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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Online-Kommentar zu „Alkohol muss teurer werden“

Donnerstag 17. Dezember 2009 von htm

„Alkohol muss teurer werden“ in Zeit Online, 16.12.09 (Kommentare 78 und 80)
Jeder hat zum Alkoholproblem seine eigene Einstellung, geprägt von seinem Umfeld, der persönlichen Trinkkultur oder -Unkultur, der gesellschaftlichen Wirklichkeit mit omnipräsenter Alkoholwerbung, mit Festen und Feiern von der Wiege bis zur Bahre, usw. Jeder ist aber auch ständiger Passivtrinker, er zahlt ein Leben lang sich dumm und dämlich, ungefragt an die Schäden des Alkoholkonsums, und zwar Zehntausende. Egal ob Viel-, Wenig- oder Nichttrinker. Via Steuern, Versicherungs- und Krankenkassenprämien. Dazu kommt die verminderte Lebensqualität, die meist nur begriffen wird, wenn es die eigene Familie oder Umgebung trifft. Eine Ahnung erhält, wer Zeitung liest.
Nun haben die Stimmbürger der meisten Länder in ihre Verfassung geschrieben, der Staat solle sich für ihr Wohl einsetzen. Je nach Trinkkultur und Macht der Alkoholindustrie haben sich deshalb Parlamente Gesetze gegeben, die den Alkohol mehr oder weniger reglementieren. Den Erfolg kann man in den Statistiken über den Gesamtkonsum pro Kopf an reinem Alkohol ablesen. Norwegen, Schweden und Island mit der Hochpreispolitik und mit staatlichen Monopolen hatten einen halb so hohen Konsum wie z.B. Deutschland, bis z.B. Schweden durch die EU gezwungen wurde, die Steuern zu senken. Der Konsum nahm zu, liegt aber immer noch ca 4 Liter unter dem von Deutschland (10 L). Was man als Tourist in fremden Ländern in Beizen und auf der Strasse sieht, ist nicht das ganze Leben.
Für kritische Infos gibt es www.alkoholpolitik.ch.

80. Zum Alkoholproblem (2)
Nun haben die WHO und die EU die Initiative ergriffen, und eine Alkoholstrategie erarbeitet, bei der sogar die Alkoholindustrie mitwirken konnte, obwohl dies kontraproduktiv ist. Damit soll den Mitgliedstaaten Entscheidungshilfen geliefert werden, die sie dann benützen können oder auch nicht. Es wurde (zum Teil) Wert auf Massnahmen gelegt, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Die Steuerung des Konsums über den Preis ist die wirksamste Methode, den Konsum und damit die Schäden zu senken. Gerade Jugendliche und Abhängige reagieren sehr preisempfindlich. Die nächst wirksame Massnahme ist die Einschränkung der Erhältlichkeit. Damit wird vielerorts gearbeitet. Dann spielt die Höhe der Promillegrenze ein Rolle, das Mindestalter für Jugendliche beim Einstieg und die Einschränkung oder das Verbot der Alkoholwerbung. Die, wie es immer heisst, mässige Mehrheit hätte es in der Hand, mit politischem Druck eine Änderung herbeizuführen. Sie könnte mit einer Steuererhöhung, die sie wenig trifft, das Maximum bei der Verminderung der Sozialkosten und der Verbesserung der Lebensqualität herausholen. Wenn bestimmt würde, dass diese Steuereinnahmen für Rehabilitation und Prävention, für Breitensport und Kulturförderung verwendet würde, wäre der Erfolg noch grösser. Würden die Massnahmen koordiniert in der EU eingeführt, müsste auch nicht mit grossen Schmuggelproblemen gekämpft werden. Mit zunehmendem Erfolg und Bemerkbarkeit der Auswirkungen würde die Akzeptanz laufend steigen

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 17. Dezember 2009 um 19:16 und abgelegt unter Allgemein, Europaparlament / EU-Kommission, Internationales, Jugend, Leserbriefe, Politik, Statistik, Verhältnis-Präv., Weltgesundheits-Org., Werbung. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Die Kommentare sind derzeit geschlossen, aber sie können einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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