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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Jugend'

Kommentar zu Artikel zur Kampagne und Dialogwoche

Sonntag 7. Mai 2017 von htm

«Wie viel ist zu viel?» Mit dieser traditionellen Kampagne vom 11. bis 21. Mai wollen das Bundesamt für Gesundheit und seine Partnerorganisationen zum Nachdenken anregen und Informationen über die Wirkung von Alkohol vermitteln. Dazu ein Artikel in der heutigen Sonntagszeitung: „Wenn die Mutter zur Flasche greift.“

Hier mein Kommentar:

Der Bundesrat und das Parlament lassen sich von der leichten Abnahme des Gesamtkonsums verleiten und wollen nichts mehr zur Verbesserung der Lage beitragen. Sie verdrängen, dass der Risikokonsum eher zunimmt. Vor allem verschliessen sie die Augen vor dem Drama der Kinder in alkoholbelasteten Familien. Seit Jahrzehnten über 100’000 permanent. Die Dramen der Kinder der Landstrasse oder der Verdingkinder wurden aufgearbeitet. Wie wollen sie je ihre ungleich grössere Schuld an den alkoholbehinderten Kindern abtragen?
Die Methode der Al-Anon mag für die Angehörigen stimmen. Sicher ist sie ein Segen für die Alkoholindustrie und ihre Lobbies. Für die Betroffenen bringt sie wenig. Es bräuchte den Aufstand der Gesellschaft und der Co-Alkoholiker. Die sind schlecht informiert. Fakenews der Werbung.

Kommentar auf Fremdkommentar

Mir ist klar, dass die individuellen Schicksale der Kinder nicht „aufgearbeitet“ werden können. Mir ging es darum, wie die Politik darauf reagieren müsste. Bei den jetzigen alkoholbehinerten Kindern könnte sie, wenn sie wollte. Die Zahl der Alkoholkranken könnte z.B. mit den von der WHO empfohlenen Massnahmen gesenkt und auch viel anderes Leid vermieden werden. Aber Parlament und Regierung liberalisieren weiter und betreiben das Geschäft der Alkoholindustrie.

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Leserbrief wegen Eidg. ausserparlamentarischen Kommissionen

Freitag 31. März 2017 von htm

29.03.2017

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Ein Drittel weniger, bitte!“ am 28.3.17 im Tages-Anzeiger

Die rechtsbürgerliche Mehrheit im Nationalrat, unter Führung vom Gewerbeverbandsvertreter Hans-Ulrich Bigler, ist wieder einmal daran, bewährte demokratische Strukturen abzubauen. Vielleicht gibt es unter den bestehenden 119 ausserparlamentarischen Kommissionen sogar Kandidaten, deren Notwendigkeit berechtigterweise angezweifelt werden kann. Nur zeigen gerade die im Artikel namentlich erwähnten Kommissionen, dass es nicht nur um Sparbemühungen sondern auch um die Liquidation unliebsamer Gegenspieler geht, die man sich hier gleichsam im Vorbeiweg bequem vom Halse schaffen könnte.

Diese Kommissionen bilden die Kumulation an Fachwissen eines speziellen Gebietes, das in den parlamentarischen Kommissionen nicht in dem Masse vorhanden ist. Zu viele Parlamentarier stellen sich bei wissenschaftlichen Erkenntnissen taub, besonders wenn sie aus dem Ausland stammen und nicht mit ihren Vorurteilen übereinstimmen. Die Fachleute in den Kommissionen bieten Gewähr für deren Gewichtung und Verwendung für schweizerische Anwendungen. Auch sind sie in der praktischen Arbeit im Lande vertraut mit den anstehenden Fragen und ihrer Relevanz an der Basis. Sie beraten dann die Verwaltung und den Bundesrat. Es ist zu hoffen, dass der Ständerat wieder einmal korrigierend eingreift, damit das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet wird, zum Nachteil unseres Landes.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(veröffentlicht am 31.3.2017 mit diesen Kürzungen.)

Die namentlich erwähnten Kommissionen waren: Migration, Frauen, Jugend und Alkohol)

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Kommentar auf Webseite von Dr. von Hirschhausen

Mittwoch 1. Februar 2017 von htm

Lieber Herr Dr. von Hirschhausen,

Als ich die Seite 226 Ihres Buches „Wunder wirken Wunder“  gelesen hatte, schrieb ich Ihnen einen ersten Kommentar. Jetzt muss ich mich nochmals melden, da ich auch das Kapitel „Prost“ hinter mir habe.

Das moralische Dilemma, Alkohol zu empfehlen, ist Ihnen nicht ganz bewusst. Nicht nur trinken Millionen Menschen zu viel, es sterben jährlich etwa 5 Millionen Menschen daran. Die meisten in Europa, weil hier am meisten getrunken wird. Am schlimmsten finde ich es, dass Millionen von Kindern in ihrer Kindheit und Jugend daheim alkoholbedingt die Hölle durchmachen, später verminderte Lebenschancen haben und kaum jemand merkt etwas.

Dass Sie die sauberen Blutgefässe gestorbener Alkoholiker beeindruckt hat, verstehe ich. Dass Sie mit Ihrer demonstrativ kritischen Haltung allein aus diesem Erlebnis heraus mässigen Alkoholgenuss empfehlen, überrascht mich doch.  Allein in meinem beschränkten Umfeld kann ich Ihnen eine Handvoll Freundinnen und Freunde aufzählen, lebenslang abstinente, die Mitte der Neunziger sind und keine Anzeichen von Herzinfarktanfälligkeit zeigen. Ich selber bin 79, mein ganzes Leben abstinent und erhielt kürzlich nach einem Lungen CT den Bescheid, dass in meiner Herzgegend  0,0 Kalkabsonderungen gefunden wurden. Mein Vater hingegen starb mit 59 am ersten Herzinfarkt, bis 50 hatte er ein Alkoholproblem, dann wurde er trocken. Allerdings vereinigte er auch die andern Risikofaktoren auf sich: Rauchen und Übergewicht.

Würde Ihre Theorie stimmen, hätten all die vielen sogenannt wissenschaftlichen Untersuchungen, die mässigen Alkoholgenuss gesundheitlich positiv bewerteten, für die abstinenten Kontrollgruppen jeweils viel besser herauskommen müssen, da in diesen  Gruppen viele ehemalige Alkoholiker versteckt waren.

Sie bleiben bis zum Schluss dabei, mässiger Alkoholkonsum sei lebenverlängernd. Vom Präventivstandpunkt aus muss diese Botschaft klar verneint werden. Die WHO bringt Alkohol mit 60 Krankheiten in Verbindung, als Haupt- oder Nebenursache. Bereits ein Glas steigert das Krebsrisiko messbar.

Sie werden mit Ihrer grossen Fangemeinde Ihrer Verantwortung nicht gerecht. Auch wenn Sie am Ende des Kapitels noch Jesus als Beweis herbeibemühen. Wissen Sie, dass seit der Reformation, d.h. seit Luthers Bibelübersetzung, in der Bibel sowohl deutsch als englisch alles, was mit Trauben und ihren Produkten zusammenhängt, mit Wein übersetzt wird? Das könnte man als erste grosse „Fake-News“ der Geschichte bezeichnen. Auch Sie sind darauf hereingefallen. Vielleicht sind Sie ja lernfähig?

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer

Hier der erste Kommentar:

10. Januar um 18:49 ·

 Lieber Herr von Hirschhausen,

Seit Weihnachten bin ich begeisterter Leser Ihres wunderbaren Buches. Nur auf Seite 226 stockte ich. Da schreiben Sie dem Alkohol bei mässigem Genuss eine Risikoverminderung bei Herzinfarkt, Diabetes und Alzheimer zu. Hat Sie da plötzlich die von Ihnen mit Recht propagierte Vorsicht bei wissenschaftlichen Studien verlassen? In den ersten 10 Jahren unseres Jahrhunderts hat die Alkoholindustrie massenhaft Studien mit gesundheitlich positiven Wirkungen herausgebracht, die von den Medien meist kritiklos und gross weiterverbreitet wurden. Als dann Studien mit gegenteiligen Resultaten erschienen, war in den Medien kaum etwas zu lesen. Ich habe diese Entwicklung auf meiner Webseite gesammelt. (www.alkoholpolitik.ch) Dieser Kampf David gegen Goliath würde einen währschaften Thriller abgeben. Meiner Meinung nach müssten sie diesen Satz bei einer Neuauflage entfernen. Er leistet der Volksgesundheit einen Bärendienst – sogar wenn er stimmen würde.
Abgesehen davon wünsche ich weiterhin viel Erfolg im neuen Jahr. Hermann T. Meyer

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Leserbrief zur Rückweisung eines neuen Tabakwerbegesetzes

Mittwoch 14. Dezember 2016 von htm

 

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

09.12.2016

Leserbrief zu „Kein Werbeverbot für Tabakprodukte“ am 9.12.16 im Tages-Anzeiger

Nun haben also wieder beide Parlamentskammern ein gesundheitspräventives Gesetz zurückgewiesen. Ein Verbot von speziell an Jugendliche gerichtete Werbung halte eine Mehrheit hingegen für sinnvoll. Als ob diese die allgemeine Tabakwerbung nicht auch zu sehen bekämen.

Seit den 1970er Jahren, als die erste von zwei Volksinitiativen gegen die Alkohol- und Tabakwerbung vom Volk abgelehnt wurde, haben unsere bürgerlichen Politiker in Bern nichts gelernt, obwohl die Wissenschaft immer wieder auf die Zusammenhänge zwischen Werbung und Konsum hingewiesen hat. Die angeblich freie Marktwirtschaft muss immer noch als Begründung für ein unverantwortliches gesetzgeberisches Verhalten herhalten.

Im Kommentar auf Seite 2 wird die starke Lobby der Tabakindustrie erwähnt. Natürlich geht es um den Profit der globalen Industrie, welche in der Schweiz bei Politik und Wirtschaft besonderen Schutz geniesst, zum Nachteil der Bevölkerung. Dass die Medien nicht viel besser agieren, sieht man am Beispiel dieser Tages-Anzeiger Nummer: Nicht vor der Parlamentsdebatte wird recherchiert und werden Fakten gebracht, sondern nach dem Beschluss in Bern werden „Nachhutgefechte“ in Form eines halbseitigen Interviews eines Tabakindustriellen, der praktisch alle seine unglaubwürdigen, „postfaktischen“ Behauptungen platzieren konnte und eines recht guten Kommentars („Von der Lobby vernebelt“) geliefert.

Wir schauen immer wieder hochmütig auf die Länder mit Korruptionsskandalen, stören uns aber nicht daran, dass die Tabak-, Alkohol- und Werbeindustrien unser Parlament und Teile der Wirtschaft in Geiselhaft genommen haben.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(Die Hälfte gekürzt, am 14.12.16 veröffentlicht)

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Leserbrief zu den Verdingkindern

Dienstag 27. September 2016 von htm

16.09.2016

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Jetzt können wir das Elend begraben“ am 16.9.16

Wir können uns zu Recht freuen über den glücklichen Abschluss dieses elenden Kapitels unserer jüngeren Geschichte. Die Kinder der Landstrasse und die Verdingkinder haben uns lange genug belastet.

Eine andere Gruppe von Kindern aber, die seit über 100 Jahren auf eine adäquate Behandlung wartet, sind die mehr als 100‘000 alkoholbehinderten Kinder allein in der Schweiz. Sie stehen unter ständigem psychischem Stress und erleben eine Jugend als emotionale Achterbahnfahrt. Zu Hause erwarten sie ängstlich den nächsten Elternstreit und in der Schule können sie die gewünschten Leistungen nicht erbringen, fallen oft auch als verhaltensgestört auf und keiner weiss warum. Die Lebenschancen sind reduziert, viele werden später selber einer Sucht zum Opfer fallen.

Sicher ist es für Politiker leichter, sich für die Fehler früherer Generationen zu entschuldigen und den letzten Überlebenden jener Zeit Geldgeschenke als symbolische Kompensation für die erlittenen Leiden auszuteilen, als auf das permanente Leiden der heutigen Kinder und Jugendlichen in alkoholbelasteten Familien zu reagieren. Nicht zuletzt deshalb, weil sie selber Teil des Problems sind: Sie verhindern mit ihrer nicht vorhandenen sozialen Alkoholpolitik, dass die Zahl dieser alkoholbehinderten Kinder massiv abnehmen kann. Ganz zu schweigen von den andern alkoholbedingten Schäden, die unsere Gesellschaft der Alkoholindustrie, ihrer Lobby und unserm schlecht informierten Stimmvolk zu verdanken hat.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu Effretikon und die Leberzirrhose-Toten

Dienstag 29. März 2016 von htm

19.03.2016

„regio“
Bezirk Pfäffikon

Per E-mail

 

Leserbrief zu „Alkoholprobleme: Illnau-Effretikon auf dem 2. Platz“ am 17.3.16

Die Toten durch Leberzirrhose haben seit jeher als Gradmesser für die Schwere des Alkoholproblems in einem Land gegolten.
Ein paar Zahlen zur Entwicklung dieser Todesart: Jahresmittel 1933/38: 229. 1972: 807; 1994: 539; 2015: 700. Das Risiko, daran zu erkranken, steigt bei Männern   bereits bei einem täglichen Konsum von 50 bis 80 g über 10 bis 15 Jahre deutlich an. Bei Frauen erhöht es sich bereits durch einen täglichen Konsum von mehr als 20 g, über den gleichen Zeitraum getrunken, deutlich. 10 g entsprechen etwa einem Standardglas.

Die Folgen des Alkoholkonsums beschränken sich bekanntlich nicht auf dieses Krankheitsbild. Unfalltote und -Invalide, über 60 Krankheiten, 200‘000 bis 300‘000 Alkoholkranke, über 100‘000 Kinder und Jugendliche, die in alkoholbelasteten Familien leiden, Gewalt, sexuelle Gewalt, Familientragödien bis zur Scheidung, Suizide, usw. Dazu mehrere Milliarden Sozialkosten, die wir alle ungefragt tragen müssen.

Ist Prävention wirklich unnötig? Die bürgerlichen Parteien glauben standhaft, die Eigenverantwortung genüge. Die Fakten liefern leider ein anderes Bild. Ihre Untätigkeit kostet jedes Jahr Menschenleben, Leid und viel Geld. Dabei ist schon lange bekannt, welche Massnahmen den Konsum und die Schäden wirksam reduzieren würden. Aber der Wille in der Politik und bei den meisten Exponenten der Zivilgesellschaft fehlt, etwas an der Situation zum Wohle der Gesellschaft zu verändern. Die Interessen der Alkoholindustrie und deren Lobby werden höher gewichtet und/oder der eigene Alkoholkonsum verhindert eine nüchterne Betrachtungsweise.

Die Rolle, die die Sportverbände spielen, ist eine von vielen Ursachen des Alkoholproblems im Lande. Dazu gibt es schweizerische Untersuchungen.

Auf meiner Webseite habe ich eine Projekt-Idee entwickelt, welche die Schäden stark reduzieren und gerade den Sportverbänden grosse finanzielle Mittel bringen würde. Die ganze Bevölkerung könnte profitieren. Aber, es bräuchte Leute mit Pioniergeist, ohne Scheuklappen.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer

(veröffentlicht am 24.3.16)

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CH: Lidl erhielt Alkohol-Verkaufsverbot

Sonntag 13. März 2016 von htm

Weil die Lidl-Filiale in Spiez Alkohol an Minderjährige verkauft hatte, wurde sie mit einem Alkohol-Verkaufsverbot für 2 Monate bis Ende Februar 2016 bestraft.

Quelle: Link, Berner Zeitung vom 8.1.16 / DHS Newsletter 1/2016

Unser Kommentar: a) In andern Medien habe ich diese Meldung nicht gefunden. b) So lange schon gibt es Alkoholtestkäufe mit vielen Verstössen. Das scheint nun das erste Verkaufsverbot zu sein. Es trifft, wen wunderts, eine ausländische Kette!

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Leserbrief zu den Übergriffen in Köln

Samstag 23. Januar 2016 von htm

13.01.2016

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Nach den Übergriffen in Köln: Jäger attackiert die Polizei“ am 12.1.16

Nach den Übergiffen in Köln und anderswo sucht man fieberhaft nach Verantwortlichen. Die Parteien und die Rechtsextremen versuchen Kapital aus den Vorkommnissen herauszuschlagen. Ein Verantwortlicher, obwohl in Berichten mehrfach genannt, wurde bis jetzt auffallend geschont: König Alkohol.

Alle sind über die angeblich plötzlich massenweise auftauchenden frauenerniedrigenden Attacken unter Alkoholeinfluss überrascht. Dabei sind wir im Westen doch an ähnliche Vorkommnisse bei Grossanlässen gewöhnt. Nur spricht man nicht darüber, bezeichnet sie höchstens als peinliche Kollateralschäden, die wir dem wirtschaftlichen Erfolg der Alkoholindustrie schulden.

Hätten die Politiker ihre Pflicht, für das Volkswohl zu sorgen, erfüllt, kämen Immigranten aus dem islamischen, weitgehend alkoholfreien Raum, die auf Alkohol wahrscheinlich stärker reagieren, gar nicht auf die Idee, sich mit Alkohol in eine euphorisierende Stimmung zu bringen. Und diese kann beim orientalischen Frauenbild besonders gefährlich werden. Aber sie sind lernfähig. Die Fasnacht, die Oktoberfeste, usw. lassen grüssen.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu Sucht aus der Sicht eines Neurologen

Samstag 16. Januar 2016 von htm

1.01.2016

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Eine Sucht zu überwinden, hat etwas Heroisches“, am 30.12.15

Die interessanten Ausführungen des Neurowissenschafters Marc Lewis bedürfen dringend einiger Ergänzungen, sind sie doch im Wesentlichen auf die von ihm als die grossen drei bezeichneten Stoffe Heroin, Crack und Methamphetamin zugeschnitten.

Er übersieht, dass die chemische Substanz Alkohol im Gehirn nicht nur neuronale Veränderung bewirkt, wie andere Süchte, sondern als Zellgift auch massenhaft Hirnzellen abtötet, was im Endeffekt zum Delirium Tremens und zum Tod führen kann. Dazu erzielt Alkohol im ganzen Körper schädliche Wirkungen, die WHO spricht von rund 60 verschiedenen Krankheiten, vor allem Krebsarten, bei denen Alkohol als Haupt- oder Nebenursache auftritt. Vor allem bekannt ist die Leberzirrhose, die meist tödlich endet, wenn kein Transplantat zur Verfügung steht.

„Diese grossen Drei“ verlieren gegenüber Alkohol auch an Bedeutung, wenn die soziale Komponente dazugerechnet wird. Als sozial-medizinische Droge steht Alkohol in Bezug auf die Gefährlichkeit weit an der Spitze. Obwohl es bis zu einer vollen Abhängigkeit Jahrzehnte dauern kann, wirkt Alkohol schon viel früher bei kleinen Mengen krebsfördernd. Im euphorischen oder aggresiven Zustand, mit je nach Alkoholverträglichkeit niedrigem oder höherem Alkoholpegel, werden Verträge oder Gesetze beschlossen (siehe Weltwoche-Artikel), werden Familien zerstört, Kinder unglücklich gemacht, ihrer Jugend und Zukunftschancen beraubt, Verbrechen begangen, unsägliches Leid verursacht, ganz abgesehen von den Milliarden an Sozialkosten, die wir alle tragen.

Damit nicht genug: Als gesellschaftlich akzeptierte Droge, von einer globalen Industrie mit unbeschränkten Mitteln gepusht, hat sich der Alkohol in unserm Leben derart breitgemacht, dass weder Politik noch Medien sich trauen, gegen diese Vergiftung namhaften Widerstand zu leisten und die Bevölkerung zu schützen. Im Gegenteil werden Barrieren, die während Jahrzehnten erkämpft wurden, laufend abgebaut.

Was Marc Lewis zum Genesungsprozess sagt, trifft weitgehend auch auf die Alkoholsucht zu. Zum Drehtürmechanismus im Zusammenhang mit Entzugskliniken muss immerhin hinzugefügt werden, dass bei uns bereits in den 1980er-Jahren bewusst vor allem von Freiwilligen-Institutionen (z.B. IOGT) darauf hingearbeitet wurde, dass die Entlassenen sofort den Übergang in eine Selbsthilfegruppe schaffen, damit die Wiedereingliederung in die Gesellschaft, mit ihren vielen Versuchungen, gelingen kann. Wer so weit kommt, hat wahrlich Heroisches geleistet und verdient alle Hochachtung und Unterstützung seiner Umgebung.

Freundliche Grüsse und die besten Wünsche zum neuen Jahr

Hermann T. Meyer, Effretikon

(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu: Bundesrat will Tabakwerbung schweizweit einschränken

Freitag 13. November 2015 von htm

12.11.2015

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Alain Berset legt sich mit Tabakfreunden an“ am 12.11.15

„Der Bund schlägt Alarm“, ein weiterer Artikel in der selben Nummer. Darin wird über eine Studie des BAG berichtet, in der eine Zunahme bei den jungen Rauchern und Raucherinnen dokumentiert wird. Ein langjähriger Abwärtstrend wurde umgekehrt. Der Bundesrat möchte dies korrigieren, indem er vorschlägt die Tabakwerbung bis auf das Sponsoring an Grossveranstaltungen (fertiger Witz) und in Verkaufsstellen zu verbieten.

Die bürgerlichen Parteien wollen dieses Gesetz versenken. Sogar der Kommentator im Tages-Anzeiger schwenkt auf deren Argumentation ein: Statt Werbeverbote müsse es das Umfeld der Jugendlichen richten. Wunderbar! Seit es Tabakprävention gibt, ist dies schon immer eines der Hauptgegenargumente gewesen. Es hat nie funktioniert. Und es wird auch in Zukunft nicht funktionieren, weil die Tabaklobby zu stark ist. Und weil in Ausweitung der Ausführungen von Constantin Seibt auf der Seite „Hintergrund und Debatte“ die Tabak-, wie die Alkoholindustrie, mit ihren Komplizen in den Medien und in der Politik, ein Teil der „Betrugsgesellschaft“ sind.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(mit Kürzungen am 13.11.15 veröffentlicht)

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