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Jugendsession 04

Vom 4. - 6. November 2004 fand im Bundeshaus in Bern die diesjährige Jugendsession statt. Sie hatte die Schwerpunktthemen Umwelt und Gesundheit und behandelte u.a. auch das Alkoholproblem unter dem Titel "Säuft sich die Jugend zu Tode?"

Zum Thema Alkohol wurden zwei Petitionen verabschiedet:

Mit der ersten Vorlage fordern die Jugendlichen die Einführung von präventiven, regelmässigen Workshops an den Schulen. Ein neuer Ideenansatz ist in der Art der Vermittlung zu finden, so will die Arbeitsgruppe den Schülerinnen und Schüler kontrollierte Erfahrungsmöglichkeiten mit Alkohol bieten. Man erhofft sich von den erlebten Auswirkungen eine effektvolle Abschreckung. Dieser kreative, wenn auch schwierig umsetzbare Vorschlag wird mit 110:25 Stimmen angenommen.

Die Petition der französischsprachigen Arbeitsgruppe wird vom Plenum ebenfalls, wenn auch mit einer etwas weniger deutlichen Mehrheit, verabschiedet. Die wortgewandten jungen Redner plädieren für eine Ausweitung des Geltungsbereiches des Bundesgesetzes über Alkohol auf sämtliche alkoholhaltigen Getränke – also auch auf Bier, Wein und Apfelwein. Dies hätte zur Folge, dass die Getränke konsequent im Verhältnis zu deren Alkoholgehalt besteuert würden.

Die anfänglich zögerlich geführten Debatten drehen sich unter anderem um die Frage, ob Preiserhöhungen den Konsum wirkungsvoll reduzieren oder lediglich das Preisniveau der Schweiz unnötig erhöhen. Wie Herr Bundespräsident Deiss bereits in seiner Eröffnungsrede erwähnt hat, würde eine höhere Alkoholsteuer zudem die Marktstellung der Schweizer Weinbauer empfindlich schwächen. Nebst den Petitionsvorlagen wird auch über zwei Gegenvorschläge abgestimmt, wonach zum Beispiel an allen Verkaufsstellen ein klar sichtbares Schild angebracht wird, das auf Stichproben bei der Alterskontrolle hinweist. Diese Idee findet im Plenum keine Mehrheit. Einig sind sich die Sessionsteilnehmenden aber, dass „sich die Jugend nicht zu Tode saufen soll.“

Quelle: Webseite "youthguide.ch", Online - Jugendmagazin

Jugendsession 04: Säuft sich die Jugend zu Tode?
06.11.2004 von karin etter / andrea würsten

 

Kommentar: Vorgängig der Session war auch von einer Petition über die Alkoholwerbung die Rede. Offenbar wurde aber dieses heisse Thema fallengelassen. Immerhin ist der Wunsch nach einer generellen Alkoholsteuer bemerkenswert, auch dass Bundespräsident Deiss die Interessen der Weinbauern ins Spiel brachte. Wenn er unser Projekt kennen und unterstützen würde, (auf www.alkoholpolitik.ch) müsste er sich weniger sorgen, denn diese würden massiv unterstützt und für eventuelle Verluste entschädigt. Wenn die Steuer in Franken nach Alkoholgehalt festgelegt würde und nicht prozentual, würden die hochpreisigen Schweizer Weine weniger betroffen als die billigen ausländischen und somit sogar bessergestellt. (Z.B. 1 L ausländischer Wein zu Fr. 5.-- wird mit Fr. 5.-- besteuert, d.h. der Preis verdoppelt. Der teurere Schweizer Wein von z.B. Fr. 20.-- wird mit einer Steuer von Fr. 5.-- nur ein Viertel teurer, d.h. +100% zu +25%!

Der Vorschlag, den Schülern ein Alkoholerlebnis zu ermöglichen, finde ich im Zeitalter der süssen Alcopops sehr gefährlich. Dem Grundsatz, die Bekanntschaft mit Alkohol möglichst lange hinauszuzögern, weil dadurch die Gefahr von spätern Alkoholproblemen vermindert wird, entspricht diese Idee auch nicht gerade.

Die Vorbereitung der Session mit den anspruchsvollen Themen scheint mir etwas oberflächlich gewesen zu sein, jedenfalls wird von Anzeichen einer gewissen Überforderung berichtet. Dass eine durchtanzte Freinacht mit Alkoholausschank anderntags einer lebhaften, hochstehenden Debatte nicht gerade förderlich sein würde, hätten sich die Organisatoren schon vorher ausdenken können. 

Das Interesse der Politiker an der Session hielt sich mit 5 zeitweise Anwesenden in engen Grenzen und das Schicksal der früher eingereichten Petitionen lässt für die aktuellen Eingaben keine grossen Hoffnungen aufkommen. Auch dass die junge Nationalrätin, die als Beraterin mitwirkte,  am entscheidenden Abstimmungstag fehlte und für Fragen nicht mehr zur Verfügung stand, ist bedauerlich und der Sache nicht dienlich. Ich glaube, dass mit besseren Beratern und Fachleuten während der Vorbereitung mehr Wirkung hätte erzielt werden können. Auch sollte das Lobbying verbessert werden.

Effretikon, 7.11.04, Hermann T. Meyer, während 12 Jahren Vorstandsmitglied der SAJV, als für öffentliche Subventionen gekämpft wurde, die der SAJV u.a. ein professionelles Sekretariat ermöglichten; Mitbegründer und erster Präsident der internationalen Kommission. 

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Stand: 03.01.2009