
Forschungsergebnisse
Wie Wissenschaft, Medien und Politik oft übersteigert auf vermeintliche
Durchbrüche in der Forschung reagieren.
(Oft zieht die Alkoholindustrie die Fäden, Kommentar der Webredaktion)
Im Tages-Anzeiger vom 11.4.03 berichtet Rosmarie Waldner anhand eines
Beispiels über Supraleitenden Plastik (Science 2001) über den ein Jahr später
gleichenorts vom "Reinfall des Jahres" geschrieben wurde, wie mit
schöngefärbten Resultaten auch in renommierten Wissenschaftszeitschriften die
Öffentlichkeit betrogen werden kann. Die Medien, die auf tolle Stories erpicht
sind, bauschen die Sache noch auf und die Politik bedient sich ihrer nach
Belieben.
Anlass zu diesem Artikel bot die Physikerin und Wissenschaftsforscherin
Ulrike Felt von der Universität Wien. Sie ist im laufenden Semester
wissenschaftlicher Gast am Collegium Helveticum der ETH Zürich. In ihrer
Antrittsvorlesung verwendete sie dieses Beispiel, um die Verflechtungen von
Wissenschaft, Medien und Politik aufzuzeigen.
In der Wissenschaftswelt wird der Wert eines Wissenschafters u.a. an der
Anzahl seiner Publikationen in einer angesehenen Fachzeitschrift gemessen. Dies
verleitet einige meist junge und ehrgeizige zur Produktion einer grossen Anzahl
von Publikationen. Mit der steigenden Zahl mehre sich auch die Glaubwürdigkeit
und das Ansehen und die Gutachter schauten nicht mehr so genau hin. Dann würden
die Medien die Story aufgreifen, sie wittern ein "Wunderkind" und
produzierten vielversprechende Zukunftsszenarien. Die Wirtschaftspolitik ziehe
nach und offeriere grosszügige Budgets für die Weiterarbeit.
Wenn Zukunftsszenarien reelle Möglichkeiten oder notwendige Fantasien
spiegelten, könnten sie die Forschung beflügeln. Als verkaufte Hoffnungen
seien sie aber nur Marketinginstrument und könnten ernsthafte Flops oder
Rückschläge verursachen.
Zukunftsszenarien sollten vor allem das Überdenken des Forschungsalltags und
die dort geltenden Regeln anregen, sowie die Verflechtung von Wissenschaft,
Medien und Politik aufdecken.
Kommentar:
Vielleicht hätte es den Rahmen ihrer Antrittsvorlesung gesprengt, aber der
Einfluss der Suchtmittelindustrie, oder sogar der Wirtschaft allgemein, auf die
Forschung und deren Einfluss auf Medien und Politik müsste in diesem
Zusammenhang auch erwähnt werden.
Besonders für die Schweiz ist es aktuell, wo doch die kürzlich aus Angst
vor Werbeeinschränkungen gebildete Allianz der Spirituosenhändler mit der
Werbebranche sich in einer bedenklichen Medienpräsenz spiegelt. (Z.B.
alkoholfreundliche Sendung am SF DRS am 17.12.02, K-Tipp vom 12.3.03 und
Sonntagszeitung vom 9.2.03. Wir haben darauf reagiert.) Da wird mit grossen
Schlagzeilen verkündet, wie gesund doch Alkohol sei und irgendwo, meist im
Kleingedruckten, wird darauf hingewiesen, dass es allerdings Einschränkungen
gebe. Ein unwürdiges Gebaren von wichtigen Blättern, die weiss wie stolz auf
ihre Redlichkeit und ihren ehrenhaften Journalismus sind. Vielleicht kommen sie
auch noch auf die Welt, wenn sie ihren Flop erleben.
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