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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für November 2012

Leserbrief: “Schluss mit öffentlichen Saufgelagen”

Dienstag 27. November 2012 von htm

15.11.2012

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Leserbrief zu „Schluss mit öffentlichen Saufgelagen“ vom 15.11.12

Dübendorf verbietet den unter 16-Jährigen in seiner neuen Polizeiverordnung den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Die Stadt Zürich hat diese Möglichkeit nicht ergriffen. SBB und ZVV sind auch nicht dafür. Der Dübendorfer Leiter der Kinder- und Jugendarbeit ist skeptisch, Prävention über den Preis wäre besser, meint er. Im Bezirk Uster soll dagegen diese Regel flächendeckend eingeführt werden.

In der Viersäulen-Theorie der schweizerischen Drogenpolitik stellt die Repression eine der Säulen dar, sozusagen die letzte Chance, grösseren Schaden zu begrenzen, wenn die eigentliche Prävention nichts gefruchtet hat. Natürlich stellt sich dabei die Frage der Verhältnismässigkeit. In Zürich wäre,  nach Aussage des Sprechers der Stadtpolizei, die Durchsetzung mangels genügender Polizeikräfte nicht denkbar.

Logischerweise müsste also die richtige Prävention früher ansetzen. Leider ist die Schweiz auf diesem Gebiet Entwicklungsland, man könnte auch sagen, eine „Bananenrepublik“. Partikularinteressen statt das Wohl der Bevölkerung bestimmen die Alkoholpolitik in Parlament und Regierung. Die Wirtschaft dominiert, wie auch in anderen Belangen, die Politik. Dazu kommt Angst und/oder komplizenhaftes Fühlen vor oder mit der Alkoholindustrie und der Werbebranche, mit denen viele verbandelt sind, sei es auch nur, weil fast alle Konsumenten dieser hochgejubelten Droge sind. Selbstverständlich werden auch internationale Entwicklungen auf diesem Gebiet, Forschung, Erfahrungen, internationale Gremien, nicht zur Kenntnis genommen. Unsere Souveränität verbietet es uns, auf diesem Gebiet, von andern zu lernen.

So kommt es, dass unsere Gesellschaft, seit Jahrzehnten von der Werbung und den Medien weichgeklopft, die Realität des Alkoholproblems nicht mehr sehen kann und sie verdrängt. Letztlich wird noch gegen Jugendliche vorgegangen, obwohl die Wirtschaft vor Verboten in ganzseitigen Inseraten warnt. Aber es ist immer noch einfacher, die Jugendlichen zu disziplinieren, als seine eigene unethische und letztlich unmenschliche Haltung zu überdenken und zu revidieren. Wir alle tragen die Folgen. Wir sind Passivtrinker, merken es aber nur, wenn wir persönlich betroffen werden. Man kann sich übrigens fragen, ob der Rückgang der Solidarität in der Gesellschaft nicht parallel, in Wechselwirkung, mit dem Rückgang des religiösen Engagements verläuft. Aber das wäre eine andere Diskussion, die nicht vom brennenden Alkoholproblem ablenken sollte.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholsteuern, Allgemein, Jugend, Kinder, Konsumhaltung, Leserbriefe, Medien, Passivtrinker, Politik, Religion und Alkohol, Schweiz, Sozialkosten, Verhältnis-Präv., Werbung, WHO globale Alkohol-Strategie, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Leserbrief zu „Der Horizont reicht bis zur Grenze“

Donnerstag 15. November 2012 von htm

05.09.2012

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Leserbrief zu „Der Horizont reicht bis zur Grenze“ vom 5.9.12

Die ETH hat in einer aufschlussreichen Studie festgestellt, dass sich unsere Parlamentarier einseitig an Schweizer Quellen orientieren. Sie sind sozusagen eine GmbH, ein Gesellschaft mit beschränktem Horizont.

Auch wenn sich die Studie auf die Sicherheitspolitik bezieht, kann dasselbe über die Alkoholpolitik gesagt werden. Obwohl fast täglich Pressemeldungen über Vorfälle erscheinen, die den schädlichen Einfluss des Alkoholkonsums auf unsere Gesellschaft aufzeigen, interessiert das die Politik in keiner Weise. Internationale Bestrebungen und Studien werden bestenfalls im kleinen Kreis der Bundesverwaltung und der ausserparlamentarischen Kommission verfolgt und nach aussen kaum transparent gemacht. Unsere Öffentlichkeit kann sich so auch nicht informieren und nötigenfalls Forderungen stellen.

Die kommenden Parlamentsdebatten über ein neues Alkoholgesetz wären eine Gelegenheit, einen Kurswechsel hin zu einer wirklichen, wirksamen Alkoholpolitik einzuläuten. Der neue Präsident von economiesuisse hätte hier Gelegenheit, seine theologischen Werthaltungen einzubringen und für die Bedürfnisse der ganzen Wirtschaft (nicht nur der Alkoholwirtschaft) einzutreten, wovon dann auch die ganze Bevölkerung profitieren würde.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Allgemein, Leserbriefe, Medien, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Schweiz, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Wirtschaft | Keine Kommentare »

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