Alkoholmissbrauch
kann zu zahlreichen körperlichen und psychischen Schädigungen
führen: Bluthochdruck, Hirnschlag, Mundhöhlen- und
Rachenkrebs, Zirrhosen und Psychosen. Gemäss der
Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere
Drogenprobleme (SFA) sterben pro Jahr mehr als 2100
Personen wegen Alkoholmissbrauchs.
40 Prozent der Todesfälle sind auf Krankheiten des
Verdauungsapparates zurückzuführen. Weitere wichtige
Ursachen sind Verkehrsunfälle, Stürze, Gewalt und
Suizid. Von einem deutlich risikohaften Alkoholkonsum
spricht man bei Frauen ab einer Menge von 20 Gramm
reinen Alkohols pro Tag, bei Männern ist es das
Doppelte. Mit drei bis vier Stangen Bier pro Tag sind
die 40 Gramm bereits erreicht.
Alkoholmissbrauch
verursacht Krankheiten, Unfälle und
Produktionsverluste
Alkoholmissbrauch
verursacht zunächst einmal direkte materielle Kosten:
Alkoholkranke benötigen medizinische Behandlungen und
Therapien. Weitere Kosten entstehen durch Sachschäden
alkoholbedingter Unfälle. Jährlich summieren sich
diese Kosten auf 700 Millionen Franken. Wenn die
Betroffenen durch Unfall oder Krankheit für kürzere
oder längere Zeit arbeitsunfähig werden oder einen
frühzeitigen Tod erleiden, entstehen daraus
Produktionsverluste, die für die Gesellschaft
indirekte materielle Kosten darstellen. So gehen durch
die 2100 alkoholbedingten frühzeitigen Todesfälle 28
500 produktive Jahre verloren. Allein die Invalidität
wegen Alkoholmissbrauchs führt zu einem jährlichen
Produktionsverlust von 175,3 Millionen Franken.
Insgesamt belaufen sich die indirekten materiellen
Kosten auf 1,5 Milliarden jährlich.
Den
weitaus grössten Anteil an den sozialen Kosten machen
jedoch die immateriellen Kosten aus. Damit ist das körperliche
und seelische Leiden der Alkoholkranken und
ihrer Angehörigen sowie der Verlust an Lebensqualität
gemeint. Alkoholmissbrauch hat oft verheerende
Auswirkungen auf das soziale Umfeld: Familienangehörige,
vor allem Kinder, sind meist völlig überfordert und
stehen unter einem starken Leidensdruck. Nicht selten
ist auch psychische und physische Gewalt im Spiel.
Immaterielle Kosten
– schwerwiegend und schwierig zu beziffern
Den alkoholbedingten Verlust an
Lebensqualität in Franken zu beziffern, ist
methodisch nicht einfach, aber dennoch wichtig,
schliesslich stellen diese negativen Auswirkungen für
die Gesellschaft eine unwiderlegbare und
schwerwiegende Realität dar. Die Studie des Instituts
für Wirtschafts- und Regionalforschung (IRER) der
Universität Neuenburg veranschlagt die immateriellen
Kosten mit 4,3 Milliarden. Dabei handelt es sich
allerdings um eine vorsichtige Schätzung, wie der
Studienleiter Prof. Claude Jeanrenaud zu bedenken
gibt. Zum einen sei in dieser Studie bloss mit den 300
000 Alkoholabhängigen gerechnet worden, ohne die
Personen mit einem missbräuchlichen Alkoholkonsum,
der ebenfalls viele negative Auswirkungen habe, mit
einzubeziehen. Zum anderen gebe es grundsätzlich nur
wenige Daten zu den Folgen des Alkoholmissbrauchs.
Deshalb konnte in der Studie der Einfluss des Alkohols
auf Gewalthandlungen oder auf die Leistung bei der
Erwerbsarbeit nicht berücksichtigt werden. Ein
Bereich, in dem offensichtlich noch ein grosser
Forschungsbedarf besteht.
Um die immateriellen Kosten zu ermitteln, hat das IRER
in einer Umfrage mit der "Willingness-to-pay"-Methode
die "Zahlungsbereitschaft" für
alkoholbedingte Krankheiten erhoben. Die Befragten
wurden zunächst über die Konsequenzen der
wichtigsten alkoholbedingten Krankheiten wie
beispielsweise Leberzirrhose oder Rachenkrebs
informiert und anschliessend befragt, wie viel sie von
ihrem Einkommen abzugeben bereit wären, um das Risiko
für diese Krankheiten zu reduzieren. Die so erfragten
Geldbeträge wurden dann mit der Zahl der
alkoholbedingten Krankheitsfälle in der Schweiz
multi-pliziert, was zu einer Summe von 1,3 Milliarden
Franken führte. Ebenfalls veranschlagt wurden die
immateriellen Kosten von alkoholbedingten Verkehrsunfällen
(1,2 Milliarden) und die immateriellen Kosten, die
durch die psychische und soziale Belastung der
alkoholabhängigen Menschen und ihrer Angehörigen
entstehen (1,8 Milliarden). Insgesamt kommt man so auf
immaterielle Kosten in der Höhe von 4,3 Milliarden
Franken.
Die sozialen Kosten
des Rauchens, des Alkohols und illegaler Drogen
Die vorliegende Untersuchung ist die zweite
in einer Serie von drei Studien, die vom Bundesamt für
Gesundheit (BAG) in Auftrag gegeben wurden. Die erste
Studie (1998) untersuchte die sozialen Kosten des
Rauchens und die dritte Studie, deren Ergebnisse im nächsten
Jahr veröffentlicht werden, befasst sich mit den
sozialen Kosten illegaler Drogen.
Die Studie
zu den sozialen Kosten des Alkoholmissbrauchs ist das
Produkt einer Zusammenarbeit verschiedener
Forschungsstellen. Die Schweizerische Fachstelle für
Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) lieferte die
epidemiologischen Daten zu Krankheits- und Todesfällen
sowie Unfällen, die alkoholbedingt sind. Das Basler Büro
HealthEcon ermittelte die Daten zu alkoholbezogenen
medizinischen Aufgrund dieser Daten berechnete das
Institut für Wirtschafts- und Regionalforschung (IRER)
der Universität Neuenburg die direkten und indirekten
Kosten, die entstehen, sowie die immateriellen Kosten,
die durch den Verlust an Lebensqualität verursacht
werden. Behandlungen und Therapien.