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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Dossiers'

Neue Presse-Runde im Zuger Sex-Skandal

Donnerstag 7. Mai 2015 von htm

7.4.2015

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Die küssen sich, was tun wir?“ Und „Kulturkampf in der Blocher-Falle“ am 7.4.15

Zum wiederholten Male wird dem Zuger Sex- und Politiker-Skandal eine ganze Seite gewidmet. Ohne neue Erkenntnis, dafür mit einer Frage: „Was tun wir?“ Gemeint sind wohl in erster Linie die ebenfalls anwesenden ParteifreundInnen der Jolanda Spiess, die wenigstens mündlich versuchten, sie auf den Pfad der Tugend zurückzubringen, aber entnervt aufgaben. Die Frage könnte sich aber auch an uns alle richten, die wir immer wieder in eine ähnliche Situation geraten können.

Dazu müsste man natürlich wissen, wie Alkohol wirken kann: Nicht bei allen gleich. Vier Drinks sind bei einer Frau möglicherweise schon genug für einen Filmriss. Wobei das Erinnerungsvermögen nachher bekanntlich beeinträchtigt ist. Vielleicht waren es ja auch mehr. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, die Zeugen des Ereignisses hätten nicht resigniert, sondern freundlich aber bestimmt die Alkoholisierte untergefasst und aus der Gefahrenzone gebracht.

Wenn sich die Frage „Was tun wir“ aber an uns alle richtet? Sollten wir aus der Geschichte etwas lernen? Auf der gegenüberliegenden Seite gibt uns Rudolf Strahm am Ende seines Artikels eine Antwort, die genau passt: „Aber wenn sich viele immer wieder die Frage nach eigenen Themen stellen, ist das schon die halbe Lösung.“ Das passende Thema hier wäre, der Schweiz endlich eine Alkoholpolitik zu geben, die der Bevölkerung und dem Land nützt und beiträgt, uns solche Dramen wie in Zug, die sich in der Schweiz tagtäglich in irgendeiner Form ereignen, immer mehr zu ersparen. Bei diesem Thema würde die Blocher-Partei ganz sicher nicht versuchen, die Leadership an sich zu reissen.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu: mässiger Alkoholgenuss sei nicht lebensverlängernd

Donnerstag 5. März 2015 von htm

12.02.2015
Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Verzerrte Alkoholstudien“ am 12.2.15

(Link: http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Ein-Glas-Wein-am-Tag-verlaengert-das-Leben-wohl-doch-nicht/story/22858268)

Als ums Jahr 2004 herum massenhaft Studien veröffentlicht wurden, die herausgefunden haben wollten, dass mässiger Alkoholkonsum lebensverlängernd wirke, haben Wissenschafter des University College London eine 10-jährige Langzeitstudie begonnen, über deren Ausgang der Tages-Anzeiger freundlicherweise auf der Wissenseite berichtet.
Bereits 2006 wurde eine grosse Meta-Analyse von 54 Untersuchungen veröffentlicht, die aufzeigte, dass diese alkoholpositiven Ergebnisse durch systematische Fehler zustande gekommen waren. (Prof. Kaye Middleton Fillmore, u.a., Department of Social and Behavioral Sciences, University of California, San Francisco) (siehe: http://www.alkoholpolitik.ch/archiv08/forschue/forsc117.htm) Ich hatte schon früher über die möglichen Unstimmigkeiten in diesen Untersuchungen auf meiner Webseite geschrieben und nach dieser bahnbrechenden Untersuchung auch die Schweizer Presse gebeten, nun fairerweise diese Studie ebenfalls zu verbreiten. Aber nichts geschah.
Sogar Gesundheits-Blätter liessen sich nicht erweichen und hielten an der werbewirksamen, meist von der Alkoholindustrie finanzierten Mär fest, mässiger Alkoholkonsum sei gesund. Die Wein- und Bierfabrikanten eiferten weiter um die Wette, dass nur ihr Produkt diese lebensverlängernde Wirkung aufweise und unsere Medien machten willfährig mit.
Das Resultat kennen wir. Die Alkoholindustrie ist stark wie nie zuvor. Regierung und Parlament wagen es nicht, König Alkohol zu bremsen. Im Gegenteil, es werden immer neue Liberalisierungsmassnahmen beschlossen und die Empfehlungen der WHO in den Wind geschlagen. Ob die Schweizer Wirtschaft nun merkt, wieviel Einsparungen möglich wären, würde der Alkoholkonsum sinken? Oder ist es einfacher zu jammern und Leute zu entlassen?

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(nicht veröffentlicht)

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Leserbrief zu “Migros die Welt Nr. 1″

Dienstag 17. Februar 2015 von htm

03.02.2015

Migros Magazin
Postfach
8031 Zürich

per e-mail: redaktion@migrosmagazin.ch

Leserbrief zu „Weltweit die Nummer eins“ vom 2.2.15

Unter Punkt 5 Produkte und Dienstleistungen ging die wichtigste und nachhaltigste Leistung der Migros und vor allem ihres Gründers Gottlieb Duttweiler vergessen: Der Verzicht, in der Migros alkoholische Getränke zu verkaufen. Wenn man weiss, dass die Erhältlichkeit von Alkohol neben der Preisgestaltung das zweitwichtigste Kriterium ist, das den Gesamtkonsum von Alkohol beeinflusst, kann diese Leistung nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Auch wenn die Migros-Leitung in den Tochtergesellschaften, unter Missachtung des Gründerwillens, den Verkauf alkoholischer Getränke durchgesetzt hat, und die migroseigenen alkoholführenden Denner-Filialen seit einiger Zeit neben den Migros-Supermärkten platziert werden, hat unser Volk doch während Jahrzehnten von dieser segensreichen Geschäftspraxis profitieren dürfen. Und die Migros hat bewiesen, dass es möglich ist, auch ohne den lukrativen Alkoholhandel im heutigen erbarmungslosen Wettbewerb bestehen zu können. Dies wäre auch eine Feier wert.

Mit freundlichen Grüssen

Hermann T. Meyer

(nicht veröffentlicht)

 

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Leserbrief betr. K.-o.-Tropfen und der Sex-Skandal in Zug

Sonntag 15. Februar 2015 von htm

30.01.2015

NZZ am Sonntag
Leserbriefe
per e-mail

Betr. “Sie löschen die Erinnerung aus“ am 25.1.15

Die Autorin Gordana Mijuk hat einen recht umfassenden Artikel zur Problematik der K.-o.-Tropfen geschrieben. Die von ihr erwähnten Untersuchungen finden sich übrigens seit ihrem Erscheinen auf www.alkoholpolitik.ch. Die Quintessenz war, in den meisten Fällen spielte halt doch der Alkohol die Hauptrolle und K-o.-Tropfen wurden als Ausrede vorgeschoben.

Nun könnte man zur Tagesordnung übergehen. Denn dass der Alkohol in unserer Gesellschaft eine unrühmliche Rolle spielt, wissen wir längstens. Und den Beteiligten in Zug wäre damit sicher auch gedient. Ich meine, dies wäre wieder einmal der Moment innezuhalten und zu überdenken: Wollen wir wirklich, dass wir derart von König Alkohol beherrscht werden, dass wir solche Dramen wie in Zug als gottgegeben einfach immer wieder hinnehmen?

Dieses Drama ist nur eines unter vielen, die sich laufend alkoholbedingt meist im Verborgenen abspielen. Bald ist wieder Fasnachtszeit, dann hat diese Art Volksbelustigung wieder Hochkonjunktur. Leidtragende sind in erster Linie die betroffenen Kinder. Welcher Journalist beschreibt ihre Not? Und fordert die Politik auf, Abhilfe zu schaffen? Beide Seiten versagen ständig.

Die Presse ortet die Verlierer in Zug auf beiden Seiten. Tatsache ist, dass wir alle Verlierer sind, solange wir Politiker wählen, die nicht wahrhaben wollen, dass die Alkoholindustrie uns beherrscht und dass ihrem Wirken dringend Grenzen gesetzt werden müssten.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer

(nicht veröffentlicht)

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Kommentar zu Blog über “die Droge der Frauen”

Freitag 6. Februar 2015 von htm

Ich finde es sehr löblich, dass für einmal ein Lifestyle-Magazin die Alkoholfrage thematisiert und eine interessante Diskussion hervorruft. Normalerweise sind heute in jeder Zeitung Lifestyle-Rubriken, die meistens Alkoholwerbung betreiben. Was heute als Lifestyle daherkommt, ist nichts anderes als das offensichtliche Zeichen dafür, dass die Alkoholindustrie mit ihren Werbekomplizen ihr Ziel praktisch erreicht haben. Was in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts mit “Ein Bier mit dir” begann, kulminierte mit der Erreichung der Mädchen mit Alcopops. Wir sind fremdbestimmt durch die Alkohollobby.

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Leserbrief zum Alkohol-Sex-Skandal in Zug

Samstag 17. Januar 2015 von htm

15.01.2015

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

Leserbrief zu „Die Doppelmoral des Volkes“,  u.a. am 6.1.15, 9.1.15, 15.1.15, im Tages-Anzeiger

Raphaela Birrer stellt die Frage, warum wir als Gesellschaft so hohe Ansprüche an die Moral der Politiker stellen und wo die zu tolerierenden Grenzen bei Verfehlungen liegen würden. Für sie sollte ein Fall wie in Zug oder Baden erst nach einem richterlichen Urteil an die Öffentlichkeit gehören.

Einen Aspekt, der für unsere Gesellschaft sehr relevant ist, hat sie übersehen: Die Bedeutung des Alkoholproblems.

Nach dem Skandal in Baden haben wir nun einen noch gravierenderen Fall in Zug. Was in Baden nie angesprochen worden war, obwohl man sich fragen kann, ob ein erfahrener Politiker nüchtern so dumm sein kann, ist die Sache in Zug ganz klar: Der Alkoholkonsum war erheblich. Die Folgen wiegen schwer. Egal, ob K.O.-Tropfen im Spiel waren oder nicht. Auch egal, ob es zu einer Anklage kommt oder nicht. Die beiden Der Mann haben einmal mehr bewiesen, dass sogar Politiker, die Verantwortung für die Gesellschaft tragen, der Verantwortung im Gebrauch von Alkohol nicht gewachsen sind. Besonders makaber stossend ist dabei, dass der mutmassliche Täter kantonaler Parteivorsitzender der SVP ist, die ja diese Selbstverantwortung immer dann hochjubelt und als wichtigstes Gegenargument ins Feld führt, wenn es für sie darum geht, im Parlament wirksame Gegenmassnahmen gegen die Alkoholschädigungen abzuschmettern.

Der Anwalt des Beschuldigten schreibt in einer Medienmitteilung, mit ihren politischen Funktionen habe dieser Vorfall nichts zu tun. Schön wär’s.

Die Presse ortet die Verlierer auf beiden Seiten. Tatsache ist, dass wir alle Verlierer sind, solange wir Politiker wählen, die nicht wahrhaben wollen, dass die Alkoholindustrie uns beherrscht und dass ihrem Wirken dringend Grenzen gesetzt werden müssten.

Dieses Drama ist nur eines unter vielen, die sich laufend alkoholbedingt meist im Verborgenen abspielen. Bald ist wieder Fasnachtszeit, dann hat diese Art Volksbelustigung wieder Hochkonjunktur. Leidtragende sind in erster Linie die betroffenen Kinder. Welcher Journalist beschreibt ihre Not? Und fordert die Politik auf, Abhilfe zu schaffen? Beide Seiten versagen ständig. Michèle Binswanger, in ihrem Kommentar „Missbrauch“ meint im Gegenteil, die beiden Beteiligten hätten besser den Vorfall unter Ausschluss der Öffentlichkeit geklärt. Die SVP mit ihrer verlogenen Alkoholpolitik sieht das sicher auch so.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(veröffentlicht mit leichten Kürzungen am 17.1.15)

 

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Leserbrief zur vorgestellten Rentenreform

Freitag 21. November 2014 von htm

20.11.2014

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich


Leserbrief zu „Die Rettung der Renten könnte gelingen“, u.a. am 20.11.14

Dass die Rentenreform kommen muss, ist wohl den meisten klar. Nur wer welche Kröte schlucken muss, darüber wird nun ein grosses Gerangel entstehen. Ein wunder Punkt ist sicher die unsoziale Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Gunsten der AHV, die den täglichen Konsum und damit die Lebenskosten aller betrifft. Vor allem aber von jenen mit beschränktem Budget.

Seit vielen Jahren geht der Hauptanteil an den Steuern auf Spirituosen, d.h. jährlich etwa 200 Mio. Franken an die AHV. Eine Weinsteuer und eine Biersteuer, die ihren Namen verdient, kennen wir nicht. Was liegt näher, als diese Lücken durch eine allgemeine Lenkungsabgabe auf Alkohol zu schliessen und damit die Erhöhung der Mehrwertsteuer abzuwenden?

Unsere Gesellschaft leidet, wie andere Länder auch, an der alten Volkskrankheit Alkoholismus. Er ist unser grösstes sozialmedizinisches Problem. Das Alkoholproblem lässt sich allerdings nicht nur auf die abhängigen Kranken reduzieren, es durchdringt noch viele andere Bereiche unserer Gesellschaft. Wir alle leiden unter den Folgen des Konsums dieses legalen Suchtmittels, das seit seiner industriellen Herstellung und Vermarktung im 19. Jh. zur Volksplage geworden ist. Heute wird mit 6 Mia. Franken an Sozialkosten gerechnet, die der Staat, d.h. wir alle tragen. Das grosse, damit verbundene Leid wird verdrängt, so lange es nicht einen selbst betrifft.

Die Erfolge der Prävention sind bisher leider sehr bescheiden geblieben, vor allem weil die Politik im Verbund mit der Wirtschaft die wirtschaftlichen Aspekte stets als wichtiger einstufte als die gesundheitlichen. Und weil aufklärende Prävention, die in den letzten 20 Jahren fast ausschliesslich betrieben wurde, in unserem, von der Alkoholwerbung dominierten „feuchten Klima“, und bei den limitierten Mitteln keine Chance hat. 

Inzwischen ist eine Wende erkennbar. Steuern auf Suchtmitteln zur Schadensreduzierung wurden plötzlich möglich. Prof. Jürgen Rehm brach das Tabu und sprach öffentlich über die Wirksamkeit der steuerlichen Massnahmen. Die Zeit scheint reif für das Projekt, das ich vor Jahren auf meiner Webseite entwickelt hatte: Lenkungsabgabe, d.h. allgemeine Alkoholsteuer, nach dem Verursacherprinzip, die möglichst viel der wirtschaftlichen Schäden des Alkoholkonsums deckt, zur Hälfte an die AHV/IV fliesst, die Kosten von Bund und Kantonen für Rehabilitation und Prävention ausgleicht, die durch den Konsumrückgang benachteiligten Bauern unterstützt und im Sinne der Prävention Sport- und Kultur-Sponsoring im grossen Stil möglich macht. (Änderungen sind natürlich möglich) Vielen kritischen Problemkreisen in der Schweiz könnte damit wesentlich geholfen werden. Auch den zuerst sicher ablehnenden Gruppierungen, wie Bauern, Werbewirtschaft, Presse könnte vielleicht eine Zustimmung abgerungen werden, wenn sie einsehen, dass sie eher profitieren würden. Die Wirtschaft, die immer mehr auf gesunde Arbeitskräfte angewiesen ist, müsste dieses Projekt aus eigenem Interesse sofort unterstützen. Auch weil Gelder, die nicht für Alkohol ausgegeben werden, in andere Branchen fliessen oder an die Banken gehen, die damit in die Wirtschaft investieren können.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(Am 21.11.14 stark gekürzt veröffentlicht)

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Leserbrief betr. Suchtmonitor 2014 des BAG

Samstag 1. November 2014 von htm

30.10.2014

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Die Bedeutung von Bier“ am 30.10.14  (Link: http://www.tagesanzeiger.ch/leben/essen-und-trinken/Die-Bedeutung-von-Bier/story/24863950)

Der Autor Philippe Zweifel hat den „Suchtmonitor“ des Bundesamts für Gesundheit gelesen und gibt an prominenter Stelle (s)eine Meinung dazu kund. Üblicherweise veröffenlicht ein gutes Presseerzeugnis eine Information und stellt daneben einen Kommentar. So wird dem Leser ermöglicht, sich eine eigene Meinung zu bilden. Jedenfalls in dieser Tages-Anzeiger-Nummer ist von der Information nichts zu sehen. Der nützliche Link http://www.suchtmonitoring.ch/de.html fehlt ebenfalls.

Nach vielen Zeilen belangloser Allgemeinplätze kommt er zum Schluss, uns fehle ein „kultureller Konsens, was Trinken bedeutet: wie und wann Alkohol getrunken wird. Dabei wäre eine kulturelle Einbettung des Trinkens ein wirkungsvolleres Mittel, um Abhängigkeiten zu verhindern, als Gesetze und Therapien.“ Ihm schweben Gesellschaften vor, in denen Alkohol vor allem rituell getrunken wird.

Dann findet er, in der Schweiz sei Alkohol eine Kulturdroge. Passender fände ich in diesem Zusammenhang Scheinkultur. Bereits im 19. Jh. war klar, dass uns der Alkohol von der Wiege bis zur Bahre begleitet. 2001 hatte die Tate Britain Gallery in London ein gewaltiges Gemälde restauriert und erstmals nach fast 100 Jahren der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht: “The Worship of Bacchus” von George Cruikshank. 1862 (236 cm x 406 cm, Öl auf Leinwand) BBC Television widmete ihm eine grosse Dokumentarsendung: “A 1000 Ways of Getting Drunk in England”.

Dass die Werbung es fertig gebracht hat, auch unsere Jugend und die Frauen in diesen Bann zu ziehen und fast alle Lebensbereiche dem Alkohol zu öffnen, müsse man nicht schlimm finden. „Man sollte sich aber bewusst sein, dass für eine Abhängigkeit nicht nur die Trinkmenge, sondern auch der Grund relevant ist,“ findet er. So einfach ist das.

Dieser Artikel reiht sich würdig in die Reihe derer ein, die dem schwerwiegenden Thema des Alkoholproblems (es geht dabei nicht nur um persönliche Abhängigkeit) in keiner Weise gerecht werden. Er leistet keinen wirklichen Beitrag, dem Leser einerseits die Schädlichkeit des Konsums aufzuzeigen, sowie andererseits die bekannten wirksamen Verbesserungsmöglichkeiten verständlich zu machen. Die gewaltigen Schäden, die wir als Einzelne wie als Gesellschaft zu tragen haben, sind für Philippe Zweifel offensichtlich Peanuts, die der Alkoholkultur selbstverständlich geschuldet sind.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(mit Kürzungen veröffentlicht am 1.11.14)

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Geschäfte der Herbstsession im Ständerat

Freitag 29. August 2014 von htm

http://www.parlament.ch/D/mm/2014/Seiten/vorschau-hs-
2014-sr.aspx
u.a. Differenzbereinigung neues Alkoholgesetz, z.B. 
Nachtverkaufsverbot, Steuer auf Spirituosen, Mindest-
preis, Subventionierung der Spirituosenherstellung

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholsteuern, Allgemein, Jugend, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Schweiz, Verhältnis-Präv., Verschiedene | Keine Kommentare »

Wenn es ums Trinken geht, ist er immer an vorderster Front mit dabei

Samstag 9. August 2014 von htm

Im Gespräch mit den Leserbrief-Autorinnen und Autoren (des Tages-Anzeigers)

Für Hermann T. Meyer ist das Leserbriefschreiben mehr als Frustbekämpfung: Er kämpft gegen Alkoholismus .

Von Gabriella Hofer

500 Leserbriefe sind es bis jetzt. Er möchte wachrütteln, Bewusstsein fördern, in der Hoffnung, dass seine Botschaft präventiv wirkt. Hermann T. Meyer (76) aus Effretikon ist ein themenspezifischer Schreiber. Wenn der «Tages-Anzeiger» über Alkoholismus im Allgemeinen und über die Schweizer Alkoholpolitik im Speziellen berichtet, setzt er sich regelmässig an den PC und schreibt Leserbriefe. «Das Alkoholproblem ist ein Gesellschaftsproblem», sagt Meyer, «da dürfen wir Gesunde nicht einfach zuschauen – und darum halt auch nicht, was in der Zeitung geschrieben steht, unreflektiert stehen lassen.» Gemäss offiziellen Zahlen konsumiert allein in der Schweiz rund eine Million Menschen Alkohol auf eine Art und Weise, mit der sie sich gesundheitlich schadet, und Familie aber auch die ganze Gesellschaft belastet. Darauf will Meyer immer und immer wieder hinweisen, so lange ich lebe, sagt er. Als Leserbriefschreiber, das weiss Meyer, kann er nur beschränkt präventiv wirken. «Der Ball liegt bei der Politik», betont er, «damit vor allem auch Junge nicht unüberlegt Alkohol geniessen.» Allerdings dürfe die Politik das Alkoholproblem nicht nur auf den Jugendalkoholismus reduzieren. Es sei ein gesellschaftliches Problem, zu dem alle beitragen würden, und sei es auch nur aus Gleichgültigkeit.

«Wir sind alle Passivtrinker»

«Auch tragen wir als Steuerzahler und Versicherungsnehmer die finanziellen Kosten des Alkoholkonsums.» Laut Meyer wird dies zu wenig ernst genommen, weil sehr oft die eigene Konsumhaltung, wirtschaftliche Interessen und die gesellschaftliche Wirklichkeit einer objektiven Betrachtungs- und Handlungsweise im Wege stehen. «So gesehen sind wir alle Passivtrinker.» Das sagt Hermann T. Meyer, der seit seinem 15. Altersjahr abstinent lebt. Sein Vater war Alkoholiker. Die Familie hat sich den Guttemplern (IOGT) angeschlossen, einer international tätigen konfessionell unabhängigen Organisation, die sich gemäss eigenem Leitbild für Enthaltsamkeit von Alkohol und anderen bewusstseinsverändernden Drogen und für Frieden einsetzt.

Als Sohn eines Alkoholikers weiss der engagierte TA-Leserbriefschreiber nur zu gut: «Ein Alkoholiker hat keine Impulskontrolle, er verliert jegliches Verantwortungsbewusstsein und seine Liebesfähigkeit, wird aggressiv oder depressiv, was sich alles auf sein Umfeld auswirkt, und zudem schadet er sich körperlich selbst.»

Als Erwachsener setzte sich Meyer während etwa 45 Jahren in der Jugend- und Sozialarbeit ein und auch als Reallehrer betrieb er Suchtprävention. «Wir müssen Alkoholikern Hilfe bieten, damit sie ihre Sucht in den Griff bekommen.»  Ein wichtiger Moment in der Rehabilitation sei die Rückkehr nach einem Kuraufenthalt in die Gesellschaft und ins Erwerbsleben. Damit dies möglichst problemlos verlaufen kann, schuf Meyer in Absprache mit einem Berater der Zürcher Alkoholfürsorgestelle 1988 einen Verbund von Nachsorge-Gesprächskreisen mit fachlicher Leitung, die auch heute noch angeboten werden. Der Kanton Zürich und später der Kanton St. Gallen finanzierten das Projekt zu zirka 80 Prozent aus Mitteln des Alkoholzehntels. Das Defizit wurde in den ersten Jahren aus Spenden und dem Überschuss des Guttempler-Weltkongresses (IOGT) bestritten, der 1986 im Zürcher Kongresshaus unter der OK-Leitung von Hermann T. Meyer stattfand und von 1200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt besucht wurde.

Briefe, Flyers und eine Webseite

Zur Zeit der offenen Drogenszene in Zürich fanden in zahlreichen Schulgemeinden Elternabende zum Drogenproblem mit Fachleuten statt. Nach dem Besuch einer solchen Veranstaltung äusserte sich Meyer gegenüber eine Mutter «total verunsichert», wie er erzählt. Theoretisch sei bei ihr alles gut rübergekommen, aber sie wisse nicht, was sie praktisch tun könnte, um ihre Kinder zu schützen. Das war für Meyer 1988 der Startschuss für seine erste Flyer-Kampagne. Eltern und Schulen begrüssten die Information. Es wurden 110 000 Exemplare bestellt; gleichen Jahres wurden Meyers Flyers auch noch in italienischer Sprache herausgegeben.

Gesang und Weib – ohne Wein

1999 liess sich Reallehrer Meyer vorzeitig pensionieren, um sich – neben seinem Hobby Reisen – als unabhängiger Fachmann der Alkoholpolitik zu widmen. Seine Tätigkeit brachte ihn sowohl mit der Fachliteratur wie mit massgebenden Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Alkoholfrage in Berührung, sowohl im In- wie auch im Ausland. Er betreibt die Webseite www.alkoholpolitik.ch, die auch seine inzwischen 500 Leserbriefe beinhaltet. Seinen, wie er selber sagt, «alkoholpolitischen Frust» vertreibt der verheiratete TA-Leser mit «Weib und Gesang – und eben ohne Alkohol!», wie er schmunzelnd beifügt, im Kirchenchor. Auch geht er wöchentlich zum Gesangsunterricht, unterstützt als Gastsänger verschiedene Chöre und tritt gelegentlich als Solist bei kleineren Opern-Projekten auf. «Das ist Balsam für meine Seele.»

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