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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Leserbrief zu „Komatrinker sollen Spitalrechnung selber bezahlen“

Mittwoch 25. Januar 2012 von htm

25.1.2012
Redaktion
Tages-Anzeiger
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Zürich

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Leserbrief zu „Komatrinker sollen Spitalrechnung selber bezahlen“ und
„Hotel Suff“: Jeder zweite Rekurrent musste die Rechnung nicht bezahlen“ vom 25.1.2012

Ausnahmsweise bin ich mit SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi gleicher Meinung: Komatrinker sollten die Folgen ihres Rauschtrinkers selber tragen; oder im Falle ihrer Minderjährigkeit deren Eltern. Dass nach einer gewissen Erfahrungszeit die Durchführung mit gesundem Menschenverstand machbar ist, zeigt die Praxis in der Stadt Zürich mit den Ausnüchterungszellen. Allerdings sollte die Praxis einheitlich sein.

Diese Systemänderung in Richtung Selbstverantwortung und Verursacherprinzip müsste aber weitergedacht werden. Wann wird der Frage nachgegangen, wer die Alkoholika den Jugendlichen oder dem bereits Betrunkenen verkauft hat? Diese Gesetzesbrecher sollten auch zur Rechenschaft gezogen werden.

Nach dem Verursacherprinzip müsste sich aber auch die ganze Gesellschaft mitverantwortlich fühlen. Wir ermöglichen mit unsern alkoholfreundlichen Gesetzen der Alkoholindustrie die praktisch schrankenlose Ausbreitung und wirken mit unsern Trink(un)sitten in jeder Lebenslage von der Wiege bis zur Bahre konsumfördernd und mit schlechtem Beispiel mit. Es ist billig, nur die zur Kasse zu bitten, die nicht in der Lage sind, verstandes- und willensmässig diesem gewaltigen Konsumdruck zu widerstehen, und selber bei nächster Gelegenheit im Bewusstsein seiner eigenen Stärke das Glas zu erheben oder eine Flasche selbstverständlich des besten Weins geschenkweise zu überreichen, wenn möglich noch vor Publikum, das freundlich Beifall klatscht.

Die Kehrseite der Medaille ist allerdings die, dass wir alle bereits unter dem Verursacherprinzip leiden, nur wollen wir es nicht wahrhaben, weil wir sonst Vorurteile begraben und aktiv werden müssten. In Kreisen der WHO nannte man uns deshalb Passivtrinker, weil wir alle, egal wie viel Alkohol wir konsumieren, die alkoholbedingten Schäden in Milliardenhöhe ein Leben lang ungefragt bezahlen und die eingeschränkte Lebensqualität in Kauf nehmen.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon

Bericht parlament.ch (heute noch nicht veröffentlicht)

(gekürzt am 30.01.12 veröffentlicht)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 25. Januar 2012 um 15:00 und abgelegt unter Alkoholindustrie, Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Die Kommentare sind derzeit geschlossen, aber sie können einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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