitet wurde, dass die Entlassenen sofort den Übergang in eine Selbsthilfegruppe schaffen, damit die Wiedereingliederung in die Gesellschaft, mit ihren vielen Versuchungen, gelingen kann. Wer so weit kommt, hat wahrlich Heroisches geleistet und verdient alle Hochachtung und Unterstützung seiner Umgebung.

Freundliche Grüsse und die besten Wünsche zum neuen Jahr

Hermann T. Meyer, Effretikon

(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu: Bundesrat will Tabakwerbung schweizweit einschränken

Freitag 13. November 2015 von htm

12.11.2015

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Alain Berset legt sich mit Tabakfreunden an“ am 12.11.15

„Der Bund schlägt Alarm“, ein weiterer Artikel in der selben Nummer. Darin wird über eine Studie des BAG berichtet, in der eine Zunahme bei den jungen Rauchern und Raucherinnen dokumentiert wird. Ein langjähriger Abwärtstrend wurde umgekehrt. Der Bundesrat möchte dies korrigieren, indem er vorschlägt die Tabakwerbung bis auf das Sponsoring an Grossveranstaltungen (fertiger Witz) und in Verkaufsstellen zu verbieten.

Die bürgerlichen Parteien wollen dieses Gesetz versenken. Sogar der Kommentator im Tages-Anzeiger schwenkt auf deren Argumentation ein: Statt Werbeverbote müsse es das Umfeld der Jugendlichen richten. Wunderbar! Seit es Tabakprävention gibt, ist dies schon immer eines der Hauptgegenargumente gewesen. Es hat nie funktioniert. Und es wird auch in Zukunft nicht funktionieren, weil die Tabaklobby zu stark ist. Und weil in Ausweitung der Ausführungen von Constantin Seibt auf der Seite „Hintergrund und Debatte“ die Tabak-, wie die Alkoholindustrie, mit ihren Komplizen in den Medien und in der Politik, ein Teil der „Betrugsgesellschaft“ sind.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(mit Kürzungen am 13.11.15 veröffentlicht)

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CH: Alkoholtestkäufe 2014: mehr Verkäufe an Minderjährige

Montag 12. Oktober 2015 von htm

Die Chancen, dass Minderjährige trotz gesetzlichen Altersbeschränkungen an Alkohol kommen, stehen eins zu drei. Das geht aus den Ergebnissen (pdf, 5S.) der über 5000 Alkoholtestkäufe im Jahr 2014 in der Schweiz hervor. Seit 2008 war die Alkoholverkaufsrate nie mehr so hoch. Eine Häufung rechtswidriger Alkoholverkäufe an Minderjährige zeichnet sich am Abend und beim Konsum an Ort und Stelle ab. Medienmitteilung der Eidg. Alkoholverwaltung. (Quelle: Infoset August 15)

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Leserbrief zum Alkohol-Sex-Skandal in Zug

Samstag 17. Januar 2015 von htm

15.01.2015

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Die Doppelmoral des Volkes“,  u.a. am 6.1.15, 9.1.15, 15.1.15, im Tages-Anzeiger

Raphaela Birrer stellt die Frage, warum wir als Gesellschaft so hohe Ansprüche an die Moral der Politiker stellen und wo die zu tolerierenden Grenzen bei Verfehlungen liegen würden. Für sie sollte ein Fall wie in Zug oder Baden erst nach einem richterlichen Urteil an die Öffentlichkeit gehören.

Einen Aspekt, der für unsere Gesellschaft sehr relevant ist, hat sie übersehen: Die Bedeutung des Alkoholproblems.

Nach dem Skandal in Baden haben wir nun einen noch gravierenderen Fall in Zug. Was in Baden nie angesprochen worden war, obwohl man sich fragen kann, ob ein erfahrener Politiker nüchtern so dumm sein kann, ist die Sache in Zug ganz klar: Der Alkoholkonsum war erheblich. Die Folgen wiegen schwer. Egal, ob K.O.-Tropfen im Spiel waren oder nicht. Auch egal, ob es zu einer Anklage kommt oder nicht. Die beiden Der Mann haben einmal mehr bewiesen, dass sogar Politiker, die Verantwortung für die Gesellschaft tragen, der Verantwortung im Gebrauch von Alkohol nicht gewachsen sind. Besonders makaber stossend ist dabei, dass der mutmassliche Täter kantonaler Parteivorsitzender der SVP ist, die ja diese Selbstverantwortung immer dann hochjubelt und als wichtigstes Gegenargument ins Feld führt, wenn es für sie darum geht, im Parlament wirksame Gegenmassnahmen gegen die Alkoholschädigungen abzuschmettern.

Der Anwalt des Beschuldigten schreibt in einer Medienmitteilung, mit ihren politischen Funktionen habe dieser Vorfall nichts zu tun. Schön wär’s.

Die Presse ortet die Verlierer auf beiden Seiten. Tatsache ist, dass wir alle Verlierer sind, solange wir Politiker wählen, die nicht wahrhaben wollen, dass die Alkoholindustrie uns beherrscht und dass ihrem Wirken dringend Grenzen gesetzt werden müssten.

Dieses Drama ist nur eines unter vielen, die sich laufend alkoholbedingt meist im Verborgenen abspielen. Bald ist wieder Fasnachtszeit, dann hat diese Art Volksbelustigung wieder Hochkonjunktur. Leidtragende sind in erster Linie die betroffenen Kinder. Welcher Journalist beschreibt ihre Not? Und fordert die Politik auf, Abhilfe zu schaffen? Beide Seiten versagen ständig. Michèle Binswanger, in ihrem Kommentar „Missbrauch“ meint im Gegenteil, die beiden Beteiligten hätten besser den Vorfall unter Ausschluss der Öffentlichkeit geklärt. Die SVP mit ihrer verlogenen Alkoholpolitik sieht das sicher auch so.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(veröffentlicht mit leichten Kürzungen am 17.1.15)

 

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Leserbrief zu: Alkohol fördert Gewalt im öffentlichen Raum

Donnerstag 5. Juni 2014 von htm

30.05.2014
Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Alkohol fördert Gewalt im öffentlichen Raum“ am 28.5.14 im Tages-Anzeiger.
Diese neue Studie ist recht detailliert und bringt die alte Tatsache wieder aufs Tapet, dass die Hälfte der Straftaten Jugendlicher unter Alkoholeinfluss erfolgen. Selbstverständlich reagiert Gewerbeverbands-Direktor Bigler sehr ungehalten und bekämpft jede Beschränkung des Alkoholverkaufs. Er wird im Nationalrat wahrscheinlich die nötige Unterstützung finden, um auch die sehr gemässigten Präventionsvorschläge des Bundesrates abzuweisen. Nicht umsonst sind die gleichen Parlamentarier gegen eine Offenlegung der Parteispenden.
Das Hauptproblem in diesem Zusammenhang ist die immer wieder tröpfchenweise an die Öffentlichkeit weitergegebenen Meldungen über spezielle Typen von Alkoholschäden. So können einzelne Zielgruppen anvisiert und verantwortlich gemacht werden. Einmal sind es die jugendlichen Kriminellen, dann die Hooligans, die alkoholisierten Fahrer, die Kinder in alkoholbelasteten Familien, häusliche Gewalt, Scheidungen, sexuelle Gewalt, Gewalt vor Partylokalen, Alkohol am Arbeitsplatz, in der Politik, Komatrinken und Flatratesaufen, als Krankheit und Krankheiten-Verursacher, usw. Eine Gesamtschau fehlt, um die immense Grösse unseres Problems mit der gefährlichsten Droge erkennbar zu machen. (Gefährlichste Droge, wenn die gesellschaftliche Relevanz mitberücksichtigt wird.) Dann würde auch der Normalbürger und die Normal-Bürgerin verstehen, dass dringend Handlungsbedarf besteht und dass die ganze Gesellschaft mitverantwortlich ist und gemeinsam eine massive Senkung dieser Schäden erreicht werden müsste.
Jetzt wird von Direktor Bigler wieder einmal nach mehr Polizeipräsenz gerufen. Ein kleines Pflästerchen zu Lasten der unterdotierten, überlasteten Polizei und einmal mehr des dummen Steuerzahlers. Nebenbei: Warum steht nicht endlich der Bund der Steuerzahler auf und rebelliert lauthals gegen diese ständige Mehrbelastung zu Gunsten der Gewinne einstreichenden Alkoholindustrie?
Was am besten Abhilfe schaffen würde, hat die Weltgesundheitsorganisation 2010 in ihrer von der Schweizer Regierung mitunterzeichneten Resolution für eine globale Alkoholstrategie vorgegeben: Preisliche Regulation und Einschränkung der Verfügbarkeit, um den Gesamtkonsum zu reduzieren. Das heisst: Alkoholsteuern zahlen und aus Solidarität ein bisschen Bequemlichkeit einbüssen, dafür die Alkoholschäden reduzieren, d.h. Lebensqualität gewinnen, sowie Steuern und Versicherungsprämien sparen. Mit den zusätzlichen Mitteln könnten die staatlichen Alkoholkosten gedeckt und Sport, Kultur und Jugendarbeit massiv unterstützt werden. Sogar das diskutierte Prozent mehr Mehrwertsteuer könnte hinfällig werden. Sogar unsere einheimischen Alkoholproduzenten könnte man für Ausfälle entschädigen. Ein Gewinn für alle. Auch fürs Politiker-Gewissen.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu Jugend und Alkohol im Sport

Donnerstag 5. Juni 2014 von htm

21.05.2014

info@winterthurer-zeitung.ch

Leserbrief betr. „Gefährliche Sicherheitslücke“ am 21.5.14
Daniel Frei, Präsident Dachverband Winterthurer Sport, behauptet, Sport sei die beste und günstigste Suchtprävention. Da ich vermute, dass er auch gelegentlich an Turnfesten dabei ist, sollten ihm eigentlich die Saufgelage im Festzelt auch bekannt sein. Nicht umsonst übersetzten wir früher die 4 F auf der Turnerfahne mit frisch, fromm, fröhlich, f(v)oll.
Vielleicht interessiert ihn das Thema wirklich, dann sollten ihm auch die wissenschaftlichen Untersuchungen über Jugend und Alkohol im Sport bekannt sein. (Bei Sucht-Schweiz und im Bundesamt für Gesundheit erhältlich) Sie zeigen, dass gerade die grossen Mannschaftssportarten die Jugendlichen zum Alkohol führen. Genau die, welche nicht auf Alkoholwerbung verzichten wollen.
Als der Turnverein-Delegierte an unserer Männerriegen-GV Werbung für ein Nein zu dieser Initiative machte, erwiderte ich, wer in die Jugend investieren wolle, müsse Ja stimmen. Leider meinen viele, die gelegentlich ein Bier trinken, sie müssten mit dieser Industrie solidarisch sein. Sie verstehen nicht, dass sie mit ihrer verharmlosenden Haltung zur Erhaltung von viel Elend und zu riesigen finanziellen Schäden beitragen, welch letztere sie ungewollt mittragen müssen. Nur ein Beispiel zum Elend: In der Schweiz allein leben über 100‘000 Kinder und Jugendliche in alkoholbelasteten Familien. Das ist die Einwohnerzahl von Winterthur. Viele machen die Hölle durch und haben schlechte Zukunftschancen.
Im Internet auf www.alkoholpolitik.ch gibt es seit 2004 eine Projekt-Idee, die zeigt, wie das Alkohol-Sponsoring bei Sport und Kultur abgelöst werden könnte und wie wirkliche Prävention aussieht. Herr Frei, Doris Steiner und die Dachverbände im Sport sollten einmal zusammensitzen und überlegen, wie diese Idee zu verwirklichen wäre. Sie würden unserer Jugend und unserer Gesellschaft einen riesigen Dienst leisten und hätten dann echten Grund zur Freude.
(nicht veröffentlicht)

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Skandal: Energy-Drinks sollen Alkohol enthalten dürfen

Donnerstag 5. Dezember 2013 von htm

In der Tagesschau vom 4.12.13 meldete das Schweizer Fernsehen:
„Der Bund streicht die Energy-Drinks auf Anfang Jahr von der Liste der sogenannten Spezial-Lebensmittel. Das heisst, dass die Produzenten sie problemlos in einer alkoholhaltigen Version anbieten dürfen. Diese Neuerung schmeckt nicht allen.“

Nun hilft auch die Bundesverwaltung mit, den Jugendalkoholismus zu fördern. Was dadurch zu erwarten ist, kennt der Interessierte aus ausländischen Medien und Forschungsberichten, wo das Thema vor Jahren aktuell war. In der Tagesschau-Sendung durfte sich ein Mitarbeiter für Lenbensmittelsicherheit beim Bundesamt für Gesundheit äussern, es sei eine Frage des Masses. Wie wenn nicht die ganze Alkoholproblematik eine Frage des Masses wäre. Wobei weder die interessierte Industrie noch viele Konsumenten das richtige Mass gefunden haben und weiterhin nicht finden werden. Das Ergebnis kennen wir. D.h. ein Grossteil der Politiker und der Bevölkerung wollen es nicht zur Kenntnis nehmen und stecken den Kopf in den Sand. Die Medien helfen ihnen dabei durch oberflächliche Berichte, Weglassung von Meldungen und fehlenden Recherchen. Der erwähnte Tagesschau-Bericht brachte noch den entrüsteten Kommentar einer Konsumentenschützerin. Für dieses Medium vielleicht genügend. Ob darauf in einem andern Programm das Thema vertieft wird, kann man nur hoffen.

Nachfolgend einige Links zu diesem Thema aus der Zeit meiner aktiven Webseite:

UK: olice warn alcoholic energy drink ‘Crunk Juce’ causing rise in violence (2011/07/19)

California: Caffeinated-beer ban signed by governor (2011/08/06)

ALERT! Tell FDA to Ban Dangerous Acoholic Energy Drinks Now! (2010/11/09)

Süße Gefahr: Energy Drinks fördern Alkoholsucht (2010/11/18

USA: Energy Drinks Linked to Alcohol Problems (2010/11/17)

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Leserbrief betr. häusliche Gewalt und Alkohol

Freitag 24. Mai 2013 von htm

22.05.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Sie sind randvoll, wenn „es“ passiert“ am 22.5.13

Bei fast jedem zweiten Fall von häuslicher Gewalt ist Alkohol im Spiel. Aber 70% der Täter geben an, bei ihnen gäbe es kein Alkoholproblem. Im ganzen Artikel fällt kein Wort zu den in diesen Familien lebenden Kindern. Sie sind die eigentlichen Opfer. Sie können sich nicht wehren, können nicht davonlaufen. Allein in der Schweiz gibt es deren über 100‘000. Es soll jetzt ein 24-Std. Notruf eingerichtet werden. Kostenpunkt bis zu drei Millionen Franken. Prävention soll es ab 2014 geben. Vielleicht wieder einmal eine schöne, nichts bringende, teure Plakatkampagne?

Bei den Kindern der Landstrasse und bei den Verdingkindern hat sich der Bundesrat für frühere Generationen entschuldigt. Die riesige Not der Millionen von Kindern nur schon der letzten 100 Jahre lässt ihn kalt. Er müsste ja selber eine charakterliche Kehrtwende vollbringen, wirksame Massnahmen einleiten, und dafür fehlt ihm der Mut.

Die Eisenbahner wehren sich, die Polizeigewerkschaften, das Spitalpersonal; das Hooliganproblem wird seit Jahren hin- und hergeschoben. Die Gewaltbereitschaft junger Männer im Ausgang hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. (TA 19.2.13) Seit 2001 hat sich die Zahl der Rettungseinsätze wegen Komatrinken und Flatratesaufen in Zürich von unter 25-Jährigen verdoppelt.(TA 2.2.13) Die Milliarden Franken Sozialkosten steigen laufend. usw. Nichts Wirksames passiert, denn der Bundesrat hält es nicht für nötig, auf die Schäden zu schauen. Er verweist auf den 20-prozentigen Konsumrückgang bei alkoholischen Getränken innert 20 Jahren. Mehr darf der Alkoholindustrie nicht zugemutet werden. Er schlägt auch die dringenden Ermahnungen und Vorschläge der WHO in den Wind und verhindert, dass die Bevölkerung davon erfährt. (WHO-Resolution für eine globale Alkohol-Strategie, Mai 2010)

Dafür wird laufend weiter liberalisiert. Das neue Spirituosengesetz führt dazu, dass die Schnapssteuern massiv sinken (gegen 50%) und den Gewinn-Anteil der AHV und den der Kantone für den Alkoholzehntel schmerzhaft reduzieren werden. (TA 8.5.13) Aus dem Alkoholzehntel werden Massnahmen in Prävention und Rehabilitation finanziert. Muss nun der Steuerzahler oder der Konsument mit der Mehrwertsteuer dafür herhalten?

Jetzt hat der Bundesrat anlässlich der Eröffnung der Generalversammlung der WHO in Genf die WHO dringend aufgerufen, den Worten Taten folgen zu lassen. – Bei der Bekämpfung der nichtübertragbaren Krankheiten. Ob er den Witz bemerkt hat? Zu den bedeutendsten nichtübertragbaren Krankheiten zählen die alkoholbedingten. Die WHO nennt um die 60!. Den andern Lehren erteilen und selber das Gegenteil tun? Er kann es sich leisten, denn die Medien klären die Bevölkerung ja nicht auf und die Parlamentsmehrheit ist noch wirtschaftsabhängiger als er selber.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

PS

Dies ist seit Sommer 2012 der sechste Leserbrief, die fünf vorherigen wurden nicht veröffentlicht. Verlagsorder? Ihr Ombudsmann hat keine Erklärung.

(am 24.5.13 mit Kürzungen veröffentlicht)

 

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Die Schweizer Ärzteschaft zum neuen Alkoholgesetz

Samstag 6. April 2013 von htm

Alkoholgesetzrevision – aus Sicht der Ärzteschaft: Derzeit befindet sich die Totalrevision des Alkoholgesetzes (AlkG) in der parlamentarischen Beratung. Diese Revision – im Kern eine Liberalisierungsvorlage – betrifft auch die Ärzteschaft.Artikel (pdf, 1S., 58Kb) in der Schweizerischen Ärztezeitung 11/2013. (Quelle: Newsletter Infoset April 2013)

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Leserbrief zum neuen Alkoholgesetz im Ständerat

Dienstag 2. April 2013 von htm

25.03.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Ständerat verbietet Billig-Wodka und Alkoholverkauf ab 22 Uhr“ am 21.3.13 und Leserbriefe dazu am 25.3.13

Der Ständerat als Erstrat bei der Behandlung des neuen Alkoholgesetzes hat mehrere Massnahmen vornehmlich zur Bekämpfung des Jugendalkoholismus beschlossen, was natürlich sowohl im Rat wie in der Bevölkerung auch Kritik hervorruft. Wenn auf der heutigen Leserbriefseite gross getitelt wird „Konstruktive Lösungen sehen anders aus“ kann insofern beigepflichtet werden, dass wieder nur einzelne Massnahmen ergriffen werden sollen, die ein wenig helfen können, aber keine umfassende Alkoholpolitik darstellen, welche das Alkoholproblem wirklich entschärfen könnte.

Wenn im Leserbrief erwähnt wird, dass zwischen 2003 und 2007 der Anteil junger Rauschtrinker abgenommen hat, muss man wissen, dass dies auf die Einführung einer Alcopop-Sondersteuer zurückgeführt werden kann. Dass der Gesamtalkoholkonsum innert 100 Jahren um die Hälfte abgenommen hat, ist sicher erfreulich, zeigt dies doch, dass die hart umkämpften  Präventionsbemühungen nicht ohne Erfolg geblieben sind. Nur müsste gleichzeitig erwähnt werden, dass die Folgen des Alkoholmissbrauchs in neuerer Zeit weit gravierender geworden sind als am Anfang des 19. Jh. Auch die Sensibilität dafür hat sich ein wenig geändert.  Dass bei uns über 100‘000 Kinder in alkoholbelasteten Familien aufwachsen müssen, kümmert immer noch viel zu wenig Politiker, obwohl man das Unrecht, das den Kindern der Landstrasse und den Verdingkindern angetan wurde, inzwischen erkannt worden ist. Dabei liegen die Zahlen der alkoholbehinderten Kinder, welche die Hölle durchleben müssen, in ganz andern Dimensionen.

Ein anderer Leserbriefschreiber sei „ein verantwortungsvoller und freiheitsliebender Bürger“, der über die „Verbotitis“ den Kopf schüttelt. Sein Kopf müsste ihn vor lauter Schütteln viel mehr schmerzen, wenn er mit etwas mehr Sachkenntnis erkennen würde, wie unsere Bevölkerung manipuliert und der Freiheit beraubt wird, damit sie sich nicht gegen die dauernde Bevormundung durch Politik und Wirtschaft erhebt, die dem Alkohol in unserer Gesellschaft einen derart hohen Stellenwert ermöglicht, dass kaum nennenswerte Verbesserungen möglich sind.

Heute erliess die Fachstelle Sucht Schweiz eine Pressemitteilung zu einer neuen Studie. „Ungefähr 90% der rund 12‘000 Personen, die im Jahr 2010 wegen Alkoholvergiftung hospitalisiert wurden, sind älter als 23 Jahre. Jugendliche und junge Erwachsene machen etwa 10% der hospitalisierten Personen aus. „Bei den Jugendlichen fällt auf, dass die Spitaleinweisungen wegen Alkoholvergiftung bei den 14- und 15-Jährigen am häufigsten sind, obwohl das Rauschtrinken bis zum jungen Erwachsenenalter zunimmt.“

Das Alkoholproblem, nicht nur in der Schweiz, ist ein Problem der ganzen Gesellschaft. Die Jugend ist das Spiegelbild der Erwachsenen. Wenn letztere wirklich verantwortungsbewusst handeln würden, wäre der Alkoholismus kein Thema. Davon sind wir noch weit entfernt. Die wenigen positiven Massnahmen in der neuen Alkoholgesetzgebung, die beim Nationalrat noch auf harten Widerstand stossen werden, werden leider noch lange nicht genügen. Dabei sind die nötigen Massnahmenpakete bekannt. Nur darf die Bevölkerung die möglichen positiven Auswirkungen nicht erfahren. Es könnte plötzlich den Sinn von Generalprävention erkennen, wie es gegenwärtig bei den Abzockerlöhnen, beim Berufsverbot für Pädophile in Erzieherberufen, beim Raumplanungsgesetz und bei den Zweitwohnungen der Fall gewesen ist.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alcopops (de), Alkoholkrankheit, Allgemein, Erhältlichkeit, Jugend, Jugendliche, Kinder, Leserbriefe, Nationales Programm Alkohol NPA, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Schweiz, Statistik, Verhältnis-Präv., Verschiedene, Wirtschaft, Zitate | Keine Kommentare »

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