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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Leserbrief betr. häusliche Gewalt und Alkohol

Freitag 24. Mai 2013 von htm

22.05.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Sie sind randvoll, wenn „es“ passiert“ am 22.5.13

Bei fast jedem zweiten Fall von häuslicher Gewalt ist Alkohol im Spiel. Aber 70% der Täter geben an, bei ihnen gäbe es kein Alkoholproblem. Im ganzen Artikel fällt kein Wort zu den in diesen Familien lebenden Kindern. Sie sind die eigentlichen Opfer. Sie können sich nicht wehren, können nicht davonlaufen. Allein in der Schweiz gibt es deren über 100‘000. Es soll jetzt ein 24-Std. Notruf eingerichtet werden. Kostenpunkt bis zu drei Millionen Franken. Prävention soll es ab 2014 geben. Vielleicht wieder einmal eine schöne, nichts bringende, teure Plakatkampagne?

Bei den Kindern der Landstrasse und bei den Verdingkindern hat sich der Bundesrat für frühere Generationen entschuldigt. Die riesige Not der Millionen von Kindern nur schon der letzten 100 Jahre lässt ihn kalt. Er müsste ja selber eine charakterliche Kehrtwende vollbringen, wirksame Massnahmen einleiten, und dafür fehlt ihm der Mut.

Die Eisenbahner wehren sich, die Polizeigewerkschaften, das Spitalpersonal; das Hooliganproblem wird seit Jahren hin- und hergeschoben. Die Gewaltbereitschaft junger Männer im Ausgang hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. (TA 19.2.13) Seit 2001 hat sich die Zahl der Rettungseinsätze wegen Komatrinken und Flatratesaufen in Zürich von unter 25-Jährigen verdoppelt.(TA 2.2.13) Die Milliarden Franken Sozialkosten steigen laufend. usw. Nichts Wirksames passiert, denn der Bundesrat hält es nicht für nötig, auf die Schäden zu schauen. Er verweist auf den 20-prozentigen Konsumrückgang bei alkoholischen Getränken innert 20 Jahren. Mehr darf der Alkoholindustrie nicht zugemutet werden. Er schlägt auch die dringenden Ermahnungen und Vorschläge der WHO in den Wind und verhindert, dass die Bevölkerung davon erfährt. (WHO-Resolution für eine globale Alkohol-Strategie, Mai 2010)

Dafür wird laufend weiter liberalisiert. Das neue Spirituosengesetz führt dazu, dass die Schnapssteuern massiv sinken (gegen 50%) und den Gewinn-Anteil der AHV und den der Kantone für den Alkoholzehntel schmerzhaft reduzieren werden. (TA 8.5.13) Aus dem Alkoholzehntel werden Massnahmen in Prävention und Rehabilitation finanziert. Muss nun der Steuerzahler oder der Konsument mit der Mehrwertsteuer dafür herhalten?

Jetzt hat der Bundesrat anlässlich der Eröffnung der Generalversammlung der WHO in Genf die WHO dringend aufgerufen, den Worten Taten folgen zu lassen. – Bei der Bekämpfung der nichtübertragbaren Krankheiten. Ob er den Witz bemerkt hat? Zu den bedeutendsten nichtübertragbaren Krankheiten zählen die alkoholbedingten. Die WHO nennt um die 60!. Den andern Lehren erteilen und selber das Gegenteil tun? Er kann es sich leisten, denn die Medien klären die Bevölkerung ja nicht auf und die Parlamentsmehrheit ist noch wirtschaftsabhängiger als er selber.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

PS

Dies ist seit Sommer 2012 der sechste Leserbrief, die fünf vorherigen wurden nicht veröffentlicht. Verlagsorder? Ihr Ombudsmann hat keine Erklärung.

(am 24.5.13 mit Kürzungen veröffentlicht)

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 24. Mai 2013 um 11:25 und abgelegt unter Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Allgemein, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Kinder, Leserbriefe, Medien, Neues Alkoholgesetz (CH), Nichtübertragbare Krankheiten, Politik, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Verhaltens-Präv., Verhältnis-Präv., Verschiedene, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie, Wirtschaft. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Die Kommentare sind derzeit geschlossen, aber sie können einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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