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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Leserbrief betr. Suchtmonitor 2014 des BAG

Samstag 1. November 2014 von htm

30.10.2014

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Die Bedeutung von Bier“ am 30.10.14  (Link: http://www.tagesanzeiger.ch/leben/essen-und-trinken/Die-Bedeutung-von-Bier/story/24863950)

Der Autor Philippe Zweifel hat den „Suchtmonitor“ des Bundesamts für Gesundheit gelesen und gibt an prominenter Stelle (s)eine Meinung dazu kund. Üblicherweise veröffenlicht ein gutes Presseerzeugnis eine Information und stellt daneben einen Kommentar. So wird dem Leser ermöglicht, sich eine eigene Meinung zu bilden. Jedenfalls in dieser Tages-Anzeiger-Nummer ist von der Information nichts zu sehen. Der nützliche Link http://www.suchtmonitoring.ch/de.html fehlt ebenfalls.

Nach vielen Zeilen belangloser Allgemeinplätze kommt er zum Schluss, uns fehle ein „kultureller Konsens, was Trinken bedeutet: wie und wann Alkohol getrunken wird. Dabei wäre eine kulturelle Einbettung des Trinkens ein wirkungsvolleres Mittel, um Abhängigkeiten zu verhindern, als Gesetze und Therapien.“ Ihm schweben Gesellschaften vor, in denen Alkohol vor allem rituell getrunken wird.

Dann findet er, in der Schweiz sei Alkohol eine Kulturdroge. Passender fände ich in diesem Zusammenhang Scheinkultur. Bereits im 19. Jh. war klar, dass uns der Alkohol von der Wiege bis zur Bahre begleitet. 2001 hatte die Tate Britain Gallery in London ein gewaltiges Gemälde restauriert und erstmals nach fast 100 Jahren der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht: „The Worship of Bacchus“ von George Cruikshank. 1862 (236 cm x 406 cm, Öl auf Leinwand) BBC Television widmete ihm eine grosse Dokumentarsendung: „A 1000 Ways of Getting Drunk in England“.

Dass die Werbung es fertig gebracht hat, auch unsere Jugend und die Frauen in diesen Bann zu ziehen und fast alle Lebensbereiche dem Alkohol zu öffnen, müsse man nicht schlimm finden. „Man sollte sich aber bewusst sein, dass für eine Abhängigkeit nicht nur die Trinkmenge, sondern auch der Grund relevant ist,“ findet er. So einfach ist das.

Dieser Artikel reiht sich würdig in die Reihe derer ein, die dem schwerwiegenden Thema des Alkoholproblems (es geht dabei nicht nur um persönliche Abhängigkeit) in keiner Weise gerecht werden. Er leistet keinen wirklichen Beitrag, dem Leser einerseits die Schädlichkeit des Konsums aufzuzeigen, sowie andererseits die bekannten wirksamen Verbesserungsmöglichkeiten verständlich zu machen. Die gewaltigen Schäden, die wir als Einzelne wie als Gesellschaft zu tragen haben, sind für Philippe Zweifel offensichtlich Peanuts, die der Alkoholkultur selbstverständlich geschuldet sind.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(mit Kürzungen veröffentlicht am 1.11.14)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 1. November 2014 um 18:36 und abgelegt unter Allgemein, Diverse, Feste und Feiern, Jugendliche, Kultur, Leserbriefe, Medien, Preisgestaltung, Reklame, Schweiz, Senioren, Statistik, Veröffentlichungen, Werbung, Zitate. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Die Kommentare sind derzeit geschlossen, aber sie können einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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